Virenschutz - Gratis oder doch lieber bezahlen?

12.04.2016
Was ist ordentlicher Virenschutz für den Computer? Reichen die kostenlosen Basispakete oder sollte es lieber das Programm für ein paar Euro im Monat sein? Expertentests geben eine eindeutige Antwort.
Damit Viren wie der Erpressungstrojaner Locky gar nicht erst auf den Rechner kommen, braucht es neben gutem Virenschutz auch eine gehörige Portion Vorsicht. Fotomontage: Soeren Stache Foto: Soeren Stache
Damit Viren wie der Erpressungstrojaner Locky gar nicht erst auf den Rechner kommen, braucht es neben gutem Virenschutz auch eine gehörige Portion Vorsicht. Fotomontage: Soeren Stache Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa/tmn) – Im Februar legte das Schadprogramm Locky zehntausende Rechner lahm, darunter auch in Krankenhäusern und Gemeindeverwaltungen. Das Programm verschlüsselte persönliche Dateien - nur gegen Lösegeld konnten Besitzer diese wieder entsperren. Das zeigt einmal wieder:

Ein guter und aktueller Schutz vor Online-Bedrohungen ist unerlässlich. Zahlreiche kostenlose Antivirenprogramme versprechen ausreichenden Schutz gegenüber Angriffen aus dem Netz. Doch reichen diese wirklich aus – oder sollte man die paar Euro im Jahr für ein kostenpflichtiges Programm lieber doch investieren?

30 Euro oder mehr pro Jahr gegen ein kostenloses Angebot: Mit Blick auf den Geldbeutel ist die Wahl für den Nutzer einfach. Doch die Rechnung geht nicht so leicht auf: «Kostenlose Programme sind nur Wächter – sie bieten nur Virenschutz, aber keinen Spamschutz und keine Firewall», erklärt Peter Knaak von der Stiftung Warentest.

Wer bereit ist zu zahlen, erhält mehr: «Eine kostenpflichtige Security Suite bietet neben der Virenabwehr auch weitere Zusatzfunktionen. Oft gibt es Funktionen zur Datensicherung - etwa in die Cloud -, zur Systemoptimierung und zum Schutz vor Account-Diebstahl», erklärt Andreas Marx vom AV-Test-Institut. «Kostenlose schützen besser als die Windows-eigenen Schutzprogramme, sind vor allem im Netzwerk aber schwächer als gute Bezahlprogramme», betont Virenschutz-Tester Peter Knaak. Es fehlen hier wesentliche Funktionen wie eine Firewall, Browserschutz oder Spamfilter.

Deswegen gilt: «Nutzer müssen bei kostenlosen Angeboten noch aufmerksamer als sonst mit Mailanhängen umgehen und sich beim Browsen zurückhalten», betont der Experte. Außerdem rät er dazu, die eigenen Daten möglichst häufig zu sichern - falls mal ein Schädling durch die Abwehr schlüpft.

Finanziert werden die kostenlosen Virenschützer häufig durch Werbung. Wer bei der Installation nicht aufpasst, installiert schnell Zusatzprogramme wie Toolbars für den Browser. Diese erfüllen laut Andreas Marx zwei Zwecke: «Zum einen dienen sie als Quelle für die Finanzierung der Produkte wie durch Werbung, zum anderen enthalten sie natürlich die gesamten Browserschutz-Komponenten.» Wenn der Nutzer eine bösartige oder verdächtige Webseite ansurft, dann schlagen die Toolbars Alarm.

Einige Browser bringen einen Basisschutz schon von Haus aus mit. Der Internet Explorer via SmartScreen-Filter, oder Google Chrome und Mozilla Firefox über die Google Safebrowsing API. «Die Services der Antiviren-Hersteller sind hier aber meist leistungsfähiger», betont der Virenschutz-Experte. Bei Toolbars ist der Schutz allerdings eingeschränkt: «Es ist nur der Browser geschützt, in dem die Toolbar installiert wurde», sagt Knaak.

Vergleicht man die Funktionen von kostenlosen und kostenpflichtigen Programmen im Detail, ist das Ergebnis eindeutig. In einem aktuellen Test der Stiftung Warentest («test», Ausgabe 04/2016) von 17 Sicherheitsprogrammen, darunter drei kostenlose und der Windows Defender schnitten Bezahlprogramme deutlich besser ab. Die Gratisprogramme erhalten durchgehend nur die Note «befriedigend». «Wer sparen will, ist mit den Gratisprogrammen von AVG, Avira und Avast etwas besser geschützt als mit Windows Defender und Firewall», so das Fazit des Tests. Warentester Peter Knaak empfiehlt AVG AntiVirus Free als beste Option.

Gute Bezahlprogramme hingegen schützen am besten. Testsieger ist Bullguard Internet Security 2016 (60 Euro pro Jahr),das bereits die Jahreslizenz für drei Rechner enthält. Für PCs ohne Netzwerk empfiehlt Knaak Eset für 35 Euro. «Es ist preiswert, gut und vielseitig, bietet Browserschutz und eignet sich als Rettungsmedium.»

Auch die Zeitschrift «PC Magazin» (01/2016) hat Anfang des Jahres Sicherheitsprogramme getestet. Preistipp wurde hier Eset Smart Security 2016 - vor allem durch eine geringe Anzahl von Fehlalarmen. Den ersten Platz belegt in diesem Test die Kaspersky Total Security Suite 2016 (rund 70 Euro). Jan Kaden vom «PC Magazin» übt aber auch Kritik an den Suiten, die sich ab und zu selbst wie Diebe verhalten. «Der kostenlose Avira-Scanner blendet Werbefenster ein, McAfee wechselt die Browser-Startseite, Bitdefender schickt mir E-Mails mit kaputten Links.» Ebenso kritisch: Fast alle Suiten wollen persönliche Daten. Hier zeigt sich noch Verbesserungsbedarf.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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