So verraten Händler den wahren Warenbestand

22.07.2020
«Nur noch 2 verfügbar.» Wer beim Einkaufen im Netz solche Infos zu Warenbeständen liest, ist alarmiert. Schließlich weiß jeder: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder vielleicht doch nicht?
Dass ein Händler im Onlineshop Angaben wie «nur noch 2 verfügbar» macht, kann reine Strategie sein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn
Dass ein Händler im Onlineshop Angaben wie «nur noch 2 verfügbar» macht, kann reine Strategie sein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Die oft mangelnde Transparenz von Warenbeständen ist wahrscheinlich so alt wie das Onlineshopping selbst. Händler haben offenbar früh erkannt, dass sie mitunter mehr Menschen schneller zum Kauf bewegen können, wenn Unklarheit über die verfügbaren Stückzahlen eines Artikels besteht.

Das Spektrum reiche von gar keiner Angabe über das aussagekräftigere «auf Lager» bis hin zu vagem Formulierungen à la «mehr als 10 verfügbar» bis hin zu einer präzisen Anzahl angeblich noch vorhandener Stücke, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einer Warenbestands-Stichprobe bei 15 großen Shops und Marktplätzen im Netz festgestellt hat.

Doch ein Trick verhilft Kundinnen und Kunden zu mehr Tacheles: Wer wissen möchte, ob er wirklich zuschlagen muss oder noch ein wenig Bedenkzeit hat, sollte sich bis zum Warenkorb oder sogar bis zur Kasse vorklicken, raten die Verbraucherschützer. Denn an diesen Stellen ließen sich viele Händler überlisten, die ihren Lagerbestand eigentlich nicht offenbaren mögen.

Der Weg führe über die Bestellmenge. Wer diese im Warenkorb oder an der Kasse hochschraubt, erfahre, ob der Kauf der Ware in dieser Stückzahl möglich ist - oder eben nicht. In der Stichprobe gab etwa ein Marktplatz bei einem Gerät an: »Nur noch 1 auf Lager». An der Kasse jedoch ließ sich die Bestellmenge bis auf 999 Exemplare erhöhen. Mögliche Interessenten könnten hier als beruhigt durchatmen: Ihnen bleibt noch ausreichend Zeit für Produkt- und Preisvergleiche.

© dpa-infocom, dpa:200722-99-886273/2

Mitteilung der Verbraucherzentrale


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wo ist es am günstigsten. Experten sagen: meistens direkt beim Händler. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Direktkauf beim Händler ist oft günstiger Am schnellsten und bequemsten geht das Online-Shopping auf sogenannten Marktplätzen. Doch Verbraucherschützer warnen: Deutlich günstiger ist es anderswo.
Einpacken, wegschicken - das geht jetzt bei vielen Onlinehändlern auch länger als die üblichen 14 Tage. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Onlineshops sind momentan bei Retouren großzügiger Zwei Wochen und keinen Tag länger. Wie es das Gesetz regelt. So handhaben die meisten Onlinehändler ihre Fristen für Retouren. Doch in Corona-Zeiten ist vieles anders.
Wichtige Informationen rund um Versand, Rückgabe oder Käuferschutz sind bei den Asien-Shops gar nicht oder nicht auf Deutsch verfügbar. Foto: Andrea Warnecke Zwischen Frust und Lust: Online-Shopping in Fernost Egal ob Smartphone, Actioncam oder Tablet: Online-Anbieter aus Fernost verkaufen Elektronikgeräte teilweise zu absoluten Schleuderpreisen. Doch wer dort bestellt, braucht nicht nur viel Geduld, sondern auch Mut, gute Vorbereitung und Nerven.
Die Corona-Pandemie sorgt für wahre Paketberge. Wer seine Lieferung schnell benötigt, muss sich vor dem Bestellen etwas ins Zeug legen. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Paket-Lieferzeiten mit einem Trick verkürzen Zwei Wochen statt zwei Tage: Wegen des enormen Paketaufkommens in der Corona-Krise haben sich die Lieferzeiten vieler Händler drastisch erhöht. Wer es eilig hat, kann aber nachhelfen.