Google steigt ins Videospiele-Geschäft ein

20.03.2019
Google will das Games-Geschäft umkrempeln. Die Spiele sollen auf Servern im Netz statt auf Geräten der Nutzer laufen. Viele Fragen bleiben zur Ankündigung jedoch noch offen.
Google will mit der Streaming-Plattform Stadia im Games-Geschäft mitmischen. Foto: Christoph Dernbach
Google will mit der Streaming-Plattform Stadia im Games-Geschäft mitmischen. Foto: Christoph Dernbach

San Francisco (dpa) - Google will mit einem Streaming-Dienst für Videospiele ins Games-Geschäft einsteigen. Die Idee ist, dass die Spiele eigentlich auf Googles Servern im Netz laufen - und auf die Geräte der Nutzer über eine schnelle Internet-Verbindung übertragen werden.

Mit dem Angebot konkurriert Google mit Anbietern von Spielekonsolen und hochgerüsteter Gaming-PCs. Die Plattform mit dem Namen Stadia soll im laufenden Jahr an den Start gehen.

Nach dem Cloud-Modell soll eine Auswahl von PC-Spielen in hoher 4K-Auflösung verfügbar sein, später soll auch 8K folgen. Zur Steuerung stellte Google am Dienstag einen Controller aus eigener Entwicklung vor. Das Gerät sieht aus wie bisherige Controller für Konsolen oder Spiele-PCs, hat aber zwei zusätzliche Knöpfe. Mit dem einen kann man den Sprachassistenten Google Assistant auslösen, der unter anderem Tipps zum Spielgeschehen geben soll. Mit dem anderem Knopf kann der Spielverlauf in Echtzeit auf Googles Videoplattform YouTube übertragen werden.

YouTube soll auch eine Rolle als Portal zu Stadia spielen: So werde man einem anderen Spieler zusehen und direkt aus der Ansicht selbst in ein Spiel auf dem Cloud-Dienst einsteigen können.

Der Spiele-Dienst soll auf PCs über den Chrome-Webbrowser des Internet-Konzerns, auf Tablets und Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android sowie auf Fernsehern nutzbar sein. Keine Angaben gab es unterdessen dazu, ob Stadia auch auf iPhones und iPads von Apple verfügbar sein wird.

Auch andere wichtige Fragen blieben zur Ankündigung offen. So äußerte Google sich überhaupt nicht zum Geschäftsmodell. Unklar blieb auch, wie groß die Spiele-Auswahl sein wird. Nur wenige Spiele wurden definitiv angekündigt, darunter der anstehende Ego-Shooter «Doom: Eternal». In einem Test ließ Google in den vergangenen Monaten bereits «Assassin's Creed: Odyssey» über die Cloud spielen. Zudem richtet der Konzern ein eigenes Spiele-Entwicklungsstudio ein.

Der Google-Einstieg ins Spielegeschäft ist auch ein Gewinn für den Chipkonzern AMD - er soll die Grafik-Hardware für die spezialisierten Server in der Google-Cloud liefern. Die AMD-Aktie schloss nach dieser Ankündigung den US-Handel mit einem Plus von fast zwölf Prozent ab.

Google wird mit der Ankündigung zum Vorreiter beim Spiele-Streaming, dem eine große Zukunft vor allem in Verbindung mit dem künftigen superschnellen 5G-Datenfunk vorhergesagt wird. Auch von Microsoft, Anbieter der Xbox-Spielekonsole, wird ein ähnlicher Service erwartet. Sony bietet bereits seit einiger Zeit Streaming für ältere Spiele auf seiner Playstation an.

Über Stadia im Google-Blog


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Für viele geht es beim Cheaten einfach um das gute Gefühl, anderen überlegen zu sein. Hier treten Spieler in «World of Warcraft» gegeneinander an. Caroline Seidel/dpa-tmn Foto: Caroline Seidel Wie Cheats die Videospiel-Welt vergiften Betrüger gibt es überall, auch in der Welt der Videospiele. Mit sogenannten Cheats verschaffen sich manche Spieler unfaire Vorteile - sehr zum Leidwesen anderer. Doch der Kampf gegen Cheater ist ein ewiges Wettrüsten mit ungewissem Ausgang.
Einen unverwechselbaren Soundtrack für ein Videospiel zu erschaffen, ist mindestens ebenso schwierig, wie für einen Hollywood-Film. Foto: Alexander Heinl/dpa-tmn Videospiel-Soundtracks: Nicht nur der Ton macht die Musik Der technische Fortschritt von Videospielen wird meist vor allem anhand ihrer Grafik gemessen. Dabei ist die Musik mindestens genauso wichtig für den Erfolg und die Faszination.
Die farbigen Altersfreigabe-Symbole der USK sind auf fast allen Videospielen zu finden. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn Jugendschutz und Computerspiele: Das macht die USK Wie für Filme gibt es auch für Videospiele genaue Alterseinstufungen. Ab welchem Alter ein Spiel geeignet ist, prüft die USK. Wie genau läuft das ab?
Christophe Kalkau, Komponist des Spieleentwicklers Handygames, untermalt Videospiele mit Musik. Er weiß, wie wichtig der Sound ist, um Emotionen zu wecken. Foto: Nicolas Armer So wichtig ist bei Videospielen der Sound Videospiele sind inzwischen ein Massenmarkt. Ihre volle Wirkung entfalten Spielewelten auch dank Musik. Die ist weit komplexer als Filmmusik - denn der Spieler bestimmt, wo lang es geht.