Was Flugreisende in den Osterferien erwartet

08.04.2019
Ostern ist der erste Reisehöhepunkt im Jahr. Die Luftverkehrsbranche will in diesem Jahr vieles besser machen als 2018. Aber das System arbeitet an seinen Grenzen.
Kommt es in den Osterferien wieder zu Chaos auf den Flughäfen? Mehr Boden- und Flugpersonal sowie Reservemschinen sollen Schlimmstes verhindern. Foto: Tobias Hase
Kommt es in den Osterferien wieder zu Chaos auf den Flughäfen? Mehr Boden- und Flugpersonal sowie Reservemschinen sollen Schlimmstes verhindern. Foto: Tobias Hase

Frankfurt/Main (dpa) - In den kommenden Tagen wird es ernst an den deutschen Flughäfen. Wenn zum Wochenende (13./14. April) die Osterferien in allen größeren Bundesländern beginnen, drängen schon ab Donnerstag Hunderttausende Passagiere gleichzeitig an die Gates.

Weil der große Andrang im vergangenen Sommer zum beträchtlichen Chaos in Europas Luftraum beigetragen hat, soll in dieser Saison alles besser werden, haben Airlines, Behörden und Flughäfen versprochen. Doch weiter bestehende Personalengpässe bei der Flugsicherung und neue Probleme beim Fluggerät lassen keine Euphorie aufkommen.

Auf einem Luftfahrtgipfel hatten die Beteiligten Ende März in Hamburg konkrete Maßnahmen angekündigt, zugleich aber Erwartungen gedämpft. «In diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen», erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hinterher und sprach von unvermeidbaren «Ruckeleien». Nach Einschätzung der Deutschen Flugsicherung (DFS) wird der Flugverkehr im deutschen Luftraum auch in diesem Jahr wachsen, und zwar um rund 4 Prozent nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen im Chaosjahr 2018.

Personal aufegstockt

Der Flughafenverband ADV sieht seine Mitglieder gut vorbereitet: Allerorten werde das Personal aufgestockt, Prozesse würden optimiert. Auch werde den bislang beengten Passagier- und Handgepäckkontrollen mehr Platz eingeräumt. Die Bundespolizei hat in den vergangenen Monaten erfolgreich neue Kontrollspuren getestet, die mit einfachen Konstruktionen die Zahl der stündlich zu kontrollierenden Passagiere mehr als verdoppeln kann.

Einziger Haken: Diese neuen Kontrollspuren stehen mit wenigen Ausnahmen in München, Hamburg und Frankfurt noch nirgendwo zur Verfügung. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wird für sieben neue Spuren ein eigener Anbau errichtet, der aber frühestens im Sommer bereit ist. Bis dahin setzen die Beteiligten auf Verbesserungen im Detail.

Der Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte hält ohnehin an der Forderung fest, die bislang von der Bundespolizei angeleiteten privaten Kontrolleure künftig selbst zu steuern. Beim Gipfel hatte es für einigen Unmut gesorgt, dass in Berlin die beiden bestellten Gutachten zu diesem sicherheitsrechtlich heiklen Thema immer noch nicht vorliegen.

Mehr Reserveflugzeuge

Die Airlines hatten mit ihren engen Flugplänen im vergangenen Jahr kräftig zu Verspätungen und Flugausfällen beigetragen, weil sie nach der Pleite von Air Berlin möglichst große Marktsegmente besetzen wollten. Lufthansa, ihre Tochter Eurowings, Condor und Co. haben sich im laufenden Jahr beschränkt und stellen deutlich mehr Reserveflugzeuge und Crews bereit. Allein der Lufthansa-Konzern wendet nach Angaben von Vorstand Detlef Kayser eine Viertel-Milliarde Euro für einen stabileren Betrieb auf.

Wegen der Probleme um Boeings Pannenflieger 737 Max sind Mittelstreckenflugzeuge in Europa allerdings schon jetzt ein knappes Gut. Nach dem Absturz einer Boeing in Äthiopien hatten zahlreiche Länder rund um den Globus, darunter Deutschland, Flugverbote für diesen Typ erlassen. Neben der Billig-Airline Norwegian ist insbesondere der Reisekonzern TUI getroffen, dem 23 fest eingeplante Jets auf ungewisse Zeit bis zur Wiederfreigabe des Flugzeugtyps fehlen. Auf 200 Millionen Euro hat TUI-Chef Friedrich Joussen die Mehrkosten bis Mitte Juli beziffert, wenn auslaufende Leasingverträge verlängert und neue Mietverträge abgeschlossen werden. Bleiben die Boeings noch länger am Boden, wird es schnell noch teurer.

Zu wenig Kapazitäten bei Deutscher Flugsicherung

Die mit Abstand größte Baustelle bleibt derweil vorerst die bundeseigene Deutsche Flugsicherung GmbH, bei der rund 2000 Lotsen arbeiten. Wie viele zur Bewältigung der kommenden Verkehrsspitzen insbesondere im oberen Luftraum fehlen, ist umstritten: DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle beziffert die Lücke auf 90 Leute, während die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mindestens 200 neue Kollegen will.

