Walkman, Diskette und Co sind museumsreif

30.10.2019
Wie bedient man ein Telefon mit Wählscheibe? Im Zeitalter des Smartphones eine berechtigte Frage. Im Archäologischen Museum Hamburg können Besucher dem «hot stuff» vergangener Zeiten nachspüren.
Wer kennt heute noch Walkman, Disketten oder Telefonzellen?. Foto: Axel Heimken/dpa
Wer kennt heute noch Walkman, Disketten oder Telefonzellen?. Foto: Axel Heimken/dpa

Hamburg (dpa) - Wer kennt noch Walkman, Kassettenrekorder oder gelbe Telefonhäuschen, die früher an jeder Ecke standen? Was heute angesagt ist, kann morgen schon als Relikt aus der Technik-Steinzeit gelten.

Mit der Ausstellung «hot stuff - Archäologie des Alltags» zeigt das Archäologische Museum Hamburg bis 26. April Dinge, die noch vor 30 Jahren zum Alltag gehörten, inzwischen aber fast in Vergessenheit geraten sind.

«Mit der Schau wollen wir ein Lebensgefühl vermitteln, an das sich zumindest die Älteren noch erinnern», sagte Direktor Rainer-Maria Weiss am Dienstag. Viele Stationen laden zum Anfassen, Ausprobieren und Lauschen ein.

Manches kommt wieder

«Das Bestreben, immer das Neueste haben zu wollen, hat es schon immer gegeben», erklärte Weiss. So wurde das Schwert in der Bronzezeit zum Prestigeobjekt. Als «hot stuff» war es so begehrenswert, dass es um 1600 v. Chr. sogar aus Holz mit Klingen aus Flintstein nachgeahmt wurde, wie ein Schwert aus Dänemark zeigt. «Die Neugierde, immer Neues zu entwickeln, ist der Motor der Menschheit», meinte Weiss. Nur drehe sich das Trendkarussell heutzutage immer schneller. Nach Hamburg soll die vom Archäologischen Museum konzipierte Ausstellung noch in anderen deutschen Städten zu sehen sein.

In Vitrinen können die Besucher die Entwicklung in der Musik und Telekommunikation verfolgen: Vom Stern-Recorder, der 1972 in der DDR hergestellt wurde und 800 Ost-Mark kostete, über den Ghettoblaster bis hin zum ersten iPhone, das die Welt revolutionierte. Das erste Handy von Motorola, genannt «der Knochen», war 1992 noch riesengroß, nicht wirklich schick, über ein Pfund schwer - aber absoluter «hot stuff», da man mit ihm zum ersten Mal überall telefonieren konnte. An die gelben Telefonhäuschen, die früher an jeder Ecke standen, können sich junge Leute kaum noch erinnern, dabei erleben sie in Start-ups gerade ein Revival - um in Ruhe mit dem Handy telefonieren zu können.

Echt Retro

Im Arbeitsbereich ist ein Büro der 1980er Jahre nachgebaut - mit Telefon mit Drehscheibe und Schreibmaschine zum Ausprobieren. Im Wohnzimmer mit schicker Fototapete, Plattenspieler und Minifernseher, steht noch ein Brockhaus-Lexikon im Regal - damals 9000 D-Mark teuer und der Stolz des Bürgertums, heute nur noch gut fürs Altpapier. Im Jugendzimmer können sich die Besucher in verschiedene Zeitzonen versetzen lassen: mit Poesie-Album, Monchhichi und Kassettenrekorder in die 80er Jahre, mit Röhrenbildschirm und Tamagotchi in die 90er Jahre. Heute brauchen die Jugendlichen nur noch einen Sitzsack und eine Steckdose für ihr iPhone.

«Manche Dinge sind hot stuff und werden es auch wieder», sagt der Berliner Caspar Pichner, der das Ausstellungsdesign entworfen hat. So sei der Game-Boy bei einigen DJs wieder angesagt, um Musik zu machen. Und manche Dinge erfreuen alle Generationen - egal, ob auf Kassette oder als Hörbuch - wie die 40-jährige Erfolgsgeschichte der «Drei ???» beweist. Auch in die Zukunft blickt die Ausstellung: Mit einer Virtual-Reality-Brille können sich die Besucher in einem künstlichen Wald mit Vogelgezwitscher entspannen.

Archäologisches Museum


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Beim «Red Bull District Ride» in Nürnberg zeigen Freestyle-Mountainbiker am 1. und 2. September 2017 ihre Kunststücke. Foto: Marc Müller/Red Bull Content Pool/dpa-tmn Wohin im Urlaub: Fliegende Mountainbiker und Karl Marx Wer nach ein paar Tagen auf der Sonnenliege Lust auf ein bisschen Abwechslung bekommt, kann sich von den folgenden Veranstaltungstipps und Freizeitangeboten inspirieren lassen. Auf geht's!
Ein mobiler Schlafwagen für Obdachlose ist Teil der Ausstellung «Social Design», die das Museum für Kunst und Gewerbe bis zum 27. Oktober 2019 zeigt. Foto: Daniel Bockwoldt Museum zeigt Projekte für eine bessere Welt Ein Schlafwagen für Obdachlose oder eine modulare Unterkunft für Flüchtlinge - es gibt viele Erfindungen, die die Welt verbessern. Einige davon sind nun im Hamburger Mueseum für Kunst und Gewerbe zu sehen.
Die Ausstellung «Oh Yeah!» in Frankfurt ist ein musikalischer Trip in die Vergangenheit. Foto: Boris Roessler/dpa Neue Ausstellungen: Von Popmusik bis Mauer-Installation Kunstliebhaber können aus dem Vollen schöpfen. Denn die Museen in Deutschland haben ein breites Programm zu bieten. Das reicht von 100 Jahre Popmusik über die Revolution von 1917 und moderne Kunst von 1900 bis 1945 bis zur Open-Air-Installation an der Berliner Mauer.
Die Beziehung zwischen Haustier und Mensch kann sehr innig sein. Foto: Patrick Pleul/dpa Treue Weggefährten: Was Haustiere über Menschen aussagen Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen gelten als «Einstiegsmodelle» für ein Haustier. Dabei ist ihre Haltung durchaus anspruchsvoll. Ihr komplexes Sozialverhalten macht Nager sogar zum Forschungsobjekt.