Screencast: Vom Smartphone auf den Fernseher

09.06.2016
Mit einem Wisch das Bild vom Smartphone auf den Fernseher übertragen: Was nach Zukunftsvision klingt, können die meisten Geräte bereits - die Besitzer wissen es oft nur nicht. Ein Überblick über die Möglichkeiten des Screencastings und Streamings.
Applegeräte nutzen zur drahtlosen Übertragung von Inhalten die AirPlay-Technik. Foto: Apple
Applegeräte nutzen zur drahtlosen Übertragung von Inhalten die AirPlay-Technik. Foto: Apple

München (dpa/tmn) - Smartphones und Tablets sind wahre Alleskönner. Und von vielen ihrer Fähigkeiten ahnen die meisten Besitzer nicht einmal etwas. So auch von der Möglichkeit, Inhalte ohne Kabelverbindung auf andere Bildschirme oder Beamer zu übertragen.

Das können alle Windows Phones und Tablets (ab Version 8.1) sowie Android-Geräte ab Android 4.2. Sie beherrschen den offenen WiFi-Standard Miracast und können damit Bild und Ton auf andere Geräte mit passendem Empfänger streamen - nur steht das nirgendwo.

«Es ist erschreckend undokumentiert, welche Übertragungsstandards ein Gerät unterstützt», stellt Sven Hansen vom Computer-Magazin «c’t» fest. Tatsächlich ist Miracast den meisten Herstellern nur eine Randnotiz wert, weil sie statt des offenen Standards lieber ihre eigene Lösung vermarkten - oder einfach andere Namen dafür verwenden. Google setzt auf Google Cast. Bekannt geworden ist das Verfahren besonders durch den HDMI-Dongle Chromecast, der jeden Fernseher in einen Smart-TV verwandelt. Bei Apple heißt das ähnliche Prinzip AirPlay. Samsung verwendet zwar Miracast, nennt es aber Screen Mirroring. Sony spricht nur von der Funktion «Bildschirm spiegeln».

Aber was braucht man zum drahtlosen Streamen des Bildschirms? Zwischen Sender und Empfänger muss eine Verbindung bestehen. Smartphones, Tablets und Notebooks haben WiFi schon mit an Bord. Fernseher und Beamer sind nur selten damit ausgestattet und brauchen einen WiFi-Dongle. Das ist ein Empfänger, der in den HDMI-Eingang gesteckt wird. Es gibt günstige Miracast-Dongles von verschiedenen Firmen, die mit allen Android-Geräten ab 4.2 sowie allen neueren Windows-Versionen funktionieren. Googles Chromecast funktioniert ebenfalls mit Android, iOS und auch in Zusammenarbeit mit dem Chrome-Browser. AirPlay funktioniert mit dem Apple TV. Amazon hat mit dem Fire TV ein ähnliches Gerät im Angebot.

Alle Verfahren sind sehr ähnlich, Sven Hansen erklärt den entscheidenden Unterschied: «AirPlay und Miracast benötigen kein WLAN. Diese beiden Schnittstellen können zwei Geräte direkt miteinander verbinden. Alle anderen benötigen ein zusätzliches WLAN.» Die Verbindung der Geräte ist in der Regel sehr einfach. Entsprechende Apps finden kompatible Geräte in der Umgebung und stellen eine Verbindung her. Dann kann die Übertragung auch schon beginnen. Allerdings ist Streaming nicht gleich Streaming. Es gibt zwei unterschiedliche Verfahren: Das eine ist die direkte Spiegelung des Bildschirms. Alles, was auf dem Smartphone zu sehen ist, wird direkt auf den Bildschirm oder Beamer übertragen.

Gerade bei den Multimedia-Geräten Chromecast, Apple TV oder Fire TV wird aber das zweite Verfahren benutzt: die Link-Übergabe. Wird ein Film über das Smartphone gestartet, wird an das Empfangsgerät nur die Adresse weitergegeben, unter der es im Internet oder im Heimnetzwerk zu finden ist. Von der wird der Film dann abgespielt, ohne einen Umweg über das Smartphone zu gehen. Laut Hansen ist diese Lösung schneller und stabiler, also besonders gut für große Dateien wie Filme geeignet. Das direkte Spiegeln des Bildschirms klappt je nach Gerät und Verbindungsgeschwindigkeit nicht immer ideal. Es kann zu unschönem Ruckeln kommen. Nicht-bewegtes Bild, also Fotostrecken oder Präsentationen, laufen hingegen problemlos. Wer Screencasting für wichtige Präsentationen im Beruf oder an der Hochschule nutzen will, sollte aber eines bedenken: Die verwendeten Verfahren sind nicht sonderlich gut abgesichert. Wer sich einen Spaß erlauben möchte, kann also leicht dazwischenfunken und den Vortrag sprengen. Das gute, alte Kabel ist also immer noch die sicherste Lösung.

Wer sich zu Hause nur ein komfortables Heimkino aufbauen möchte, sollte hingegen einen Blick auf die HDMI-Dongles werfen. Hans Bär vom «PC Magazin» empfiehlt die Sticks und Boxen nicht nur wegen des Geschwindigkeitsvorteils: «Sie bringen die wichtigsten Apps für Filmgenuss - Netflix, Maxdome oder YouTube - schon mit. Auch Dienste wie Spotify lassen sich über sie betreiben, aber auch NAS-Systeme gehen mittlerweile gut.» Wenn eine Festplatte mit dem heimischen Netzwerk verbunden ist, können auch die HDMI-Dongles Chromecast, Fire TV oder Apple TV darauf zugreifen - vorausgesetzt, sie befinden sich im selben Netzwerk. Für den Zugriff empfiehlt er Programme wie den Plex Media Server oder das kostenlose Kodi Media Center.

Anleitung zur Einrichtung von Kodi und Plex (PC Magazin)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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