Großstadt-Oase adieu: Berlin verbietet Ferienwohnungen

29.04.2016
Im Urlaub wohnen wie Einheimische - das ist vielen Touristen lieber als ein steriles Hotel. Immer mehr Städtereisende suchen sich Ferienwohnungen. Ausgerechnet in Berlin soll das nun nicht mehr gehen.
Ferienwohnungen in Berlin, ab sofort gelten hier strenge Regeln. Foto: Britta Pedersen
Ferienwohnungen in Berlin, ab sofort gelten hier strenge Regeln. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - Welches Hotelzimmer hat das schon? Ein Wohnzimmer mit Ledersofa, eine Dachterrasse, eine voll ausgestattete Küche? In dieser Ferienwohnung kann man sich im Urlaub zuhause fühlen. «Lebensraum auf Zeit», nennt Stephan la Barré das. Er vermietet in Berlin insgesamt 15 Apartments.

Vor allem Familien fühlten sich hier wohler als im Hotel, sagt er. Doch damit dürfte es bald vorbei sein: Ferienwohnungen sind in Berlin ab Mai verboten.

Die Hauptstadt will so den engen Wohnungsmarkt entspannen. Denn Berlin wächst und die Menschen brauchen Raum zum Leben. «Wohnungen sind zum Wohnen da», meint Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Touristen sollen Einheimischen nicht den Platz wegnehmen. Ähnliche Verbote gibt es nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands in Stuttgart, Hamburg oder München - allerdings nicht so streng.

Was genau ist in Berlin untersagt?

Das Gesetz verbietet Wohnungsleerstand, Abriss, die Umwandlung von Wohnungen in Büro- oder Gewerberäume und die Nutzung als Ferienwohnung. Nur ein Zimmer der selbst bewohnten Wohnung zu vermieten, ist aber erlaubt. Touristen können sich also weiter eine Bleibe über Airbnb oder andere Plattformen suchen - dürften dann aber keine Ferienwohnungen mehr finden, sondern einzelne Zimmer mit geteilter Küche und Bad.

Sind Ferienwohnungen wirklich so ein Problem?

Wie viele es in Berlin gibt, weiß man nicht. Der Senat geht von bis zu 10 000 Wohnungen aus, die bei Plattformen wie Airbnb registriert sind. Das wären fast so viele wie in ganz Berlin pro Jahr gebaut werden - Wohnraum für 20 000 Menschen. Der Immobilienentwickler GBI rechnet sogar mit 14 400 Privatunterkünften und 6,1 Millionen Übernachtungen im Jahr. Offiziell gemeldet sind bisher 6300 Ferienwohnungen.

Wird es Ausnahmen geben?

Bislang wurden 87 Ausnahmegenehmigungen erteilt - doch auf so eine dürfen nur die wenigsten Vermieter hoffen. Solche zum Beispiel, die in Krankenhausnähe Zimmer für Eltern kranker Kinder anbieten. Genehmigt werden auch Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien oder Schülerläden. Das finden viele Ferienwohnungs-Vermieter unfair.

Wie werden die Ferienwohnungen kontrolliert?

Das müssen die oft überforderten Bezirke machen, sie haben dafür mehr Stellen bekommen. Plattformen wie Airbnb wurden zudem verpflichtet, Auskunft über die Vermieter zu geben. Das Land hat auch eine Art Spitzel-Internetseite eingerichtet, auf der Nachbarn Ferienwohnungen anonym melden können. Anbietern illegaler Apartments drohen Bußgelder von bis zu 100 000 Euro.

Wie wehren sich Vermieter, Airbnb, Wimdu und Co?

Airbnb-Manager wollten im März mit der Berliner Landesregierung über eine Lockerung verhandeln - jedoch ohne Erfolg. Es gebe keine Ausnahmen, hieß es danach. Jetzt zieht das Vermittlungsportal Wimdu zusammen mit rund 60 Vermietern vor Gericht. Sie sehen massive Eingriffe in die Eigentumsfreiheit und die Freiheit der Berufswahl. Denn zahlreiche kommerzielle Anbieter fürchten um ihre Existenz. «Wir verlieren unser wirtschaftliches Standbein», sagt La Barré. Einige Kollegen hätten bereits aufgegeben.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Berlin hat mehr als das Brandenburger Tor zu bieten. Deswegen will die Hauptstadt beim Tourismus neue Wege gehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa Berlin setzt jetzt auf «Qualitätstourismus» Mehr, mehr, mehr: Bei der Zahl der Besucher schien es in Berlin lange keine Grenzen zu geben. Nun setzt etwas Ernüchterung ein. Statt auf Quantität will der Senat beim Tourismus auf Qualität setzen.
Touristen vor dem Dogenpalast in Venedig - das Overtourism genannte Problem vieler beliebter Reiseziele ist 2019 Thema auf der Urlaubsmesse CMT. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn Städte sorgen sich um ihre Authentizität Im Kampf gegen Touristenströme will Venedig künftig Eintrittsgelder verlangen. Die deutschen Metropolen feilen an Ideen, damit es erst gar nicht soweit kommt.
Mit 2 PS durch die Prignitz: An der Plattenburg können Touristen einen Stopp einlegen und sich von Burgherr René Günther (r) selbstgebrautes Bier servieren lassen. Foto: Andreas Heimann Eine Prignitz-Tour: Faule Burgsäue und besonderer Fluglärm Die Prignitz ist der äußerste Zipfel im Nordwesten Brandenburgs. Die Elbe fließt hier ruhig Richtung Hamburg. Auf dem Deich sind Radfahrer unterwegs. Und Schafe. Manchmal wirkt die Landschaft so idyllisch, dass man es kaum noch aushält.
Kahnfahrten auf einem Fließ im Spreewald sind sehr beliebt. Rund 1000 Kilometer Fließe (Wasserwege) durchziehen den Spreewald im Südosten von Brandenburg. Foto: Patrick Pleul Prospekte reichen nicht: Wo Tourismus funktioniert Der Deutschlandtourismus läuft, aber nicht in allen Ecken der Republik. Touristiker sagen, manche Regionen müssten sich besser vermarkten - und weg vom «Kirchturmdenken».