Reederei darf Kreuzfahrt auch ohne Reisewarnung absagen

20.11.2020
Die Kreuzfahrt wird vor Reisebeginn abgesagt - wie ärgerlich! Wenn dies jedoch wegen den Gefahren einer Pandemie geschieht, können Reisende nicht mit Schadenersatz rechnen, zeigt ein Urteil.
Ein Kreuzfahrtschiff am frühen Morgen vor der Küste von Wismar: Wegen der Corona-Pandemie mussten irgendwann alle Seereisen abgesagt werden. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Ein Kreuzfahrtschiff am frühen Morgen vor der Küste von Wismar: Wegen der Corona-Pandemie mussten irgendwann alle Seereisen abgesagt werden. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Rostock (dpa/tmn) - Urlaubern steht kein Schadenersatz zu, wenn ihre Kreuzfahrt wegen der Ausbreitung einer Pandemie absagt wird. Der Reiseveranstalter ist dazu berechtigt, den Reisevertrag zu kündigen - und zwar auch dann, wenn keine Reisewarnung für die Länder vorliegt, die auf der Kreuzfahrt angelaufen werden sollten.

Auf ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Rostock (Az.: 47 C 59/20) macht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) aufmerksam.

In dem verhandelten Fall ging es um eine Kreuzfahrt in Südostasien und Australien im Februar 2020, die acht Tage vor Reisebeginn abgesagt wurde. Die Reederei begründete den Schritt mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie. So habe ein Kreuzfahrtschiff bereits in Quarantäne gemusst, einem anderen Schiff sei das Einlaufen in mehreren asiatische Häfen verboten worden.

Bei der Absage einer Pauschalreise muss der Veranstalter das Geld zurückzahlen. Eine Reisende klagte jedoch auch auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden. Sie verwies darauf, dass keine Reisewarnungen des Auswärtiges Amtes vorgelegen hätten.

Das Gericht folgte dem nicht. Demnach bestehen keine Zweifel, dass es sich bei der Pandemie um unvermeidbare außergewöhnliche Umstände handelt. Die Reederei habe zum Zeitpunkt der Absage mit einer ernsten Gefährdung rechnen müssen, die eine ordnungsgemäße Durchführung der Reise habe beeinträchtigen oder vereiteln können. Die Absage der Kreuzfahrt habe keine Reisewarnung vorausgesetzt.

© dpa-infocom, dpa:201120-99-406856/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Aida Cruises verkürzt sein Asien-Programm. Die Schiffe «Aidavita» und «Aidabella» beenden ihre Fahrten in den kommenden Tagen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa Aida beendet Asiensaison: Was heißt das für Reisende? Das Covid-19-Virus breitet sich in Ostasien weiter aus. Aida Cruises hat wegen zunehmender Einschränkungen nun acht geplante Kreuzfahrten in die Region abgesagt. Was Urlauber wissen müssen.
Wer an Bord eines Kreuzfahrtschiffes geht, muss künftig einen negativen Corona-Test vorweisen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa Kreuzfahrtgäste benötigen jetzt negativen Corona-Test Nach der Corona-Zwangspause werden inzwischen wieder einige Kreuzfahrten angeboten. Auf den Schiffen gelten nun strenge Regeln zum Infektionsschutz. Um den Aufenthalt an Bord noch sicherer zu machen, soll auch eine Testpflicht kommen.
Massive Einbußen wegen Corona: Aida Cruises stimmt ihre Kundschaft auf Preiserhöhungen ein. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa Aida Cruises stimmt Kunden auf Preiserhöhungen ein Wer bald wieder Lust auf eine Kreuzfahrt bekommt, muss mit höheren Kosten rechnen. Angesichts massiver Einbußen infolge der Corona-Pandemie plant die Reederei, die Preise deutlich anzuheben.
Urlauber können den Reisepreis mindern, wenn der versprochene schöne Strand nicht mehr da ist oder nicht mehr nutzbar. Foto: Wilfredo Lee/AP/dpa Hurrikan «Irma»: Was Reisende jetzt wissen müssen «Irma» war der schwerste Sturm, der jemals in der Karibikregion registriert wurde. Inzwischen hat sich der Hurrikan über dem Festland von Florida abgeschwächt, doch die Lage bleibt angespannt. Viele Urlauber bleiben beeinträchtigt - was sie jetzt wissen müssen.