Fossilien-Grube Messel feiert 25 Jahre Welterbe

02.06.2020
Versteinerte Schildkröten und der Urahn der Pferde: In der Grube Messel finden sich Zeugnisse einer längst vergangenen Welt. In Ölschiefer gepresst geben sie Wissenschaftlern Einblicke in die Artenvielfalt vor vielen Millionen Jahren.
Ein fossiles Urpferdchen (vorn) gehört zu den wertvollen Funden aus der Grube Messel, die in der Schatzkammer des Besucherzentrums ausgestellt sind. In dem meterdicken, feingeschichteten Ölschiefer erzählen Fossilien, wie die Welt vor 48 Millionen Jahren aussah. Foto: Arne Dedert/dpa
Ein fossiles Urpferdchen (vorn) gehört zu den wertvollen Funden aus der Grube Messel, die in der Schatzkammer des Besucherzentrums ausgestellt sind. In dem meterdicken, feingeschichteten Ölschiefer erzählen Fossilien, wie die Welt vor 48 Millionen Jahren aussah. Foto: Arne Dedert/dpa

Messel (dpa) - In porösen Schieferblättchen finden sich Spuren längst vergangenen Lebens. Gegen den Yellowstone-Nationalpark oder den Grand Canyon wirkt die kleine Grube Messel in Südhessen eher beschaulich und zunächst unspektakulär.

Ihr Trumpf liegt unter der Erde: «Für die Paläontologie ist Messel von herausragender Bedeutung», sagt Krister Smith von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt. Die Grube erlaube sonst nirgendwo mögliche Einblicke.

Vor 25 Jahren wurde die Fossillagerstätte bei Darmstadt erstes Unesco-Weltnaturerbe in Deutschland - und steht damit auf gleicher Stufe mit Grand Canyon, Yellowstone und Galapagosinseln. Das von der deutschen Unesco-Kommission als «Fenster zur Urzeit» bezeichnete Areal diente einst ganz anderen Zwecken: «Wenn nicht Ölschiefer abgebaut worden wäre, würde hier heute ein Hügel stehen», sagt die Geschäftsführerin der Welterbe Grube Messel gGmbH, Marie-Luise Frey.

Der Boden wurde mehr als hundert Jahre lang abgetragen, um Öl herauszupressen. «Heute ist die Grube ein Zeit- und Klima-Archiv», sagt Frey. Mit inzwischen Zehntausenden Fossilien-Funden können Wissenschaftler ein relativ genaues Bild der Lebenswelt und des Klimas in der vor 48 Millionen Jahren tropisch geprägten Region rekonstruieren.

Die Funde sind Zeugnis einer Welt lange nach dem Aussterben der Dinosaurier und lange bevor die Evolution Neandertaler und den modernen Menschen hervorbrachte. Die Fossilien sind keineswegs nur Fragmente. Wissenschaftler fanden etwa den Affen «Ida», das wohl älteste vollständig erhaltene Fossil eines Primaten. Weltberühmt wurden auch die vollständig erhaltenen Skelette von Urpferdchen. Die Tiere, nur etwa so groß wie ein Dackel, sind die Vorfahren der heutigen Pferde. Auch Fossilien von Krokodilen, Riesenameisen, Fledermäusen und Vögeln erzählen die Geschichte einer längst vergangenen Welt.

Vor 48 Millionen Jahren war das Klima in der Region tropisch. Es gab einen Vulkansee, in dem in tieferen Wasserschichten eine Zone ohne Sauerstoff lag. Was ins Wasser fiel und dorthin sank, verweste nicht, sondern wurde von herabsinkenden Sedimenten nach und nach zu Stein gepresst.

Einige der Fossilien erzählen ganze Geschichten. So wurde Krister Smith zufolge eine Boa mit einer Eidechse im Magen gefunden. Die wiederum hatte zuvor ein Insekt geschluckt. Ebenso kann nachverfolgt werden, welche Insekten auf welchen Blüten saßen. In eindeutiger Pose fanden Forscher auch Schildkröten: Die Tiere starben beim Liebesspiel.

Landesmuseum Darmstadt zur Grube Messel

Unseco zum Welterbe Messel

Eozän


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Auf dem Bolívar-Platz in Cartagena verkaufen María Márquez und María Reyes exotische Früchte. Foto: Manuel Meyer In Kolumbien den Zauber der Vergangenheit spüren Kolumbiens Kolonialstädte locken mit Geschichte, beeindruckenden Naturlandschaften und schöner Architektur. Aber es gibt hier mehr zu erleben: etwa Weltliteratur zum Nachleben oder leckere Ameisen.
Das New Yorker Naturkundemuseum widmet dem Tyrannosaurus rex vom 11. März bis zum 9. August eine große Ausstellung. Gezeigt werden unter anderem Fossilien sowie lebensgroße Modelle. Foto: Christina Horsten New Yorker Naturkundemuseum zeigt Schau zu Tyrannosaurus rex Im New Yorker Naturkundemuseum dreht sich in den nächsten Monaten alles um eine Ikone der Popkultur: den Tyrannosaurus rex. Besucher erfahren hier auch, dass die Riesenechse bunte Eier legte.
Oben wartet die Aussicht: Auf den Herman Mountain kommen Touristen mit dem Geländewagen. Foto: Jörg Michel/dpa-tmn Wo die Rocky Mountains noch einsam und unentdeckt sind Wem es in den kanadischen Nationalparks im Sommer zu überlaufen ist, der kann im Geopark Tumbler Ridge noch echte Wildnis erleben - und dabei sogar in Dinosaurier-Spuren laufen.
Die Mathildenhöhe in Darmstadt gehört zu den Touristenmagneten. Hunderttausende besuchen das Jugendstilensemble jährlich. Foto: Andreas Arnold/dpa Die Tourismus-Hotspots in Hessen Millionen Menschen besuchen jedes Jahr Hessen. Nicht jeder kommt aber wegen der Sehenswürdigkeiten, von denen das Bundesland einige zu bieten hat.