So reagieren Sie auf gefundene Wildtier-Babys

04.06.2021
Kleine Piepmätze, die noch nicht flügge sind, Rehkitze die scheinbar verängstigt im Gras verharren: Da wollen Menschen häufig helfen. Das ist aber in vielen Situationen der falsche Reflex.
Ein drei Wochen altes Feldhasenbaby sitzt allein im Gras. In der Regel ist es nicht verlorengegangen, sondern wartet dort nur auf die Hasenmama. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Ein drei Wochen altes Feldhasenbaby sitzt allein im Gras. In der Regel ist es nicht verlorengegangen, sondern wartet dort nur auf die Hasenmama. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Hamburg (dpa/tmn) - Viele Wildtiere bekommen gerade Nachwuchs. Da kommt es schon mal vor, dass sich junge Wilde scheinbar aus Bau oder Nestern verirrt, verlaufen oder verflattert haben. Wer dann als Lebensretter für die kleinen Tier-Babys auftreten will, weiß oft nicht wie.

«Wer jetzt beim Wald- und Feldspaziergang vermeintlich verlassene Wildtiere findet, hat es nur in den seltensten Fällen mit einem Notfall zu tun», sagt Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung. Sie klärt typische Fälle auf:

- Junge Feldhasen und Rehkitze: Sie drücken sich in Schutzmulden oder verharren bewegungslos im hohen Gras. Dort warten sie auf das Muttertier. Die sei keine Rabenmutter, sondern schaue nur morgens und abends vorbei, um sich zu kümmern. Dahinter steckt eine Strategie. Um den Nachwuchs vor Feinden am Boden wie dem Fuchs zu schützen, verwischen sie die Spuren, die zu ihren Jungtieren führen könnten. Calvi: «Es gilt: Finger weg!»

- Kleine Wildkatzen-Welpen: Sie unternehmen Streifzüge in die Umgebung. Weil sie scheinbar ohne «Aufsicht» sind, werden sie oft für verirrte, hilfebedürftige Hauskatzen gehalten. «Wildkatzen sind für Laien nur schwer von Hauskatzen zu unterscheiden. Doch wer verspielte Katzenwelpen im Wald sieht, kann in der Regel davon ausgehen, dass keine Gefahr für das Tier besteht», sagt Calvi.

- Jungvögel: Sie landen bei ihren ersten Flugversuchen oft piepsend auf dem Boden. Doch die ungeschickten Bruchpiloten müssen nicht gerettet werden. Um die sogenannten Ästlinge der Amseln, Spatzen, Meisen und Finken kümmern sich meist die Vogeleltern selbst. Handelt es sich noch um nackte Jungvögel, könne man die Nestlinge - wenn klar ist, aus welchem Nest sie gefallen sind - auch bedenkenlos in die Hand nehmen und ins Nest zurücksetzen. «Vogeleltern stören sich nicht an menschlichem Geruch», so Calvi.

Sind Wildtiere allerdings verletzt, ist Hilfe notwendig. Dann sollte ein Tierarzt, Wildtierretter von Wildtierauffangstationen oder ein örtlicher Jäger verständigt werden. Ist Gefahr im Verzug, so rät Calvi, kann das verletzte Tier vorübergehend vorsichtig in einer abgedeckten Kiste geborgen werden, bis versierte Hilfe eintrifft.

© dpa-infocom, dpa:210603-99-850447/4


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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