Harz feiert Unesco-Welterbe-Tag

01.06.2017
Bergwerke, Schächte, Museen, Fachwerk, künstliche Wasserwege oder Stauteich-Systeme: Das Weltkulturerbe im Harz ist vielfältig. Vor 25 Jahren wurden die ersten Teilbereiche von der Unesco anerkannt. Die Bilanz fällt positiv aus. Und es gibt Pläne.
Vor 25 Jahren wurden das Erzbergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar zum Weltkulterbe ernannt. Foto: Holger Hollemann/dpa
Vor 25 Jahren wurden das Erzbergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar zum Weltkulterbe ernannt. Foto: Holger Hollemann/dpa

Goslar (dpa) - Für den Harz hat der Welterbe-Tag der Unesco am Sonntag (4. Juni) in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Vor 25 Jahren wurden das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg und die Altstadt von Goslar zum Weltkulturerbe ernannt.

Das Welterbe im Westharz, das 2010 um die Oberharzer Wasserwirtschaft der mittelalterlichen Bergleute erweitert wurde, ist ein großer Gewinn für die Tourismusbranche. «Vor allem seit der Erweiterung um die Oberharzer Wasserwirtschaft bleiben die Gäste immer länger in der Region», sagte Kai Schürholt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga.

Die Oberharzer Wasserwirtschaft war von Bergleuten zur Energiegewinnung angelegt worden. Sie umfasste ursprünglich 143 Stauteiche, 500 Kilometer Gräben, 18 Kilometer hölzerne Rinnen, gut 30 Kilometer unterirdische Wasserläufe und 100 Kilometer Stollen. Ein Großteil davon hat die Jahrhunderte überdauert. Dieser Teil des Welterbes in der freien Natur bringe dem Harz auch internationale Beachtung und zunehmend Gäste aus dem Ausland, sagte Schürholt.

Das bestätigt der Harzer Tourismusverbandes (HTV): «Die Welterbestätten stehen bei nationalen, aber insbesondere bei internationalen Besuchern hoch im Kurs», sagte Geschäftsführerin Carola Schmidt. Normalerweise würden Mittelgebirge nicht unbedingt als Kulturdestinationen wahrgenommen. Im Harz sei dies anders. Die Welterbestätten seien ein Beleg für die große kulturhistorische Bedeutung der Region, sagte Schmidt.

Der Tourismusverband rücke deshalb die Vermarktung des Welterbes seit Jahren immer stärker in den Mittelpunkt, sagte Schmidt. Die Welterbestätten seien «ausgezeichnete Aushängeschilde», zumal im Marketing-Gebiet des HTV nicht nur der Westharz liegt, sondern auch Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Dort sind Stiftskirche, Altstadt und Schloss seit 1994 ebenfalls Weltkulturerbe.

Im Unesco-Welterbe stecke «ein riesiges Potenzial», sagte die Sprecherin des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums, Margit Kautenburger. «Die faszinierende Verbindung von Industriekultur am Rammelsberg, Landschaftserlebnis auf den Spuren der Oberharzer Wasserwirtschaft und die geschichtsträchtige Altstadt Goslars ist weltweit einzigartig und macht den Westharz für den Kulturtourismus besonders attraktiv.»

Die größten Einzelattraktionen seien das Museum Erzbergwerk Rammelsberg und die Kaiserpfalz in Goslar mit zuletzt 110 000 beziehungsweise 70 000 Besuchern pro Jahr, sagte der Direktor der Welterbe-Stiftung, Gerhard Lenz. Im Bereich der Oberharzer Wasserwirtschaft gebe es keine verlässlichen Zählungen, weil das rund 200 Quadratkilometer große Gebiet frei zugänglich sei.

«In den kommenden beiden Jahren sollen in Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Walkenried drei Welterbe-Zentren fertig gestellt werden», sagte Stiftungsdirektor Lenz. Zudem sollen die zum Welterbe gehörenden kleineren Bergbaumuseen im Harz schrittweise modernisiert und damit attraktiver gemacht werden.

«Ohne das Welterbe wäre der Harz für Besucher nur halb so interessant», sagte Goslars Oberbürgermeister Junk. «Er würde sonst reduziert auf die Bereiche Wintersport und Wandern.» Ein besseres Label als «Welterbe» könne sich die Region kaum wünschen, sagte Junk. «Wir sehen das in Goslar vor allem an den steigenden Übernachtungszahlen.»

Am Sonntag feiert der Harz sein Welterbe mit knapp drei Dutzend Veranstaltungen an zahlreichen Orten. Zudem gibt es im Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld eine zentrale Feier.

Deutsche Welterbestätten

Welterbestätten Niedersachsen


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Kahnfahrten auf einem Fließ im Spreewald sind sehr beliebt. Rund 1000 Kilometer Fließe (Wasserwege) durchziehen den Spreewald im Südosten von Brandenburg. Foto: Patrick Pleul Prospekte reichen nicht: Wo Tourismus funktioniert Der Deutschlandtourismus läuft, aber nicht in allen Ecken der Republik. Touristiker sagen, manche Regionen müssten sich besser vermarkten - und weg vom «Kirchturmdenken».
Wer die Höhlenstadt Wardsia besuchen möchte, muss einigermaßen fit sein. Der Weg durch die Höhlen geht auf und ab über steile und ungleich hohe Steintreppen. Foto: Annette Meinke-Carstanjen Das macht Georgien zu einem angesagten Reiseziel Kolossale Berge im Kaukasus, kulturhistorische Stätten, die Offenheit der Menschen: Georgien ist ein traumhaftes Reiseland. Noch kann man dort Ursprünglichkeit erleben.
Party auf der Hütte: Die Wintersportregion Hochkönig lädt im März zum Feiern ein. Foto: Creatina/Hochkönig Tourismus GmbH/dpa-tmn Urlaubsevents: 100 Jahre Litauen und Party am Hochkönig Vor dem Ende der Skisaison locken die Berchtesgadener Alpen mit einem tradionellen Highlight: Am Hochkönig werden die «Skihüttenroas» gefeiert. Auch Litauen befindet sich in Hochstimmung. Wegen des 100-jährigen Jubiläums warten hier zahlreiche Events.
Mit 2 PS durch die Prignitz: An der Plattenburg können Touristen einen Stopp einlegen und sich von Burgherr René Günther (r) selbstgebrautes Bier servieren lassen. Foto: Andreas Heimann Eine Prignitz-Tour: Faule Burgsäue und besonderer Fluglärm Die Prignitz ist der äußerste Zipfel im Nordwesten Brandenburgs. Die Elbe fließt hier ruhig Richtung Hamburg. Auf dem Deich sind Radfahrer unterwegs. Und Schafe. Manchmal wirkt die Landschaft so idyllisch, dass man es kaum noch aushält.