Siri an Bord: Neues macOS Sierra im ersten Praxistest

22.06.2016
Nach 18 Jahren gibt Apple das «X» im Namen seines Betriebssystems für Desktoprechner auf. Mit dem neuen macOS Sierra rücken Mac, iPhone und iPad noch dichter zusammen - nicht nur, weil künftig Siri nun auch auf dem Mac das System steuern und Fragen beantworten kann.
Computer entsperren ohne Passwort: Mit einer gekoppelten Apple Watch können sich Nutzer von macOS Sierra ab Herbst einfach anmelden, indem sie die Uhr in die Nähe des Computers halten. Foto: Andrea Warnecke
Computer entsperren ohne Passwort: Mit einer gekoppelten Apple Watch können sich Nutzer von macOS Sierra ab Herbst einfach anmelden, indem sie die Uhr in die Nähe des Computers halten. Foto: Andrea Warnecke

San Francisco (dpa/tmn) - Der Buchstabe «X» im Apple-Betriebssystem OS X passte einfach nicht mehr in die Reihe: Neben iOS für iPhone und iPad, watchOS für die Apple Watch und tvOS für das Apple TV reiht sich nun das neue macOS für die Desktop-Systeme von Apple.

Was bleibt: Nach OS X Mavericks, Yosemite und El Capitan heißt das neue macOS Sierra, ebenfalls eine kalifornische Sehenswürdigkeit.

Mit macOS Sierra kommt der Assistent Siri erstmals auf den Mac. Wie beim iPhone oder iPad kann man via Siri auf dem Mac Fragen stellen, Mitteilungen formulieren und versenden oder Suchen im Web anstoßen - ohne mit der Tastatur tippen zu müssen. Die Such-Ergebnisse können in andere Dokumenten mit «Drag and Drop» verschoben oder kopiert werden. Siri hilft auch, Einstellungen zu verändern oder Dateien aufzuspüren. Die Sprachassistentin versteht dabei komplexere Anfragen, wie «Zeige mir alle Tabellen, die ich vorgestern bearbeitet habe.»

Im Vergleich zur US-Version, die viele Wissensanfragen aus Datenbanken wie WolframAlpha direkt beantwortet, beschreitet die deutschsprachige Beta-Version des Systems aber gelegentlich Umwege und verweist auf eine Websuche. So kann die US-Version die Frage nach der Anzahl der Schafe in Neuseeland direkt beantworten. Das deutschsprachige Pendant spuckt dagegen nur eine Liste von Weblinks aus, mit der man die Antwort recherchieren kann.

Von den Spracheinstellungen unabhängig funktioniert die Synchronisation von Dateien, die auf dem virtuellen Schreibtisch im Dokumentenordner abgelegt werden. Wenn der Anwender es wünscht, werden diese dann zwischen verschiedenen Rechnern abgeglichen oder auch auf den Mobilgeräten von Apple via iCloud zur Verfügung gestellt. Das ist ungemein praktisch, wenn man beispielsweise am Schreibtisch an einem iMac arbeitet und unterwegs vom MacBook, iPad oder iPhone auf diesen Datenbestand zugreifen möchte. Es gibt auch eine iCloud-App für Windows, so dass man PCs einbinden kann.

Über die Grenzen von iOS und macOS hinweg funktioniert nun eine universelle Zwischenablage. Damit können Texte, Fotos und andere Inhalte verschlüsselt zwischen iPad beziehungsweise iPhone und einem Mac in die eine oder andere Richtung via «Copy & Paste» ausgetauscht werden.

Die neue Funktion «Optimized Storage» ist besonders für die Apple-Notebooks interessant, auch weil dort die SSD-Speicher in der Regel deutlich kleiner sind als früher die herkömmlichen Festplatten. Dabei werden selten genutzte Objekte in die iCloud verschoben. Außerdem macht das System smarte Vorschläge, welche großen Dateien gelöscht werden können, beispielsweise ein Video, das man bereits angeschaut hat. Damit können auf einen Schlag etliche Gigabyte auf der SSD freigeschaufelt werden.

Mehr Komfort beim Entsperren des Computers gibt es für Besitzer einer Apple Watch. Sie sollen sich ab Herbst ohne Passworteingabe am Rechner anmelden können - es reicht, mit der Uhr in unmittelbarer Nähe des Computers zu sein. Dabei stellt die Smartwatch via WLAN die Verbindung zum Mac her, nicht via Bluetooth. Wenn die Apple Watch entsperrt ist, wird auch der Mac freigeschaltet. Dass er auch tatsächlich vor Ort ist, wird über eine Analyse der Laufzeiten der Funksignale ermittelt.

Von den vielen neuen Features in macOS Sierra dürften Anwender in deutschsprachigen Ländern vermutlich am meisten von der neuen Speicherverwaltung profitieren. Siri auf Deutsch kann mit den Fähigkeiten seiner englischsprachigen Schwester nicht mithalten. Gelungen sind Detailverbesserungen in den wichtigsten Medien-Programmen: Die Musik-App iTunes erscheint nun etwas übersichtlicher, beim Programm Fotos bietet Apple nun ähnliche Funktionen, die man bereits von Google Fotos her kennt. So können beispielsweise Gegenstände in den Bildern oder Motive wie «Sonnenuntergang» in der Foto-Bibliothek gefunden werden, ohne dass der Begriff im Dateinamen oder den Metadaten der Datei auftaucht.

Bei den Hardware-Voraussetzungen wagt Apple bei macOS Sierra einen härteren Schnitt als sonst. Das neue System läuft nur noch auf MacBooks und iMac-Modellen ab Ende 2009 sowie auf einem MacBook Air, MacBook Pro, Mac mini und dem Mac Pro aus dem Jahr 2010 oder später. Die Vorgängerversion konnte noch beispielsweise auf iMacs und MacBook Pros aus dem Jahrgang 2007 aufgespielt werden. Das Upgrade auf macOS Sierra wird von Apple im Herbst kostenlos zur Verfügung gestellt.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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