Warum Eltern bei Besuch ein Auge zudrücken dürfen

25.11.2020
Kinder sind Meister darin, Regeln auszutesten. Haben sie Freunde zu Besuch, werden Verbote besonders gerne umgangen. Warum Eltern trotzdem nicht sofort schimpfen sollten, erklärt eine Expertin.
Nicht so laut toben? Haben Kinder Freunde zu Besuch, sind manche Regeln schnell vergessen. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn
Nicht so laut toben? Haben Kinder Freunde zu Besuch, sind manche Regeln schnell vergessen. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn

Baierbrunn (dpa/tmn) - Hüpfen auf dem Sofa? Absolut verboten! Mit dem Skateboard durch die Wohnung rollern? Auf keinen Fall! Die eigenen Kinder kennen die Regeln von Mama und Papa meist sehr genau. Sind jedoch Freunde zu Besuch, geraten viele dieser Absprachen in Vergessenheit. Kinder testen dann gerne aus, ob sie sich nicht doch ungestraft darüber hinwegsetzen dürfen.

Eltern sollten in einer solchen Situation erstmal gelassen bleiben und beobachten, findet Dana Mundt. Sie ist Sozialpädagogin von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Schließlich sei der Besuch von Freunden für Kinder eine besondere Situation, in der man auch mal Ausnahmen zulassen kann. Ein Beispiel: Wenn der Freund da ist, dürfen die Kinder vielleicht schon vom Tisch aufstehen, obwohl noch nicht alle fertig sind.

Eingreifen würde Mundt erst dann, wenn die Spielsituation zu kippen droht: «Wenn es gefährlich und destruktiv wird, würde ich dazwischengehen - aber behutsam, denn man möchte ja sein Kind nicht vor dem Besuch bloßstellen», sagt Mundt in der Zeitschrift «Baby und Familie» (Ausgabe 11/20). Es sei aber durchaus legitim, dem Gastkind zu erklären, welche Regeln es im eigenen Haushalt gibt.

Um die Lage zu entschärfen, können Eltern versuchen, die Situation umzuleiten. Kinder mit großem Bewegungsdrang schnappt man sich am besten für eine Runde rausgehen. Kommt Langweile auf, kann man ein Gesellschaftsspiel vorschlagen und selbst eine Runde mitspielen.

© dpa-infocom, dpa:201125-99-457985/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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