Warum sich eine Reise nach Wuppertal lohnt

06.10.2021
Berlin, Hamburg, Köln: Alles Ziele für einen kurzen Städtetrip. Aber Wuppertal? Da müssen manche lachen. Doch vielleicht sollten Sie einmal vorbeikommen - nicht nur wegen der Schwebebahn.
Die Wuppertaler Schwebebahn begeisterte sogar die Reiseexperten des US-Fernsehsenders CNN. Foto: Malte Reiter/Wuppertal Marketing GmbH/dpa-tmn/Archiv
Die Wuppertaler Schwebebahn begeisterte sogar die Reiseexperten des US-Fernsehsenders CNN. Foto: Malte Reiter/Wuppertal Marketing GmbH/dpa-tmn/Archiv

Wuppertal (dpa/tmn) - Wolfram Deutsch zieht einen etwas gewagten Vergleich heran: «New York hat die autofreie Highline, Wuppertal die 23 Kilometer lange Nordbahntrasse», sagt der Industriemanager, der als Hobby einen Fahrradverleih an ebenjener Strecke betreibt.

Die Nordbahn kann sich in der Tat sehen lassen. Wo bis 1991 noch Triebwagenzüge von Bahnhof zu Bahnhof dieselten, ist einer der europaweit längsten innerstädtischen Wege für Radfahrer, Fußgänger und Skater entstanden. An sonnigen Tagen sind Tausende auf der Trasse unterwegs. Radtouristen blicken von historischen Brückenviadukten auf das Häusermeer im Tal, Wuppertaler pendeln zur Arbeit.

Die Nordbahntrasse zählt zu den Attraktionen der touristisch wenig bekannten Großstadt im Bergischen Land, eine knappe Autostunde von Düsseldorf entfernt. Diese Stadt soll eine Reise wert sein? Und ob.

Steile Straßen und hübsche Villen

Wer die Stadt zu Fuß erkundet, sollte fit sein. Das merken die Besucher bei der Thementour «Villenpracht und Hinterhof» mit Guide Johannes Schlottner, 62. Bis zu 350 Meter erheben sich die Berge über dem Tal. Als einer der steilsten Anstiege gilt die Sadowastraße im Briller Viertel in Elberfeld. Prächtige Bauwerke säumen die stillen Straßen, viel Grün links und rechts. Bis in die 1920er Jahre siedelten sich hier wohlhabende Fabrikbesitzer an.

Die schlossähnlichen Bauten im Briller Viertel prunken mit Neugotik, Neobarock und Jugendstil, ab 1910 auch im bergischen Heimatstil mit Schieferfassaden, Holzschnitzereien und grünen Fensterläden.

So entstand eines der größten und bis heute erhaltenen Villenviertel aus der Gründerzeit in Deutschland. Unter Denkmalschutz stehen 242 Villen. «In Wuppertal begann die Industrialisierung», erklärt Schlottner. Hier ratterten im frühen 19. Jahrhundert die ersten mechanischen Spinnmaschinen. In der Blütezeit gab es mehr als 250 Spinnereien, Webereien, Färbereien und Veredelungsbetriebe für Textilien. Die Stadt wuchs rasant - ein deutsches Manchester.

Von der Textilmetropole zur Hochschulstadt

Die Textilarbeiter zogen ins Ölbergviertel. Das Quartier bekam diesen Namen in den 1920er Jahren, als dessen Einwohner Petroleumlampen nutzen mussten. Inzwischen ist das ehemalige Arme-Leute-Viertel hübsch herausgeputzt. Triste Hinterhöfe sind verschwunden.

Wuppertal hat sich gewandelt. Einst Textilmetropole mit radikalem Niedergang und Arbeitslosigkeit - heute Hochschulstadt mit 22.000 Studierenden. Die Großstadt bietet Hochkultur, die man als Besucher auf den ersten Blick gar nicht vermutet.

Das Von der Heydt-Museum zum Beispiel besitzt 3000 Gemälde. Die Werke reichen von der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts bis zu Salvador Dalí und Paul Klee.

Wofür Wuppertal weltberühmt ist

Musikliebhaber schwärmen wegen der meisterlichen Akustik in höchsten Tönen von der historischen Stadthalle, Baujahr 1900. Vergleiche mit dem exzellenten Raumklang im Großen Musikvereinssaal in Wien fallen häufig. «München sollte nach Wuppertal schauen», so wird der Stardirigent Sir Simon Rattle zitiert. Er soll 2023 die Leitung des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks übernehmen.

Ballettfreunde wiederum sprechen mit Ehrfurcht von Pina Bausch und deren Wuppertaler Tanztheater. Die 2009 verstorbene Choreografin und Tänzerin veränderte die Kunstform Ballett ab 1973 durch ihre neuartigen Inszenierungen, Alltagsszenen, verbunden mit der Poesie des Bühnentanzes, anfangs heftig umstritten, später von Kritik und Publikum euphorisch gefeiert. Insgesamt mehr als 40 Stücke.

Schwebend über die Wupper

Und dann ist da natürlich noch die Sehenswürdigkeit, wegen der die allermeisten Touristen nach Wuppertal kommen: Die Schwebebahn. Vor 120 Jahren wurde sie in Betrieb genommen. Auf einer Strecke von gut 13 Kilometern rattern, rumpeln und quietschen die blauen Waggons staufrei an einer Gerüstkonstruktion zwischen Vohwinkel und Oberbarmen, acht Meter über den Straßen, zwölf Meter über der Wupper.

Der bekannte US-Fernsehsender CNN nannte die Schwebebahn «one of the world's coolest rail systems», eines der weltweiten coolsten Bahnsysteme. Und empfahl Wuppertal prompt als eines der 20 besten Reiseziele des Jahres 2020 - neben Vancouver, St. Petersburg und Kopenhagen. Darauf sind sie in Wuppertal schon stolz.

© dpa-infocom, dpa:211005-99-489162/4

Verein Wuppertalbewegung

Historische Stadthalle Wuppertal

Von der Heydt-Museum

Pina-Bausch-Zentrum

Skulpturenpark Waldfrieden

Tanztheater Wuppertal - Pina Bausch

CNN-Artikel

Wuppertal Marketing

Wuppertal

Anreise: Wuppertal ist bequem mit dem Zug erreichbar, dort hält auch ein ICE. Mit dem Auto Anschluss über die A 1 und A 46.

Informationen: Wuppertal Touristik, Kirchstraße 16, 42103 Wuppertal (Tel: 0202/563 22 70, E-Mail: wuppertaltouristik@wuppertal-marketing.de, www.wuppertal-marketing.de)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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