Mallorca-Maskenpflicht begründet keinen Stornoanspruch

13.07.2020
Allein wegen einer Maskenpflicht auf den Balearen könnten Reisende ihren Urlaub dort nicht stornieren oder abbrechen - sagt ein Experte.
Eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen: Auf Mallorca wird eine Maskenpflicht erwartet - am Strand soll es aber Ausnahmen davon geben. Foto: Clara Margais/dpa/dpa-tmn
Eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen: Auf Mallorca wird eine Maskenpflicht erwartet - am Strand soll es aber Ausnahmen davon geben. Foto: Clara Margais/dpa/dpa-tmn

Palma (dpa/tmn) - Die Maskenpflicht für Mallorca und die anderen Balearen zur Eindämmung von Corona-Infektionen ärgert zwar viele Reisende. Sie können aber nicht allein wegen dieser Regelung Aufenthalte abbrechen oder anstehende Reisen kostenlos stornieren, sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover.

Ein Recht zum Stornieren bereits vor der Maskenpflicht-Einführung gebuchter Reisen hätte man nur, «wenn der Aufenthalt, also der Reisevertrag, erheblich beeinträchtigt wäre», erläutert der Jurist. «Die Grenze zur Erheblichkeit ist mit der schlichten Maskentragepflicht aus meiner Sicht noch nicht erfüllt. Das ist eher ein allgemeines Lebensrisiko, das der Reisende ja auch hätte, wenn er in Deutschland zum Beispiel zum Einkaufen geht.»

Gleiches gelte für den Reiseabbruch von Pauschalurlaubern, die bereits vor Ort sind, sowie für die Frage eines Minderungsanspruchs. Urlauber können also nicht wegen einer Maskenpflicht Teile ihrer Reisekosten zurückverlangen. Und sie können auch nicht erwarten, dass der Veranstalter sie vorzeitig deswegen zurück nach Deutschland holt.

Schlupfloch bei vielen Einschränkungen

Es gibt allerdings ein Schlupfloch für Pauschalreisende, die bereits wegen anderer Punkte mit ihrem Reiseverlauf unzufrieden sind - und bei denen eine Maskenpflicht nur die Spitze eines Eisbergs darstellt.

Degott nennt Beispiele für mögliche Einschränkungen, die dabei eine Rolle spielen könnten. Eine solche könnte sich etwa ergeben, wenn statt der gebuchten All-inclusive-Verpflegung mit Büfett wegen der Abstands- und Hygienepflichten ein gesetztes Essen angeboten wird und dies zu langen Warteschlangen vor dem Hotelrestaurant führt.

«Oder der Spa-Bereich im Hotel ist geschlossen, obwohl man ihn bezahlt hat. Wenn sich das kumuliert und dann kommt die allgemeine Maskenpflicht noch obendrauf, dann sind wir deutlich in dem Bereich erhebliche Beeinträchtigung und Rücktrittsrecht», sagt Degott.

Das Vorgehen ist dann das Gleiche bei Pauschalreisemängeln auch sonst: Zuerst muss sich der Reisende beim Veranstalter beschweren und die bemängelten Punkte am besten mit Fotos dokumentieren.

Nun mache es wegen der Maskenpflicht eigentlich wenig Sinn, sich beim Veranstalter zu beschweren, führt der Reiserechtler aus. «Aber trotzdem: Die Rechtsprechung bis hin zum Bundesgerichtshof verlangt, dass man auch bei Sachverhalten, an denen der Veranstalter nichts ändern kann, sich beschwert und Abhilfe verlangt. Wenn es auch nur darum geht, dass der Veranstalter weiß: Da gibt es Ärger.»

Es soll Ausnahmen von der Maskenpflicht geben

Die weitgehende Maskenpflicht auf den Balearen sieht seit Montag (13. Juli) das Tragen einer Maske über Mund und Nase praktisch überall außerhalb der eigenen vier Wände vor - auch dann, wenn der Sicherheitsabstand zu Anderen gewahrt werden kann. Ausnahmen sollen am Strand, am Pool, beim Essen und Trinken sowie beim Sport gelten.

Bei einer Missachtung kann ein Bußgeld von 100 Euro fällig sein. In den ersten Tagen soll es jedoch spanischen Medienberichten zufolge zunächst nur Ermahnungen geben. Vorbild der Regelung ist eine Maskenpflicht in Katalonien und Extremadura. Auch andere spanische Regionen bereiten eine solche Maskenpflicht vor.

© dpa-infocom, dpa:200713-99-773667/3


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Eine neue Verordnung auf Mallorca sieht vor, dass alle Menschen in der Öffentlichkeit einen Mund- und Nasenschutz tragen müssen. Nun ist das Dekret in Kraft getreten. Foto: Clara Margais/dpa Auf Mallorca herrscht nun strenge Maskenpflicht Mallorca ist hin- und hergerissen. Die Insel lebt von Urlaubern. Wilde Partys aber schüren die Angst vor Corona. Nun herrscht eine strenge Maskenpflicht. Wird das reichen?
Passanten gehen auf der Brücke «Pont de Bir-Hakeim», mit Blick auf den Eiffelturm. Foto: Philippe Lopez/AFP/dpa Urlaubsziele in Europa vor dem Neustart Ob ans Meer in Kroatien oder in die österreichischen Berge: Hält der Trend bei den Corona-Infektionszahlen an, könnten in Europa viele Grenzen ab 15. Juni wieder offen sein. Urlauber und Tourismusbranche schöpfen Hoffnung.
Ein gebrauchter Mundschutz mit Resten von Lippenstift liegt am Strand vor der Strandpromenade von Westerland auf Sylt. Foto: Christian Charisius/dpa Was Reiselustige in Europa beachten müssen Für ein paar Tage haben Ende der Woche alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland gleichzeitig frei. Ab in den Urlaub also? In den größten Teilen Europas ist das möglich. Dabei gilt es aber Einiges zu beachten.
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie macht das schwer betroffene Spanien weiter Fortschritte. Doch der Tourismus werde vor Jahresende nicht wieder in Gang kommen, warnt die Regierung. Foto: Clara Margais/dpa Der Sommerurlaub steht auf der Kippe Gerade erst hat das Coronavirus den Osterurlaub über den Haufen geworfen. Jetzt gerät auch der Sommerurlaub in Gefahr - vor allem für diejenigen, die ins Ausland wollen.