Mehr Durchblick im Streaming-Dschungel

26.03.2019
Netflix, Amazon, Maxdome - Streamingdienste für Serien und Filme werden immer beliebter. Doch die Angebote sind sehr unterschiedlich. Um für sich persönlich das beste zu finden, lohnt ein gründlicher Vergleich. Ein neuer Dienst lässt noch auf sich warten.
Das Angebot an Video-on-Demand- und Streamingdiensten ist groß. Damit der Dienst der Wahl die Bedürfnisse des Nutzer erfüllt, heißt es: vergleichen. Foto: Andrea Warnecke
Das Angebot an Video-on-Demand- und Streamingdiensten ist groß. Damit der Dienst der Wahl die Bedürfnisse des Nutzer erfüllt, heißt es: vergleichen. Foto: Andrea Warnecke

München (dpa/tmn) - Die Fernsehzeitungen verstauben in den Kiosk-Regalen, DVDs und selbst Blu-rays wirken fast überholt. Streaming und Video on Demand sind die Zauberwörter, wenn es um aktuelle Serien und Filme geht.

Mehr als jeder dritte Deutsche nutzte laut dem Branchenverband Bitkom 2018 hin und wieder Streamingdienste. Den passenden für den eigenen Bedarf zu finden, ist bei den unterschiedlichen Preisen und Angeboten aber nicht leicht.

Netflix

Einer der größten Anbieter auf dem Markt ist Netflix. Der US-Streamingdienst ist besonders beim jüngeren Publikum beliebt. «Netflix glänzt vor allem mit den selbst produzierten Originals aus dem eigenen Hause», sagt der Münchner Videostreaming-Experte Maximilian Reichlin. Dazu zählen Serien wie Stranger Things, House of Cards oder Narcos. Diese Inhalte sind zumindest zu Beginn nur für Netflix-Kunden verfügbar. Der Streamingdienst schafft es so, Nutzer zu locken und zu binden.

Das ist ein verbreiteter Ansatz: «Der Trend geht zu Eigenproduktionen, die dann exklusiv beim Anbieter verfügbar sind», sagt Simone Vintz von der Stiftung Warentest. Das Angebot an externen Serien und Filmen ist bei Netflix genreübergreifend eher klein. Wer die neuesten Kinofilme sehen will, ist hier eher falsch. Das günstigste Abo kostet 7,99 Euro pro Monat. Im Premium-Abo für 13,99 Euro gibt es Videos in Ultra-HD, vier Nutzer können gleichzeitig schauen. Einzelleihe gibt es bei Netflix nicht.

Apple

Auch Apple hat angekündigt, mit einem neuen Angebot namens Apple TV Plus ins Geschäft mit exklusiven Sendungen, Filmen und Dokumentationen aus Eigenproduktion einsteigen zu wollen. Ab Herbst 2019 soll der neue Dienst in der Apple-TV-App verfügbar sein. Bereits ab Mai 2019 sollen Nutzer in der überarbeiteten und personalisierbaren Anwendung Inhalte als sogenannte Apple TV Channels auch separat abonnieren können. Das ging bislang nicht.

Die Apple-TV-App wird nicht nur auf Apple-Geräten zu finden sein, sondern auch auf diversen Fernsehern und Streaming-Boxen anderer Hersteller. Preise nannte Apple zunächst nicht. Die Inhalte der Channel- und Plus-Angebote sollen sich aber per Familienfreigabe teilen lassen.

Amazon

Erfolgreich am Markt ist Amazon. Das liegt auch daran, dass das Video-Angebot im sogenannten Prime-Abo integriert ist. Wer also ohnehin Premium-Kunde des Online-Händlers ist, bekommt quasi gratis eine Video-Flatrate dazu. Amazon Prime ist nur jährlich abschließbar und kostet rund 49 Euro. Die große Stärke: Fast jeder Film ist über Amazon abrufbar - genreübergreifend. Neben bekannten Klassikern setzt auch Amazon immer mehr auf eigene Produktionen, vor allem Serien. Das Problem: Nicht alles ist im Abo enthalten. Filme müssen häufig extra gekauft oder geliehen werden, für 0,99 bis 4,99 Euro. Filmfans können bei Amazon also fast alles finden, müssen aber eventuell draufzahlen.

Maxdome

Der deutsche Anbieter Maxdome setzt ebenfalls auf eine Kombination aus Flatrate und Einzelkauf. Das bringt dasselbe Problem wie bei Amazon mit sich: Die Flatrate für 7,99 Euro monatlich umfasst viele Filme, doch neue Kinoproduktionen und Serien kosten meist extra: 2,99 bis 6,99 Euro. Björn Becher vom Kinoportal «Filmstarts.de» bemängelt: «Es gibt nur wenige Eigenproduktionen mit deutschen Schauspielern.» Die Bild- und Tonqualität sei bei Netflix, Amazon und Maxdome aber vergleichbar gut.

