Urbanes Wandern: In Stuttgart sind Höhenmeter kein Problem

18.03.2021
Wer Stuttgart zu Fuß erkunden will, sollte vor Treppen keine Angst haben. Doch die Mühe lohnt sich, auf urbanen Wanderungen lernen Besucher viel über die Stadt. Belohnung ist ein besonderes Gericht.
Unterwegs rund um den Marienplatz: Blick von der Willy-Reichert-Staffel in Richtung Mörikestraße. Foto: Martina Denker/Stuttgart-Marketing GmbH/dpa-tmn
Unterwegs rund um den Marienplatz: Blick von der Willy-Reichert-Staffel in Richtung Mörikestraße. Foto: Martina Denker/Stuttgart-Marketing GmbH/dpa-tmn

Stuttgart (dpa/tmn) - Urbanes Wandern, das klingt erst einmal wenig verlockend. Wer wandert, will doch eigentlich in der Natur sein, abseits des Lärms und der Massen. Doch naturnahe Räume finden sich auch in der Stadt, zum Beispiel in Stuttgart. In der Hauptstadt Baden-Württenbergs locken gleich mehrere City-Touren.

Gaisburger Marsch: Die Geschichte eines besonderen Eintopfs

Den Gaisburger Marsch kennt eigentlich jeder Schwabe. Dabei handelt es sich um ein deftiges Eintopfgericht. Zugleich ist besagter Marsch auch eine hübsche Kurzwanderung. Um die Verbindung zu verstehen, muss man in der Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückgehen.

Damals sollten Stuttgarter Offiziersanwärter der Legende nach eine Vorliebe für den kräftigen Ochsenfleischeintopf mit Kartoffeln und Spätzle entwickelt haben, der in der Gaststätte Bäckerschmide in Gaisburg kredenzt wurde. Wegen des Marsches von der Kaserne ins Wirtshaus erhielt ihr Leibgericht den Namen Gaisburger Marsch - nach dem heute wiederum die acht Kilometer lange Wanderroute benannt ist.

Von der Haltestelle Stadtmitte geht es zu Fuß zum Schlossplatz und dann in Richtung Osten ins Grüne, durch Nobelviertel und vorbei an idyllischen Kleingartenanlagen - und über einige schmale Treppenwege wie die Buchwaldstaffel. Insgesamt sind rund 300 Höhenmeter zu überwinden, bis der Vorort Gaisburg erreicht ist. Grund ist die spezielle Kessellage Stuttgarts. Von wegen Flachland-Wandern.

Stäffelestour in Stuttgarts Westen

«Eine Stadt wie Stuttgart, die von Hügeln, Wäldern, Obstgärten und sogar von Weinbergen umschlossen ist, bietet sich für urbanes Wandern natürlich an», sagt Stadtführerin Viktoria Waltl. Öffentliche Verkehrsmittel bringen Wanderer zum Ausgangspunkt zurück, über Einkehrmöglichkeiten muss man sich nicht den Kopf zerbrechen.

Route zwei ist die Stäffelestour in Stuttgarts Westen, Start am zentralen Marktplatz. Wieder wird es schon nach wenigen Gehminuten grün. Allerdings muss man gut bei Puste sein und darf vor dem Treppensteigen nicht zurückschrecken. Auf den insgesamt 408 Stufen der Willy-Reichert-Staffel kann es ein wenig rutschig werden.

«Durch die einzigartige Lage Stuttgarts wird sogar in der Innenstadt Wein angebaut», erzählt Viktoria Waltl beim Abstecher zum städtischen Weinberg. «Als die Stadt im 19. Jahrhundert immer weiterwuchs, wurden kleine Behelfstreppen gebaut, um die Häuser in den Höhenlagen erreichen zu können.» Mehr als 400 dieser im Volksmund als Stäffele bezeichneten Treppen seien bis heute erhalten geblieben.

Eine Pause nach dem Aufstieg zur Karlshöhe muss sein, nicht nur wegen der fantastischen Aussicht auf die Stadt. «Am schönsten aber ist die Tatsache, dass man hier vom Lärm einer Großstadt gar nichts mehr hört», sagt Viktoria Waltl. Und schreitet voran in Richtung Hasenbergsteige, die eine maximale Steigung von 15 Prozent aufweist. Die Tour endet am Feuersee.

Weinwanderweg: Einkehr in der Besenwirtschaft

Am Bahnhof im Stadtbezirk Obertürkheim beginnt der Stuttgarter Weinwanderweg. Er führt auf einem Rundkurs bergauf und bergab über Uhlbach, Rotenburg und Untertürkheim wieder zurück nach Obertürkheim.

Ein touristischer Höhepunkt ist der Besuch auf der Grabkapelle auf dem Württemberg, den König Wilhelm I. als Liebesbeweis für seine früh verstorbene Gattin Königin Katharina 1820 erbaut hat. Mit insgesamt vier Stunden Wanderzeit ist es aber in der Regel nicht getan. Entlang der elf Kilometer langen Strecke laden zahlreiche Weingüter zu einer zünftigen Vesper in ihre Besenwirtschaften ein.

Am Ende eines jeden Wandertages ist es Zeit, sich endlich einen Gaisburger Marsch schmecken zu lassen. In der Alten Kanzlei im Herzen Stuttgarts wird er in einer kräftigen Rinderbrühe mit reichlich Sommergemüse und einer Zwiebelschmelze serviert.

Informationen: Stuttgart-Marketing GmbH, Rotebühlplatz 25, 70178 Stuttgart (Tel.: 0711/22 280, E-Mail: info@stuttgart-tourist.de, www.stuttgart-tourist.de).

© dpa-infocom, dpa:210317-99-863712/3

Stuttgarter Stäffelestour

Touristeninformation Stuttgart


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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