Leben mit Ransomware und Corona-Angriffen

30.09.2020
Die größte Gefahr für Internetnutzer geht derzeit von Ransomware aus, wie aus dem aktuellen Cybercrime-Lagebild des BKA hervorgeht. Aber auch Corona nutzen Hacker als Türöffner. Ist Schutz möglich?
Hacker missbrauchen die Corona-Pandemie und machen Ransomware immer gefährlicher, warnt das Bundeskriminalamt. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
Hacker missbrauchen die Corona-Pandemie und machen Ransomware immer gefährlicher, warnt das Bundeskriminalamt. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Wiesbaden/Bonn (dpa/tmn) - Daten sind für Unternehmen wie für Privatpersonen gleichermaßen ein hohes Gut, vor allem die sensiblen. Deshalb gilt es, die eigenen Daten so gut wie möglich vor dem potenziellen Zugriff von Cyberkriminellen zu schützen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) rät als Basisschutz zu einem Dreiklang aus aktuellem Virenschutz, sicheren Passwörtern und regelmäßigen Backups - ergänzt um eine gehörige Portion Skepsis und der eisernen Regel: Aufforderungen zum Zahlen von Geld niemals nachkommen, sondern so schnell wie möglich die Polizei informieren.

Misstrauisch bleiben

Wichtig sei es, bei E-Mails von unbekannten Absendern misstrauisch zu sein. Gleiches gelte aber auch für alarmistische Nachrichten, die den Eindruck erwecken, von einer Behörde, Bank oder Bekannten zu kommen. Hier gilt: Im Zweifel nicht auf Links klicken, besser keine Anhänge öffnen, sondern beim angeblichen Absender anrufen, um den Versand der Mail, ihren Inhalt und etwaige Anhänge zu verifizieren.

Schon zu Beginn der Pandemie hätten Kriminelle manipulierte Webseiten erstellt, die in Anlehnung an die Internetpräsenzen staatlicher Stellen etwa mit Corona-Informationen, -Beratungsangeboten oder -Hilfen warben. Doch beim Anklicken von Schaltflächen seien die Computer der Seitenbesucher mit Schadsoftware infiziert worden. Darüber hinaus kursierten auch E-Mails mit angeblichem Corona-Bezug, die Schadsoftware im Anhang transportierten.

Doppelte Erpressung

Diese Schadsoftware kann Ransomware sein, die alle Daten auf dem Rechner oder im Netzwerk verschlüsselt - ein Beispiel dafür ist der grassierende Emotet-Trojaner. Für eine Entschlüsselung fordern die kriminellen Hintermänner dann Geld. Das BKA hat auch eine neue Masche ausgemacht: die doppelte Erpressung. Dazu verschlüsseln die Täter nicht nur Daten. Sie entwenden zusätzlich auch sensible Informationen und drohen, diese zu veröffentlichen, wenn das Opfer nicht zahlt.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät Anwendern grundsätzlich, regelmäßig alle ihre Daten auf einem externen Datenträger zu sichern. So lässt sich einem Totalverlust durch einen Befall von Schadsoftware vorbeugen, bei dem die Daten verschlüsselt oder gelöscht werden.

Ransomware macht viel Arbeit

Für Anwender, deren Computer von Ransomware befallen worden ist, sei es zudem sinnvoll, alle Passwörter zu ändern, die auf den befallenen Rechnern gespeichert waren - etwa in Browsern. Und: Man setzt den betroffenen Rechner am besten neu auf, empfiehlt das BSI.

Trojaner und nachgeladene Schadsoftware nehmen teils tiefgreifende und sicherheitsrelevante Änderungen am System vor. Ganz sicher sein, keine schädlichen Überreste mehr auf der Festplatte zu haben, kann man nur nach einer Neuinstallation.

© dpa-infocom, dpa:200930-99-770791/2

BSI-Infos zu Emotet-Schadsoftware

BSI-Ratschläge zu Virenschutzprogrammen

BSI-Ratschläge zum Umgang mit Passwörtern

BKA-Mitteilung

Bundeslagebild Cybercrime 2019 des BKA (pdf)


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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