Südafrika benennt alte Ortsnamen um

25.02.2021
Südafrika distanziert sich von seiner Kolonialgeschichte - auch auf der Landkarte: Berlin heißt ab sofort Ntabozuko, Port Elizabeth nun Gqeberha. Diverse andere Orte mit kolonialen Wurzeln oder kopierten europäischen Namen sollen künftig einen neuen Namen erhalten.
Namensänderung: Berlin in Südafrika heißt künftig Ntabozuko. Foto: Christian Putsch/dpa
Namensänderung: Berlin in Südafrika heißt künftig Ntabozuko. Foto: Christian Putsch/dpa

Johannesburg (dpa) - Das rote Willkommens-Schild am Ortseingang von Berlin ist Vergangenheit. Seit Mittwoch hat die Stadt ihren Namen geändert - zumindest im fernen Südafrika. Der 5000-Seelen-Ort heißt nun offiziell Ntabozuko - und hat rein gar nichts vom Großstadtglanz der Spree-Metropole.

«Als ich in den 1950er Jahren dort aufgewachsen bin, gab es da gerade mal 500 Siedler, die alle Brandenburger Plattdeutsch sprachen», erinnert sich Peter Kallaway. «Und Berlin war noch der größte Ort in der Gegend, wo es kleine Siedlungen mit Namen wie Potsdam, Hamburg oder Breitbach gibt», erklärt der emeritierte Kapstädter Professor, dessen Vater dort einst eine Werkstatt betrieb.

Siedler aus Europa gaben Orte ihre Namen

Es sind kleine Weiler, deren Namen bis heute überlebt haben - Namen, die Siedler aus Europa einst ihren Wohnorten gaben. Doch Marktflecken wie Braunschweig, Heidelberg, Hermannsburg, Wartburg, Neu-Hannover, Wuppert(h)al oder Augsburg droht absehbar eine Namensänderung. Die südafrikanische Regierungspartei ANC macht sich seit langem stark für weitere Umbenennungen. Während im benachbarten Namibia - einer ehemaligen deutschen Kolonie im Südwesten des Kontinents - Namen aus der Ära des Deutschen Kaiserreiches eher zögernd afrikanisiert wurden, schritt der mächtige Nachbar Südafrika beherzter voran.

Ende 2002 gab es bereits eine erste Welle von Namensänderungen für Städte, Regionen oder Flüsse, die an Apartheid- oder Kolonialzeiten erinnerten oder rassistisch klangen. Kurz vor Afrikas erster und bisher einziger Fußball-Weltmeisterschaft 2010 folgte in dem Kap-Staat eine weitere Welle. Die zahlreichen Straßen-Umbenennungen in den WM-Austragungsorten stellten damals die Navi-Systeme so mancher Kicker-Touristen vor ziemlich große Herausforderungen.

Seit diesem Mittwoch gibt es nun eine neue Serie afrikanischer Namen. Die größte Stadt in Niedersachsens Partnerprovinz am Ostkap heißt nun nicht mehr Port Elizabeth, sondern Gqeberha. Dort liegt in direkter Nachbarschaft der Standort des VW-Werks in Uitenhage (nun offiziell: Kariega). Die am Indischen Ozean gelegene Hafenstadt Port Elizabeth entstand aus einer kleinen Siedlung am Rande eines Forts und erhielt ihren Namen einst nach der Frau eines britischen Gouverneurs. Der neue Name ist in der klickreichen Sprache der Xhosa die Bezeichnung für den Fluss, der durch den Ort fließt. Er bezeichnete bisher zudem ein Township am Rande der Stadt.

Umbenennungen sind umstritten

Die Umbenennungen sind in Südafrika nicht unumstritten und stoßen in Teilen der Öffentlichkeit auf Widerstand. Denn die geforderte Entkolonialisierung von Orts- und Gebietsnamen kommt zu einer Zeit, da sich das Land auch wegen der Corona-Restriktionen in einer schweren Krise befindet. Unnötige symbolische Gesten, die nichts kosten, wie die Gegner der Umbenennungen in sozialen Netzwerken kritisieren. Dringend notwendige Symbole in einem unabhängigen afrikanischen Staat, wie die Befürworter entgegenhalten. Sie wollen keine Erinnerung an die düsteren Zeiten der Rassentrennung oder der europäischen Besiedlung zu Kolonialzeiten.

Mitunter wurden bei der Suche nach neuen Namen auch Kompromisse gefunden. Knapp elf Jahre nach dem Ende der rassistischen Apartheid etwa ging Südafrikas Hauptstadt Pretoria offiziell in der Metropolregion Tshwane mit rund zwei Millionen auf. Den Namen Pretoria gibt es trotzdem auch weiterhin: Das alte Stadtzentrum behielt den Namen des einstigen Burengenerals Andries Pretorius.

© dpa-infocom, dpa:210224-99-571693/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Das Königliche Museum für Zentralafrika unweit des Brüsseler Stadtzentrums beleuchtet auch die düstere Kolonialgeschichte des Kongo - nach fünf Jahren Renovierung öffnet es wieder. Foto: VISITFLANDERS Zentralafrika-Museum bei Brüssel öffnet im Dezember wieder In Brüssel öffnet das Königliche Museum für Zentralafrika nach fünf Jahren Renovierung bald wieder seine Tore. Auch die Hauptausstellung wurde überarbeitet. Das Museum gibt einen Einblick in die düstere Kolonialgeschichte Belgiens.
Beim Sega treten häufig Tänzer in traditionellen Kostümen auf. Foto: Bamba/Mauritius Tourism Promotion Authority Mauritius bietet kulturelle Vielfalt Mauritius wird wegen traumhafter Strände und malerischer Berge bereist. Die Insel bietet aber auch eine spannende kulturelle Vielfalt: Die Bewohner haben europäische, afrikanische, indische und chinesische Wurzeln - und leben bis heute deren Traditionen.
Die Insel Guadeloupe in der Karibik gehört zu Frankreich. Das europäische Land war viele Jahre Kolonialmacht. Foto: Atout France/Richard Soberka Guadeloupe: Würgefeige und afro-karibische Seele Kaffeeplantagen und Rum: Guadeloupe in der Karibik gehört zu Frankreichs schönsten Inseln. Doch noch heute spiegeln Landschaft und Kultur die Geschichte tausender Sklavenschicksale wider.
Dieser Elefantenbulle ist eindeutig identifizierbar: TEP 185 erkennen Besucher an seinen individuell gezackten Ohren. Foto: Christian Selz/dpa-tmn Zu Besuch bei den Elefanten im Naturschutzgebiet Lubombo Touristen lieben sie, einheimische Bauern nicht: Elefanten. Im Naturschutzgebiet Lubombo zwischen Südafrika, Mosambik und eSwatini sollen Mensch und Tier künftig nebeneinander existieren. Nur wie?