Smarte Epson-Brille projiziert direkt ins Blickfeld

24.02.2016
Mehr Informationen zu Exponaten in einem Museum und Livebilder von der Kameradrohne direkt vor Augen? Oder von anderen unbemerkt einen Film schauen? Eine smarte Brille von Epson soll das möglich machen. Mit zwei winzigen OLED-Displays projiziert sie Bilder ins Sichtfeld.
Per Kabel hängt ein Minicomputer an der Epson Moverio BT-300, die rund 800 Euro kosten soll. Foto: Epson
Per Kabel hängt ein Minicomputer an der Epson Moverio BT-300, die rund 800 Euro kosten soll. Foto: Epson

Barcelona (dpa/tmn) - Wirklich unauffällig ist Epsons neue smarte Brille nicht: Die auf dem Mobile World Congress (22. bis 25. Februar) vorgestellte Moverio BT-300 wirkt wie eine klobige Lesebrille mit dicken Gläsern. 

In den Brillenbügeln stecken aber zwei OLED-Displays, die Bilder direkt in das Blickfeld des Trägers projizieren. Wo Betrachter von außen nur dicke Brillengläser sehen, schwebt vor dem Auge des Nutzers ein Bild in HD-Auflösung.

Über eine eingebaute Fünf-Megapixel-Kamera erkennt die Brille Objekte und kann - die richtige Software vorausgesetzt - Informationen dazu einblenden. In Barcelona demonstriert Epson das etwa mit einem Gemälde: Schaut man es durch die Brille an, verändert es sich vor dem Auge des Betrachters. Ein weiteres Vorführbeispiel: Die Brille spiegelt Feuerwerk über Fotos von Sehenswürdigkeiten aus aller Welt. Augmentierte Realität (AR) nennt sich das: Was der Nutzer sieht, wird mit zusätzlichen Bildern und Informationen angereichert.

Im Gegensatz zur viel kritisierten Google Glass will Epson aber kein Gerät für den Alltag schaffen, das ständig getragen wird, filmt und speichert. Die Japaner haben andere Einsatzszenarien im Blick: Museen könnten die Brille etwa als elektronischen Guide mit Informationen zu den Exponaten nutzen, in Geschäften könnten sich Kunden per Brille über Produkte informieren oder auch Kleidung virtuell anprobieren. Auch im Bildungsbereich sieht Epson-Managerin Valérie Riffaud-Cangelosi viele Einsatzmöglichkeiten. Volkswagen etwa trainiere Monteure mit einer Vorgängerversion der Moverio.

Die smarte Brille sei aber auch aber auch für Privatanwender geeignet, sagt Riffaud-Cangelosi. «Viele nutzen sie, um ihre Kameradrohnen zu steuern.» Ein kompatibles Modell vorausgesetzt, kann der Pilot das Videosignal der Drohne direkt ins eigene Blickfeld einspielen. Dazu gibt es Daten wie Flughöhe oder Geschwindigkeit. Auch Filme lassen sich - unsichtbar für andere - ins Brillenglas spiegeln.

Die zur Berechnung der Bilder nötige Technik steckt in einem per Kabel angebundenen, seifenstückgroßen Minicomputer mit Intel-Atom-Prozessor und Android 5.1. Der Recheneinheit kann über eine berührungsempfindliche Fläche wie ein Smartphone bedient werden. Per WLAN können Apps oder Filme heruntergeladen werden, Peripheriegeräte verbinden sich per Bluetooth.

Die Moverio BT-300 soll ab Oktober für rund 800 Euro verfügbar sein. Bis dahin soll sie noch leichter und stabiler werden. Bislang wiegt die Brille ohne Computer 88 Gramm. Zum Vergleich: Selbst sehr leichte Virtual-Reality-Brillen wiegen schnell 200 Gramm und mehr. 


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
5G ist das nächste große Ding in Sachen Mobilfunk. Erste funktionierende Netze werden für 2020 erwartet. Bis dahin zeigt die Branche auf dem Mobile World Congress schon einmal, was damit alles möglich sein könnte. Foto: Andrea Warnecke Auf dem Weg zum Supernetz: Was 5G-Mobilfunk bringt Es gibt Themen, denen entkommt man nicht: Vernetzte Autos, Häuser und Geräte gehören dazu. Oder der nächste Mobilfunkstandard 5G. Alles nur heiße Luft? Mitnichten. Die wachsende Vernetzung und 5G hängen sogar zusammen. Und es geht um deutlich mehr als nur Bandbreite.
Der Roboter Robelf erkennt Familienmitglieder und schlägt bei Fremden Alarm. Foto: Andrea Warnecke Drei Roboter aus Barcelona Keine Technikmesse ohne Roboter. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona traf man auf elektronische Helfer aller Art. Jeder hat ganz besondere Fähigkeiten. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind grundsympathisch.
Die Einsteiger-Smartwatch ZeRound von MyKronoz kostet rund 100 Euro. Foto: Till Simon Nagel Tragbare Technik: Wunderbare Wearable-Welt Tragbare Technik hält immer mehr Einzug in den Alltag - besonders sensorgespickte Fitnessarmbänder werden immer beliebter. Auf der Mobilfunkmesse in Barcelona ist die Entwicklung zu beobachten, bei der auch die Telekom und der Musiker will.i.am mitmischen wollen.
Zum Zeichnen auf dem Touchscreen legt Samsung dem Galaxy Book einen S Pen genannten Eingabestift bei. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Neue Notebooks und Tablets vom Mobile World Congress Smartphones stehen beim Mobile World Congress klar im Mittelpunkt. Doch es gibt auch neue Notebooks, Tablets und Hybridgeräte. Samsung zaubert außerdem noch ein neues Oberklasse-Tablet aus dem Hut.