Lokführer streiken weiter: Steigt das Infektionsrisiko?

24.08.2021
Erneut werden heute zahlreiche Züge ausfallen - oder sehr voll sein: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer setzt ihren Streik fort. Steigt dadurch auch die Gefahr einer Corona-Infektion?
Bahnreisende sind mit Zugausfällen und Verspätungen konfrontiert. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer setzt den Streik im Personenverkehr fort. Foto: Tom Weller/dpa
Bahnreisende sind mit Zugausfällen und Verspätungen konfrontiert. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer setzt den Streik im Personenverkehr fort. Foto: Tom Weller/dpa

Berlin (dpa) - Kunden der Deutschen Bahn müssen sich auch am Dienstag auf zahlreiche Verspätungen und Zugausfälle vorbereiten. Die Gewerkschaft GDL setzte ihren Streik bei der Deutschen Bahn fort.

Ähnlich wie am ersten Tag des Streiks rechnet die Bahn nach eigenen Angaben damit, das Angebot im Fernverkehr mit etwa 30 Prozent aufrecht erhalten zu können, im Regionalverkehr im Durchschnitt etwa 40 Prozent. «Auch am zweiten Tag werden wir unser stabiles Grundangebot bieten», sagte eine Bahnsprecherin am Dienstagmorgen. Reisende müssen sich aber wie am Montag auf zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen einstellen.

Einige Bundesländer stärker vom Streik betroffen

Nach wie vor gibt es aber starke regionale Unterschiede bei den Auswirkungen des Streiks: So geht die Bahn davon aus, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur 10 bis 15 Prozent der Züge fahren können, anderswo dagegen deutlich mehr.

Für den Epidemiologen Hajo Zeeb kommt der Streik zu keiner guten Zeit: Durch volle Züge steige das Corona-Infektionsrisiko, sagte der Wissenschaftler vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie der Deutschen Presse-Agentur. Menschen, die trotz der Streiks mit der Bahn reisen müssten, seien nun auf ein geringeres Platzangebot in den Zügen angewiesen. «Das führt zu Kontakterhöhungen und zu ja erhöhten Infektionsrisiken, gerade unter dem Aspekt der Delta-Variante.»

Der Epidemiologe empfiehlt Reisenden, wenn möglich vorerst auf Bahnfahrten zu verzichten oder auf weniger frequentierte Zeiten auszuweichen und sich in den Zügen zu verteilen. Die Bahn teilte auf Anfrage mit, viele Reisende hätten die Kulanzregeln in Anspruch genommen und ihre Fahrten auf das Wochenende vorgezogen.

Fernverkehrszüge werden doppelt so oft gereinigt

Der Konzern bat erneut alle Fahrgäste um größtmögliche Rücksicht. Das Bordpersonal unterstütze die Reisenden, sich in den Zügen zu verteilen, teilte ein Bahnsprecher mit. Darüber hinaus würden die Fernverkehrszüge während der Fahrt weiterhin doppelt so häufig gereinigt wie vor der Pandemie.

Auch im Güterverkehr wird weiter gestreikt. Um 2.00 Uhr in der Nacht zu Mittwoch soll der Arbeitskampf beendet werden. Die Bahn geht davon aus, dass sich der Verkehr im Laufe dieses Tages wieder normalisieren wird. Für Fahrten, die auch am Mittwoch noch von den Folgen des Streiks betroffen sind, sollen die gleichen Kulanzregelungen gelten wie während des Streiks: Sie können bis einschließlich 4. September weiter genutzt werden, eventuelle Zugbindungen sind aufgehoben.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will mit dem Streik höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten erzwingen. Es ist ihr zweiter Streik in dieser Tarifrunde. Anders als beim ersten Ausstand in der vorletzten Woche hatten Fahrgäste dieses mal mehr Zeit, sich vorzubereiten.

© dpa-infocom, dpa:210820-99-907151/5

Infos zur Sonderkulanz

Übersicht Bahn zu Fernverkehr

Bahn-Presseblog zum Streik


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Nach dem Streik bei der Bahn rechnet das Unternehmen an diesem Freitag wieder mit einem weitgehend normalen Fern- und Regionalverkehr. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Bahn kehrt zum normalen Fahrplan zurück Zurück zum Normalbetrieb: Bei der Bahn fahren die meisten Züge nun wieder nach Plan. Reisende informieren sich dennoch besser rechtzeitig über die Abfahrtzeiten.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer bereitet ihre Mitglieder auf Streiks vor. Wann es zum Arbeitskampf kommen soll, ist bisher nicht bekannt. Foto: Bernd Thissen/dpa Streiks könnten Pläne von Bahn-Reisenden durchkreuzen Lange gab es keinen Streik mehr bei der Bahn. Nach der Pandemie beginnen viele Fahrgäste erst wieder zu reisen. Aber es gibt auch einen Tarifkonflikt.
Wieder wird bei Lufthansa gestreikt. Foto: Nicolas Armer Lufthansa-Streik: Kostenloses Umbuchen ist möglich
Bei Ryanair wird am Freitag erneut gestreikt. Die Fluggesellschaft hat 150 Flüge abgesagt. Foto: Silas Stein Wieder Streik bei Ryanair An diesem Freitag beginnen in einigen Bundesländern die Ferien - und bei Ryanair wird wieder gestreikt. Auch deutsche Piloten und Flugbegleiter beteiligen sich an dem neuerlichen europaweiten Ausstand. Die Billigairline streicht vorsorglich Flüge.