Anbieter für Einzelabrufe

Darüber hinaus gibt es Streaminganbieter, die primär keine Abo-Modelle anbieten, sondern eher Einzelabrufe (Video on Demand). Dazu gehören etwa Alleskino.de, Apple iTunes Video, Chili, Flimmit, Google Play Filme & Serien, Microsoft Movies & TV, Mubi, Onlinefilm.org, Rakuten TV, Sky Store, Sony Playstation Video, Videobuster, Videociety oder Videoload. Die Preise pro Film liegen meist zwischen 0,99 und 6,99 Euro.

Neue Angebote von Disney und Warner

Bald schon kommen weitere Anbieter auf den Markt. Disney hat für 2019 mit Disney Play einen eigenen Streamingdienst angekündigt. Das bedeutet möglicherweise, dass Disney-Lizenzinhalte langfristig bei anderen Anbietern verschwinden werden. Dabei geht es nicht nur um Animationsfilme, sondern auch um Produktionen wie die Marvel-Filme (etwa die «Iron Man»-Reihe),«Star Wars» oder «Fluch der Karibik». «Der Launch von Disney Play hat also auf jeden Fall das Potenzial, interessant zu werden», glaubt Maximilian Reichlin. Und auch Warner hat für 2019 einen Streamingdienst angekündigt, der Produktionen der Warner-Tochter HBO wie «Game of Thrones» umfassen könnte.

«Es wird mittelfristig mehr Anbieter geben, langfristig geht es ums Überleben», prognostiziert Björn Becher. Das bedeute aber auch, dass die Preise für Streaming-Abos wohl zumindest vorerst nicht steigen werden. Fazit: Eine All-Inclusive-Lösung, mit der der Nutzer alles bekommt, gibt es nicht - auch nicht in absehbarer Zukunft, weil die Anbieter wohl weiter auf exklusive Eigenproduktionen setzen werden. Nutzer mit klar umrissenen Vorstellungen müssen dann im Zweifel mehrere Dienste abonnieren oder ihren Anbieter öfters wechseln.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eine Familie, ein Konto: Mit Familienkonten lassen sich beim Film- und Musikstreaming, im Appstore oder beim Mobilfunk einige Euros sparen. Foto: Mareen Fischinger/Westend61/dpa Streaming, Apps, Telefon: Geld sparen mit Familienkonten Wer sich eine neue DVD oder CD kauft, kann sie mit Familie und Freunden teilen. Warum also Digitales doppelt kaufen? Mit Familienkonten können Nutzer Musik, Videos und mehr einfach teilen und dabei Geld sparen. Ein Überblick über die verschiedenen Angebote.
Wohnzimmerkino mit Beamer - hier der Benq W200W (ab rund 1400 Euro),der zur drahtlosen Bildübertragung ein WLAN-Modul an Bord hat. Foto: Benq Beamer oder Fernseher: Wer macht das bessere Heimkino? Wer sich einen neuen Fernseher kauft, begreift schnell: Die smarten Geräte mit ihren Mediatheken, Videostreaming-Diensten und vielen vom Smartphone bekannten Apps taugen für weit mehr als nur TV. Doch wie sieht es mit dem Kinofaktor aus?
Nach Filmen auf DVDs oder Blu-rays im Regal einer Videothek zu stöbern, hat inzwischen Seltenheitswert. Foto: Franziska Gabbert Den Wunschfilm auch ohne Videothek ins Wohnzimmer holen In vielen Wohnungen verstauben die DVD- und Blu-ray-Player. Und das nicht nur, weil Filme immer öfter übers Internet ins Wohnzimmer kommen: Wer sich die Silberscheiben nicht gerade kauft, findet kaum noch Orte, an denen man sie leihen kann - mit einer Ausnahme.
Heute stream ich hier, morgen da, übermorgen dort: Der Wechsel zwischen den einzelnen Streaminganbietern gelingt in der Regel ziemlich unkompliziert. Man muss nur die Kündigungsfrist einhalten. Foto: Bernd von Jutrczenka Heute Netflix, morgen Maxdome: Streamingdienst wechseln Netflix, Amazon Prime oder Maxdome. Für das Streamen von Filmen und Serien gibt es viele Anbieter auf dem Markt. Wer alles schauen möchte, muss entweder überall Mitglied werden oder regelmäßig den Anbieter wechseln. Aber geht das auch problemlos?