Technikbegriffe einfach erklärt

12.07.2021
Was ist ein Bitcoin oder ein NFT? Und was speichert man in einer Blockchain? Solche Begriffe begegnen uns jeden Tag. Aber was bedeuten sie? Lesen Sie diesen Text, um etwas besser durchzublicken.
Keine Ahnung von Blockchain, NFT und Co.? Kein Problem. Das geht vielen Menschen in Deutschland so. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-tmn
Keine Ahnung von Blockchain, NFT und Co.? Kein Problem. Das geht vielen Menschen in Deutschland so. Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-tmn

Hannover/Berlin (dpa/tmn) - Wissen Sie, was eine Blockchain ist? Nicht? Dann sind Sie in guter Gesellschaft. Das geht nämlich mindestens jedem zweiten Menschen in Deutschland so, hat eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom ergeben. Weniger als jeder Fünfte würde sich trauen, diesen Begriff zu erklären.

Willkommen in der Gegenwart. Viele Technikbegriffe kennt man höchstens gefühlt. Mit Hilfe von Nachschlagewerken, einem Gremium aus sieben Bitkom-Expertinnen und -Experten und einem Fachjournalisten werden hier ein paar davon kurz und knapp erklärt. Los gehts:

5G

Das ist die fünfte Mobilfunkgeneration, die seit 2019 in Deutschland ausgebaut wird. Der Nachfolger von 4G bietet deutlich höhere Übertragungsraten und hat deutlich geringere Verzögerungszeiten. So können mehr Sensoren, Software und andere Technologien als bisher gleichzeitig angebunden werden. Momentan ist das Netz noch im Aufbau.

Blockchain

«Ganz einfach ausgedrückt ist eine Blockchain nur eine Datenbank», sagt Caspar von Allwörden, Redakteur beim Fachmagazin «t3n». Allerdings wird sie dezentral auf vielen Computern gespeichert. In einer Blockchain werden zum Beispiel Geldtransfers in Kryptowährung gespeichert, vereinfacht ausgedrückt ungefähr so: «Person A schickt Person B Summe X». Weil das identisch auf sehr vielen Computern gespeichert wird, ist das ziemlich fälschungssicher.

Eine Blockchain könnte zum Beispiel auch Impfdaten speichern oder Verträge zwischen Personen oder Firmen. Jeder Computer, der sich in die Blockchain einspeichert, wird prinzipiell zu einem weiteren Knoten im Netzwerk und übernimmt eine vollständige Kopie der Datenbank. So werden Transaktionen überprüft und dokumentiert. Den Namen hat die Blockchain von ihrer Funktionsweise: Transaktionsdaten werden in Blöcken zusammengefasst und aneinandergereiht - wie in einem dezentral geführten Kassenbuch.

Bitcoin

Eine digitale Währung - und zwar die erste und nach Marktkapitalisierung größte Kryptowährung auf Basis der Bitcoin Blockchain. Neue Bitcoin werden von Nutzern mithilfe mathematischer Verfahren erstellt, das nennt man «Mining». «Es gibt eine fixe Anzahl an Bitcoin und je mehr erzeugt werden, umso aufwendiger wird es, weitere zu erzeugen», sagt Caspar von Allwörden. Obwohl digital ist der Bitcoin eine begrenzte Ressource, es kann maximal 21 Millionen davon geben. «Das macht ihn für Spekulation interessant.»

Transaktionen in Bitcoin sind schwer einzelnen Personen zuzuordnen. Die Kryptowährung wird deshalb auch gerne zu Zahlungen in illegalen Bereichen genutzt.

Big Data

Dieser Begriff beschreibt das massenhafte Sammeln von Daten zu einem bestimmten Thema oder Themenfeld, die dann mit Hilfe von schlauen Computeralgorithmen nach gewissen Kriterien ausgewertet werden. Anwendungen sind etwa Entscheidungshilfen für Unternehmen oder möglichst akkurate Vorhersagen.

