Was Corona-Tests mit dem Urlaubsgefühl machen

24.07.2020
Die Mund-Nasen-Maske gehört mittlerweile fest zum Urlaub. Bald könnten auch verpflichtende Corona-Tests für Reiserückkehrer kommen. So richtig normal wird das aber wohl nie werden, meint ein Experte.
Passagiere gehen am Flughafen Frankfurt an Deutschlands erstem «Flughafen-Corona-Test»-Zentrum vorbei. Foto: Boris Roessler/dpa
Passagiere gehen am Flughafen Frankfurt an Deutschlands erstem «Flughafen-Corona-Test»-Zentrum vorbei. Foto: Boris Roessler/dpa

Kiel (dpa/tmn) - Maske, Abstand halten, Corona-Tests: Für Urlauber ist in diesem Sommer vieles anders. Flugreisende aus Risikogebieten im Ausland sollen sich künftig sogar direkt nach der Rückkehr auf das Coronavirus testen lassen - möglichst noch am Flughafen. Werden wir uns an diese neue Normalität beim Reisen gewöhnen?

Nein, aber wir werden sie akzeptieren, erwartet der Psychologe Andreas Matuschek aus Kiel. Er glaubt, dass wir je nach Verlauf der Pandemie beim Reisen bald schon wieder zur alten Normalität zurückfinden könnten.

Akzeptanz, aber keine Gewohnheit

«Gewohnheiten zu verändern bedarf immer enorm viel Willenskraft», sagt Matuschek. Statt von Gewohnheit würde er daher eher von einer Akzeptanz der Hygienemaßnahmen beim Reisen sprechen: Die Menschen hätten gemerkt, dass sie durch die kleinen Einschränkungen, durch die Maske oder dann auch durch Corona-Tests, den schmerzlichen Verlust der Freiheit langsam zurückgewinnen. Auch über die Maskenpflicht sei ja viel geschimpft worden - «aber die meisten setzen die Masken dann doch auf, um andere und sich zu schützen», beobachtet der Psychologe.

Damit der Urlaub auch bei einer Teilnahme an Corona-Tests entspannt enden kann, sei eine klare und präventive Kommunikationsstruktur wichtig, erklärt Matuschek. Für die Rückkehrer müsse zum Beispiel klar ersichtlich sein, wo sie einen Corona-Test machen können. Die Informationen müssten außerdem so verständlich sein, so dass sie einfach aufgenommen und verarbeitet werden können.

Auch die Probleme, die infolge der Maßnahmen entstehen könnten, zum Beispiel weil ein Testergebnis positiv ausfällt, müssten handhabbar sein. «Wie funktioniert die Isolation von der Familie? Wer übernimmt Einkäufe? Was passiert mit dem Job?», nennt Matuschek als Beispiele für Fragen, auf die Reisende dann eine Antwort haben sollten.

Alles dauert gerade etwas länger

Damit die Maßnahmen als sinnvoll erachtet werden, gehört für Matuschek dazu, dass Reisende akzeptieren, dass momentan alles unter Umständen etwas länger dauert und die Hygienemaßnahmen dazugehören. Wenn das Gefühl von Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit der Maßnahmen und der Umsetzung da sei, «dann ist das für die psychische Stabilität auch nicht destabilisierend, sondern förderlich», sagt der Psychologe.

Ob das Urlaubsgefühl leidet, hänge aber natürlich stark davon ab, was für eine Art der Reise man wählt. Als Beispiel nennt Matuschek einen Urlaub auf Mallorca mit «Party-Sauf-Tourismus». Wird der angepeilt, «dann ist jetzt definitiv nicht die richtige Zeit zu verreisen».

Unsicherheiten sind subjektiv

Es sei aber nicht nur von der Art der Reise und vom Ziel abhängig, ob sich ein Urlaub in Corona-Zeiten normal anfühlt - sondern auch davon, wie weit Touristen Risiken akzeptieren können, erklärt Matuschek. «Wie gut oder schlecht wir mit Unsicherheiten und Ungewissheiten umgehen können, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.» Beim Reisen habe es auch ohne Corona immer Unsicherheiten und Risiken gegeben - zum Beispiel kann es einen Streik geben und der Rückflug ausfallen.

Dafür, wie wir in Zukunft das Reisen erleben, sei der weitere Verlauf der Pandemie natürlich ein großer Unsicherheitsfaktor. «Aber ich bin relativ überzeugt davon, dass diese neue Normalität dann auch bald wieder abgelöst wird von der alten Normalität», erwartet Matuschek.

© dpa-infocom, dpa:200724-99-910109/5

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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