Ihr Vorsitzender Matthias Maas wirft Scheurle vor, die Ausbildung seit seinem Amtsantritt 2013 kaputt gespart zu haben und auch seit der Sommer-Krise nicht entschlossen genug umzusteuern. Der DFS-Chef verweist hingegen auf eine Reihe von bereits eingeleiteten Maßnahmen, die Flüge zu bündeln und effizienter zu ordnen. Auch wurden fertig ausgebildete Lotsen aus dem Ausland angeworben und die Kapazität der eigenen Ausbildungsakademie hochgefahren. Kurzfristig benötigt die DFS aber die Mehrarbeit ihrer Bestandslotsen und dafür wiederum die Kooperation der GdF. Eine Einigung dazu steht noch aus.

Wie Urlauber Stress am Flughafen vermeiden können

Trotz der Vorsorge der Flughäfen und Airlines dürfte es in den Osterferien an den deutschen Flughäfen wieder voll werden. Passagiere können aber ihren Teil dazu beitragen, möglichst stressfrei durch die Abfertigung und Sicherheitskontrolle zu kommen.

Am besten checken Flugreisende bereits vor der Fahrt zum Airport online ein. Das spart Zeit in der Schlange vor dem Check-in-Schalter. Denn oft gibt es eine - deutlich kürzere - Schlange allein für die Aufgabe von Koffern und Gepäck. An einigen Flughäfen stehen zudem Automaten für den selbstständigen Check-in bereit.

Wann der Airport für verpasste Flüge haftet

Ein Nadelöhr für alle Passagiere ist die Sicherheitskontrolle. Sie liegt nicht in der Verantwortung der Airlines, sondern ist Sache des Flughafens. Wer hier zu lange warten muss, kann den Flieger verpassen. Dauert die Kontrolle etwa wegen Personalmangels extrem lange, muss der Airport eventuell für Mehr- und Umbuchungskosten aufkommen. So entschied das Amtsgericht Erding (Az.: 8 C 1143/16) in einem Fall. Den Fluggast traf hier jedoch eine Mitschuld. Er hätte sich in der Warteschlange aktiv nach vorne begeben müssen.

Dieser Fall ist nicht unbedingt übertragbar. Der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover rät daher, lieber eine Stunde mehr am Flughafen einzuplanen. Zwar könne man als Passagier in der Schlange der Sicherheitskontrolle darauf drängen, nach vorne gelassen zu werden, wenn die Zeit bis zum Abflug knapp wird. «Aber man wird nicht ohne weiteres nach vorne gelassen», weiß der Jurist.

Ankunftszeiten besser einhalten

An manchen Flughäfen gibt es sogenannte Fast Lanes bei der Fluggastkontrolle. Darauf vertrauen sollten Urlauber aber nicht. In jedem Fall ist es klug, die vorgegebenen Ankunftszeiten vonseiten der Airline oder des Reiseveranstalters einzuhalten. «Die Anreise zum Flughafen ist grundsätzlich Sache des Reisenden», stellt Degott klar. Das gilt streng genommen bis zur Ankunft am Abflug-Gate.

«Ich rate dazu, immer mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein», sagt Degott. Das gelte zu Stoßzeiten wie rund um Ostern auch für diejenigen Passagiere, die bereits zu Hause eingecheckt haben und nur mit Handgepäck unterwegs sind.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Lufthansa hat nach eigener Aussage in diesem Sommer rund 250 Millionen Euro an Passagiere gezahlt. Das Unternehmen will nun die gleiche Summe investieren. Foto: Silas Stein Luftfahrt-Gipfel: Flugverkehr muss pünktlicher werden Nach einem Chaos-Sommer für viele Fluggäste haben sich Politik und Wirtschaft auf einige Schritte gegen Verspätungen und Ausfälle geeinigt. Sie versprechen: Das Drama von 2018 wird sich im nächsten Jahr nicht wiederholen.
Eurowings bietet bald zwei neue Routen an. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn Eurowings und Co.: Neue Routen und gestrichene Flüge Die Airlines krempeln ihr Flugprogramm um. Während die einen neue Routen innerhalb Deutschlands anbieten, setzen andere auf neue Urlaubsflüge, zum Beispiel nach Griechenland. Zwei Airlines streichen Routen.
Air Berlin hebt bald nicht mehr ab. Viele Tickets verlieren ihre Gültigkeit. Foto: Federico Gambarini/dpa Lufthansa-Übernahme: Was aus den Air-Berlin-Tickets wird Air Berlin geht wohl bald zu großen Teilen an Lufthansa. Auf Details müssen Reisende aber wohl noch etwas warten. Die Wettbewerbshüter in Brüssel werden das Geschäft prüfen. Was Kunden aktuell wissen müssen.
Die Zahl der schweren Unfälle in der zivilen Luftfahrt ist 2018 mit 45 nahezu auf dem Vorjahresstand geblieben. Foto: Frank Rumpenhorst Mehr Todesopfer im Flugverkehr als im Vorjahr Die Luftfahrt boomt wie selten zuvor. Immer höher, schneller, weiter - lautet die Devise. Dieses Jahr gab es erstmals wieder steigende Opferzahlen. Experten sehen darin auch erste Grenzen des Wachstums.