Ein Beispiel: Ein Bäckerei-Unternehmen sammelt Verkehrsdaten, Rohstoffpreise, Wetterdaten, die Verkaufsgeschichte jeder Filiale und vieles mehr. Diese Daten werden ausgewertet und so gibt es sehr konkrete Empfehlungen, wie viele Brötchen heute in einer ganz bestimmten Filiale gebacken werden müssen.

Chat-Bot

Den trifft man häufig als ersten Kontakt im Kundenservice auf Internetseiten. Man schreibt seine Frage, das Computerprogramm hinter dem Bot gibt mehr oder weniger hilfreiche Antworten. Ist der Chat-Bot schlau? «Nein», sagt Caspar von Allwörden. «Das ist ein Katalog an Stichwörtern, die da abgearbeitet werden.»

Ein Beispiel: Jemand hat sein Passwort vergessen und schreibt das dem Bot. Der sieht das Stichwort «Passwort vergessen» und schickt einen Link zum Zurücksetzen. Im besten Fall kann der Chat-Bot also kleinere Problemchen lösen und Kunden auf die Hilfedokumente verweisen - und so die Servicemitarbeiter am Telefon entlasten. Im schlimmsten Fall ist er nur ein nerviges Hindernis.

Cloud Computing/Die Cloud

Das sind grob gesagt Computer, die woanders stehen. Beim Cloud Computing nutzt man einen oder viele Computer in Rechenzentren und lässt die anfallende Arbeit dort erledigen. Man braucht also zum Beispiel keinen eigenen leistungsfähigen Computer mehr, um ein aufwendiges Spiel zu spielen, weil die Rechenleistung nun woanders stattfindet und nur das Bild über das Internet übermittelt wird.

Es gibt viele Anwendungen: Man mietet Speicher, Rechenleistung oder ganze Dienstleistungen wie Softwarepakete für Büroarbeit. Bekanntes Beispiel für Privatanwender sind etwa Googles Speicher- und Softwaredienste, Apples iCloud oder Cloud-Gaming-Dienste wie Playstation Now oder Google Stadia.

Der Vorteil: Man selbst braucht nicht immer die neueste Hardware oder größere Festplatten. Der Nachteil: «Du musst dem Anbieter vertrauen», sagt Caspar von Allwörden. «Die Cloud ist auch mein Google-Backup oder mein E-Mail-Konto. Fast alles läuft mittlerweile über eine Cloud und man merkt das gar nicht so richtig.»

Cookies

Cookies sind kleine Textdateien. Sie werden von aufgerufenen Webseiten im Browser oder direkt auf dem Rechner abgespeichert. Laut Bitkom unterscheidet man zwischen technisch erforderlichen Cookies und Tracking-Cookies (manchmal auch Marketing-Cookies genannt).

Erstere sind für den technischen Betrieb einer Internetseite notwendig, zum Beispiel für die Speicherung eines Artikels im Warenkorb eines Online-Shops. Letztere dienen der Erfassung zusätzlicher Daten über das Nutzerverhalten, zum Beispiel für Werbezwecke oder sonstige Datensammlungen durch Websitebetreiber und Dritte.

Künstliche Intelligenz/KI/AI

«Das ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit Automatisierung oder maschinellem Lernen auseinandersetzt», sagt Caspar von Allwörden. KI versetzt laut Bitkom Rechner in die Lage, aus Erfahrungen zu lernen, sich auf neu eingehende Informationen einzustellen und Aufgaben zu bewältigen, die menschenähnliches Denkvermögen erfordern.

Meist werden Computer mit großen Datenmengen auf ganz bestimmte Aufgaben trainiert, indem sie die Daten verarbeiten und darin Muster erkennen. So können die Computer dann zum Beispiel Bilder oder Sprache erkennen, Prognosen erstellen oder Schach spielen.

Kryptowährung

Das sind digitale Währungen mit einem kryptografisch abgesicherten und dezentralen Zahlungssystem, erklären die Bitkom-Experten. Sie werden auf einer Blockchain transferiert und nicht von einer öffentlichen Stelle ausgegeben. Sie werden auf elektronischen Wege übertragen, gespeichert und gehandelt und von einigen Personen als Tausch- oder Anlageobjekt genutzt.

