Verschiedene E-Mail-Anbieter im Test

24.11.2016
Wer einen E-Mail-Anbieter sucht, hat die Qual der Wahl. Dutzende Provider buhlen mit ähnlichen Angeboten um die Gunst der Kunden. Doch es gibt Unterschiede, vor allem beim Thema Sicherheit, die auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar sind.
Werbefinanziert, kostenpflichtig oder besonders sicher? Bei der Suche eines E-Mail-Anbieters haben Kunden die Qual der Wahl. Foto: Wavebreak Media Ltd.
Werbefinanziert, kostenpflichtig oder besonders sicher? Bei der Suche eines E-Mail-Anbieters haben Kunden die Qual der Wahl. Foto: Wavebreak Media Ltd.

Berlin (dpa/tmn) - Die Auswahl an E-Mail-Anbietern ist überwältigend groß. Um sich im Maildschungel zurechtzufinden, kann man die Anbieter zunächst grob in zwei Kategorien teilen.

Einerseits gibt es reine Mailing-Dienstleister, die sich voll darauf spezialisiert haben; andererseits Anbieter, die neben E-Mails auch ein Nachrichten-Portal, Web-Hosting oder andere Dienstleistungen bieten.

Letztere sind die Platzhirsche unter den E-Mail-Providern. Dazu zählen Web.de, GMX, Yahoo oder T-Online. Diese Anbieter bieten meist kostenlose Mail-Adressen an - finanziert wird das unter anderem durch Werbung.

Ebenfalls kostenlos sind die Angebote der Internet-Riesen Google und Microsoft. Gmail und Outlook.com begreifen sich als zusätzliches Angebot zu den Services der beiden Internet-Giganten. Entsprechend gut sind sie in die Produktpalette integriert.

Im Test der Stiftung Warentest belegten beide dennoch die letzten Plätze. «Wir fanden bei beiden Anbietern Mängel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die zu Abwertungen führten», sagt Christian van de Sand vom Magazin «Test». Genauer heißt das, dass eine Weitergabe der Nutzerdaten nicht ausgeschlossen werden kann. So könnten persönliche Daten etwa für personalisierte Werbung genutzt werden. In Sachen Handhabung belegten beide Anbieter die Spitzenpositionen.

Werbefrei, aber kostenpflichtig sind reine E-Mail-Anbieter wie Posteo, Mailbox.org oder Mail.de. Sie setzen auf aufgeräumte Benutzeroberflächen mit Adressbuch und Kalender. Für den Service verlangen Posteo und Mailbox.org einen Euro im Monat – das günstigste Angebot unter den bezahlten Diensten.

Ob kostenlos oder kostenpflichtig: Alle Anbieter haben reichlich Platz für E-Mails. Selbst die Schlusslichter dieser Kategorie bieten im kostenlosen Service immerhin ein Gigabyte Speicher an. Das reicht für den Normalgebrauch locker aus - E-Mails sind im Regelfall nur ein paar Kilobyte groß. Wer viele und große Anhänge verschickt, muss auf mehr Platz achten, den man in den meisten Fällen zukaufen kann.

Die größten Unterschiede finden sich beim Thema Sicherheit. «Jeder Anbieter wirbt mit Schutz und Verschlüsselung, aber nicht alle bieten denselben Schutz», stellt van de Sand fest. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom verschlüsselten 2015 in Deutschland 15 Prozent der Nutzer ihre Mails. Zwei Jahre zuvor waren es nur sechs Prozent.

Frank Timmermann arbeitet beim Institut für Internet-Sicherheit und kennt sich mit den verschiedenen Verschlüsselungsverfahren aus: «Der gängigste Schutz ist die Transportweg-Verschlüsselung. Dabei wird die Mail beim Transport verschlüsselt, liegt auf den Servern aber offen.» E-Mails können damit unterwegs nur schwer abgegriffen werden. Über den eigenen Mail-Server und den des Adressaten könnten Hacker allerdings Zugriff darauf erlangen. Auch die E-Mail-Provider selbst können die Mails auswerten, etwa für personalisierte Werbung.

Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E) wird die E-Mail auf dem eigenen Rechner ver- und beim Empfänger wieder entschlüsselt. Es ist das sicherste, aber auch das umständlichste Verfahren. «Für die Verschlüsselung benötigt man extra Software», sagt Timmermann. «Um die Mail wieder zu entschlüsseln, braucht der Empfänger den passenden Schlüssel. Den müssen Sender und Empfänger vorher ausgetauscht haben.» Bekannte Verfahren heißen PGP und S/Mime. PGP kann bei vielen Anbietern durch die Browser-Erweiterung « Mailvelope» nachgerüstet werden. S/Mime findet man zum Beispiel in Outlook.

Mailbox.org hat für das Problem des Schlüsseltauschs eine eigene Lösung gefunden. Der Schlüssel lagert durch ein Passwort geschützt auf dem Server des Dienstes. Daher sind keine Software-Erweiterungen notwendig. Die Verschlüsselung kann außerdem von jedem beliebigen Gerät aus genutzt werden. Nachteil: Der Schlüssel könnte bei einem Hack des Servers geraubt werden. Ein sicheres Passwort ist Pflicht.

Sind E-Mail-Provider ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schlecht? Van de Sand gibt Entwarnung: «Kein Anbieter ist im Test durchgefallen. Es kommt auf das persönliche Sicherheitsbedürfnis an, ob sich ein Wechsel zu den Testsiegern lohnt.» Das sind Posteo und Mailbox.org. Wer seine Mails nicht für sensible Daten nutzt und gleichzeitig Wert auf einfache Bedienung legt, ist bei Gmail und Outlook.com richtig.

Die meisten Anbieter machen es dem Nutzer auch leicht, sein Konto zu wechseln. Unter anderem Gmail, Mailbox.org, Mail.de und Posteo bieten einen kostenlosen Umzugsservice an.

test.de zu E-Mail-Providern

Bitkom zu Verschlüsselung von E-Mails

Mailvelope


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wer seinen persönlichen Datenschutz durchsetzen möchte, dem hilft der Paragraf 34 Bundesdatenschutzgesetz. Er verpflichtet alle, die Daten speichern, dem jeweils Betroffenen auch darüber Auskunft zu geben. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Verbraucher haben ein Informationsrecht Hier ein Klick, dort eine Bestellung oder ein Kommentar: Daten sind der wichtigste Rohstoff der Online-Welt. Sie werden etwa von Internetkonzernen, Auskunfteien und Unternehmen eifrig gesammelt. Doch das Datenschutzrecht setzt Grenzen und gewährt Auskunftsrechte.
Fotoansichten in Kartendiensten können das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzen. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Kamera-Autos: Was bei Problemen mit Aufnahmen zu tun ist Kamera-Autos von Apple, Google & Co rollen hierzulande durch die Straßen. Gesichter und Kennzeichen sollen automatisch verschwommen dargestellt werden, wenn die Aufnahmen online gehen. Das klappt aber nicht immer zuverlässig.
Das Individuum im Datenstrom: Was Onlinedienste über einen selbst wissen, und welche Informationen unter Umständen zusammengeführt werden, sollte man im Blick behalten. Foto: Ralf Hirschberger Wissen, wer was wissen will: Was passiert mit den Daten? Wer ins Netz geht, hinterlässt eine Datenspur. Was das genau bedeutet, weiß aber kaum jemand. Dabei ist die Datensammelei kleiner und großer Onlinedienste nicht automatisch schlecht – im Gegenteil. Ihre Schattenseiten hat sie aber.
Apps wie Sleep Cycle Alarm Clock messen auch die Bewegungen im Schlaf. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn Schlummerhilfe vom Smartphone: Was Sleep-Tracker bringen Das Smartphone neben dem Kopfkissen? Längst kein ungewöhnliches Bild mehr. Auch nachts ist das Telefon unser ständiger Begleiter geworden. Und mit den passenden Apps lässt sich das Smartphone sogar zu einem kleinen Schlaflabor aufrüsten.