Was tun, wenn das Notebook baden geht?

17.02.2017
Eine kleine Unachtsamkeit mit großen Folgen: Kippt man aus Versehen ein Getränk in den Laptop, drohen schwere Schäden am Gerät. Aber was kann man noch tun, wenn der Rechner baden geht?
Wasser kann im Notebook zu Kurzschlüssen führen und dadurch schwere Schäden anrichten. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Wasser kann im Notebook zu Kurzschlüssen führen und dadurch schwere Schäden anrichten. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Der Schreckmoment für jeden Notebookbesitzer: Eine hektische Bewegung, die Hand stößt gegen das Wasserglas neben dem Computer - und das kippt in elegantem Bogen über die Tastatur. Alles ist nass, Panik kommt auf. Was kann man jetzt noch tun?

In einem Notebook stecken allerhand private Daten, wichtige Dokumente und Erinnerungen. Computerexperten raten immer wieder zu regelmäßigen Datensicherungen - auch wegen der Gefahr durch Wasserschäden. Doch längst nicht jeder legt regelmäßig Sicherungskopien an. Ob bei einem Flüssigkeitsschaden auch die Daten baden gehen, hängt vom Laptopmodell und der Ersten Hilfe danach ab.

«Festplatten sind meistens so gut geschützt, dass sie in fast allen Fällen keinen Schaden nehmen», sagt Stefan Ebelt vom Verein ReUse in Berlin. «Trifft aber genug Flüssigkeit auf eines der Bauelemente im Laptop, können diese einem Kurzschluss erliegen und sind defekt.» Mit etwas Pech kann das eine fatale Kettenreaktion auslösen: Geht ein Teil kaputt, könne das andere Bauelemente mitreißen.

Dann kann guter Rat teuer werden. «Einen Kurzschluss beziehungsweise die zerstörten Bauelemente zu finden und eventuell zu ersetzen, kann teilweise unmöglich sein», sagt Ebelt. «Den Technikern bleibt nichts Anderes übrig, als alle Komponenten im Notebook zu testen.»

Das Malheur mit dem Wasserglas lässt sich zwar nicht rückgängig machen. Doch wenn der Rechner baden geht, kann man mit schneller Reaktion immerhin den Schaden begrenzen und Kurzschlüsse vermeiden, sagt Stefan Ebelt.

Im ersten Schritt muss das Notebook vom Netz. Besser noch, man macht es komplett stromlos. Das heißt: Sofort ausschalten, Netzkabelstecker ziehen und - wenn möglich - den Akku entfernen.

Ist nur wenig Flüssigkeit über das Gerät gelaufen, sollte man es unbedingt gerade stehen lassen, rät Ebelt. Ist die Computerüberschwemmung größer, kann der Rechner vorsichtig gekippt werden, so dass die Flüssigkeit herauslaufen kann. Mit einem Handtuch oder Küchenpapier wird sichtbare und herauslaufende Flüssigkeit vorsichtig aufgesaugt.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann den Laptop trocknen - etwa auf der Heizung. Die Temperatur sollte aber auf keinen Fall über 40 Grad Celsius liegen.

Und auch danach kann sich noch Wasser zwischen einzelnen Bauteilen oder Kontakten befinden. Um Kurzschlüsse zu vermeiden, sollte der Rechner deswegen auf keinen Fall wieder angeschaltet werden. In einem Fachgeschäft für IT-Technik ist er vorerst besser aufgehoben. Elektrofachmärkte seien weniger geeignet, sagt Ebelt. Die Computer-Experten entscheiden dann, wie es weitergeht: Trocknung, Reinigung oder Reparatur? Je nachdem, wie viel Flüssigkeit und vor allem welches Getränk ausgeschüttet wurde, ist die Reparatur mehr oder weniger aufwendig. Klebrige Getränke wie Säfte oder Cola sind deutlich schwieriger zu entfernen als klares Mineralwasser. Wird ausgelaufene Milch nicht restlos beseitigt, kann das später übel riechen.

Neben Erster Hilfe in Sachen Schadensminimierung muss auch die Schadensregulierung angegangen werden. Ist der Laptop versichert oder gehört er Freunden, springt eventuell die Versicherung ein. Dann sollte man den Schaden schon vor der Reparatur dem Versicherer melden, rät Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. «Schäden, die Sie selbst an Ihrem Laptop verursachen, können Sie über eine spezielle Laptopversicherung regulieren», erklärt die Expertin. Anders ist das, wenn das Getränk über den Computer eines Freundes oder Arbeitskollegen ausgekippt wurde. Dann springt die private Haftpflichtversicherung ein.

Wer die Wahl hat zwischen Haftpflicht- und Elektronikversicherung, sollte laut Lisa Högden von der Verbraucherzentrale Brandenburg den Schaden von der Elektronikversicherung bezahlen lassen. «Sie ersetzt den Wiederbeschaffungswert, also den Neupreis, den man heute für dieses Gerät bezahlen müsste. Die Haftpflichtversicherung zahlt dagegen nur den Zeitwert, etwa den heute erzielbaren Preis für das alte schadlose Gerät», sagt sie.

In wenigen Fällen könne die Reparatur nach einem Flüssigkeitsschaden sogar unter die Garantieleistungen fallen, sagt Lisa Högden. Ob das der Fall ist, könne am besten ein Fachgeschäft entscheiden, ergänzt Technikexperte Stefan Ebelt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das Siegel Geprüfte Sicherheit (GS) bestätigt durch ein unabhängiges Prüfinstitut, dass das Gerät den Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes genügt. Foto: Andrea Warnecke Welche Infos beim Gerätekauf helfen Wer ein neues Elektrogerät sucht, findet auf der Verpackung und am Gerät selbst zahllose Labels. Wichtig sind nur einige von ihnen, da sie Auskunft geben über Stromverbrauch oder Umweltfreundlichkeit. Aber nicht jedes Gerät hält, was die Label versprechen.
Facebooks Messenger ist ein praktisches Chat-Programm mit vielen Funktionen. Aber es gibt auch zahlreiche Alternativen mit Fokus auf den Datenschutz. Foto: Andrea Warnecke Diese Messenger-Alternativen gibt es Messenger sind beliebt, um per Smartphone oder am Rechner schnell, kostenlos und bequem Nachrichten mit Freunden und Familie auszutauschen. In den Chats geben Nutzer jede Menge persönliche Informationen preis. Doch wer garantiert, dass sie privat bleiben?
An eine Handyreparatur sollte man sich höchstens wagen, wenn Gewährleistung und Garantie schon abgelaufen sind, raten Experten. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn Freie Reparatur Fehlanzeige: Defektes landet beim Hersteller Freie Werkstätten, die Ersatzteile austauschen und defekte Produkte reparieren: Was in der Autowelt völlig selbstverständlich ist, passiert in der Technikwelt viel seltener. Schikane der Hersteller oder Faulheit der Verbraucher?
2017 ändert sich für Fernsehzuschauer einiges. DVB-T macht Platz für den Nachfolger DVB-T2 HD, im Netz von Unitymedia endet die analoge Übertragung des Bildsignals. Foto: Bodo Marks Fernsehen und Roaming - das ändert sich nächstes Jahr Ab Ende März 2017 werden viele Fernseher kein Bild mehr zeigen. Zumindest dann, wenn Antennen-Zuschauer den Umstieg auf DVB-T2 HD verpassen. Auch beim Kabel-TV geht die Digitalisierung 2017 weiter, während beim Mobilfunk die Roaminggebühren fallen - voraussichtlich.