Maschinenlernen/maschinelles Lernen

Ein Teilbereich der KI. Dabei geht es darum, Computerprogramme mit repräsentativen Daten zu trainieren, damit sie Bilder, Objekte und Sprachbefehle erkennen. Das maschinelle Lernen ist das erfolgreichste Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz.

Caspar von Allwörden nennt als Beispiel Captchas. Das sind diese teils nervigen Abfragen im Netz beim Einloggen oder Einkaufen, ob man wirklich ein Mensch ist. Hier bringt man mit einem Klick auf jedes Foto, das etwa eine Ampel, ein Auto oder einen Hydranten zeigt, am Ende vielleicht dem Objekterkennungsmodell eines selbstfahrenden Autos bei, wie Ampeln, Hydranten oder andere Autos aussehen.

Non-fungible Token/NFT

Kurz gesagt ist das eine Art Echtheitszertifikat für den digitalen Kunstmarkt. Etwas kurios, da man digitale Güter ja prinzipiell immer kopieren kann. Alle Kopien wären eigentlich gleichwertig, erklärt Caspar von Allwörden. Mit dem NFT aber wird ein digitales Gut für original erklärt und ist durch die Speicherung auf einer Blockchain unverfälschbar. «Mit dem NFT unterschreibt ein Künstler: «Das ist das Werk, das ich erschaffen habe und ich versteigere das.»»

Beispiele für verkaufte NFT sind etwa der erste Tweet von Twitter-Gründer Jack Dorsey oder jüngst der Quellcode des World Wide Webs. Sowohl der Tweet als auch der Quellcode sind weiter im Umlauf, doch das einzige «Original» gehört jetzt einer Person. «Man könnte es auch ein reines Spekulationsobjekt nennen», sagt von Allwörden. Beim «t3n»-Magazin wurden gerade etwa 64 digitale Varianten des aktuellen Hefts verkauft, um das Thema NFT zu ergründen. Jeder Käufer erhielt ein einzigartiges PDF-Dokument.

Quantencomputer

Sie führen laut Bitkom im Gegensatz zu klassischen Computern Berechnungen unter Ausnutzung von Effekten der Quantenmechanik aus. So können sie bestimmte Probleme wesentlich schneller lösen als klassische Computer. Diese arbeiten noch mit den zwei Zuständen 1 oder 0, Bits genannt. Der Quantencomputer arbeitet mit Qubits, die theoretisch neben 1 oder 0 auch 1 und 0 und unendlich viele weitere Zustände sein können. Klingt kompliziert, ist es auch.

Ein Quantencomputer berechnet keine exakten Ergebnisse, sondern Wahrscheinlichkeiten; erst die mehrfache Berechnung erlaubt daher klare Aussagen. «Das sind Spezialcomputer für besondere Aufgaben wie Wettervorhersagen mit riesigen mathematischen Modellen», nennt Caspar von Allwörden ein Beispiel. Im eigenen Smartphone wird man Quantencomputer erstmal nicht finden, aber vielleicht aufbereitete Ergebnisse vom Quantencomputing.

Virtuelle Realität/VR

Hier werden digitale Welten erschaffen, die man sich mit Hilfe spezieller Videobrillen und Bediengeräte erschließen kann. Diese Brillen dichten das Blickfeld komplett ab und erzeugen die Illusion, sich in den künstlich erschaffenen Welten zu befinden. «Virtuelle Realität ist eher was für den Unterhaltungsbereich», sagt Caspar von Allwörden. «Bei Spielen kann das richtig Spaß machen.» Es gibt aber auch VR-Training in der Industrie oder VR als Visualisierung beim Autokauf oder der Planung von Gebäuden.

In Abgrenzung dazu gibt es AR, also die Augmented Reality. Hier werden mit Hilfe von Kameras, Bildschirmen und Computertechnik digitale Elemente in die echte Welt integriert. Zum Beispiel beim Head-up-Display im Auto, wenn Geschwindigkeit, Navigation oder Warnungen vor Hindernissen in die Frontscheibe projiziert werden.

© dpa-infocom, dpa:210709-99-319937/2

Bitkom-Studie


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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