Fine Art Prints: Digitalfotos selbst oder im Labor drucken

18.08.2021
Dunkelkammer war einmal, heute bringt ein Drucker digitale Fotos aufs Papier. Für richtig gute Fine Art Prints braucht man die richtige Ausstattung und viel Zeit – oder den richtigen Dienstleister.
Gedruckt auf Papier statt digital auf dem Rechner entfalten Fotos noch einmal eine ganz andere Wirkung. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn
Gedruckt auf Papier statt digital auf dem Rechner entfalten Fotos noch einmal eine ganz andere Wirkung. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn

Dillingen (dpa/tmn) – Sie liegen milliardenfach auf Festplatten und in den Clouds dieser Welt, bereit zum Betrachten und Bearbeiten, aber nicht zum Anfassen. Wer richtig gute Fotos hat, will sie vielleicht aber irgendwann nicht mehr nur auf dem Rechner haben, sondern auch in der Hand halten.

Früher wäre man dann in die Dunkelkammer marschiert. Die braucht es zwar nicht mehr, dafür aber ähnlich viel Detailwissen.

Fotolabor oder selbst drucken? «Wer nur gelegentlich Papierbilder benötigt, ist wohl mit einem Dienstleister besser bedient», sagt Wolfgang Elster, Fotograf und langjähriges Mitglied im Deutschen Verband für Fotografie (DVF). Trotz Preisen zwischen 5 und 50 Euro kommen Hobbyfotografen dabei billiger weg, als wenn sie sich erstmal für Hunderte Euro Drucker, Papier und Tinte anschaffen und nur selten benutzen. Langer Stillstand kann bei Tintenstrahl-Druckern außerdem zu Problemen am Gerät führen.

Anbieter für hochwertige Drucke gibt es viele. Große wie Saal Digital oder Whitewall kommen genauso in Frage wie kleine Labore, die es vielleicht sogar in der Nähe gibt. Die Bandbreite der Angebote ist riesig. Druckformate, Papierqualität und Verfahren bestimmen Preis und Lieferzeit. Neben Fine Art Prints, bei denen per Tintenstrahldruck auf Kunstpapier gedruckt wird, sind auch Abzüge möglich. Hier kommt das Bild per Laserbelichtung und chemischer Entwicklung auf das Fotopapier.

Für große Mengen lohnt eigener Drucker

Manche Fotos wirken gedruckt auf Spezialpapier am schönsten, andere kommen belichtet auf dickem Fotopapier am besten zur Geltung. Wer die eigenen Werke ausstellen will, muss außerdem den Galerie-Ansprüchen gerecht werden. «Viele verlangen Museumsqualität», sagt Rolf Walther, Fotograf und Foto-Designer. Die Fotos müssen dafür auf säurefreiem Papier verewigt werden, das besonders haltbar ist. Bilder können so über Hundert Jahre in gleichbleibender Qualität gezeigt werden.

Die Alternative zum Druckauftrag ist, selbst Hand anzulegen. «Ich empfehle allen, sich früher oder später einen eigenen Drucker zuzulegen», rät Walther. Das helfe Hobbyfotografen auch bei der Entwicklung ihres Könnens. Denn um Bilder bestmöglich auf Papier zu bekommen, muss man sich intensiv mit ihrer Wirkung auseinandersetzen.

Vor allem für Fotografinnen und Fotografen, die selbst ausstellen oder große Mengen brauchen, lohnt die die Anschaffung auch preislich. «Für einen FineArt-Druck auf 40 mal 60 Zentimeter Kunstdruckpapier wird von Dienstleistern bis zu 30 Euro plus Versandkosten verlangt. Wer selbst druckt, bekommt das Gleiche für etwa ein Drittel des Preises und kann seinen Druck individuell bestimmen», sagt Fotograf Wolfgang Elster. Dafür ist allerdings ein wenig Übung nötig.

Vor allem Tinte ist teuer

«Man sollte sich auf jeden Fall mit dem Thema Farbmanagement beschäftigen», empfiehlt Walther. Im Drucker selbst sind Farbprofile gespeichert, die helfen, ein gutes Ergebnis zu bekommen. Mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop kann man solche Profile bearbeiten oder selbst erstellen. Das ist unerlässlich für farbechte Prints.

Damit der Druck wiedergibt, was digital zu sehen ist, sollte außerdem der Monitor kalibriert sein. Dazu gibt es laut Walther Messgeräte für 80 bis 100 Euro. «Wenn man fit ist, kann man sich die Farbprofile auch selbst zusammenstellen», sagt er. Das ähnelt dann wieder der Arbeit in der Dunkelkammer und ergibt vor allem bei Schwarzweiß-Drucken Sinn.

Gute Tintenstrahldrucker gibt es für etwa 700 Euro. Für das Format A2 oder größer muss man mindestens 1100 Euro einplanen. Dazu kommen die Ausgaben für Papier und Tinte. «Papiersorten gibt es unendlich viele, die Unterschiede sind aber gar nicht so groß», weiß Walther. Ins Geld geht vor allem die Tinte.

Um sich das nötige Wissen anzueignen, rät Elster zu Workshops oder Web-Seminaren, die von den Herstellern teilweise auch kostenfrei angeboten werden: «Mit learning by doing bezahlt man da einfach zu viel Lehrgeld.»

Wer sich einmal mit der Technik auseinandergesetzt hat, kann dann seine künstlerische Freiheit mit der Fotografie voll ausleben – egal ob für Ausstellungen, Wandbilder für die eigene Wohnung, Wettbewerbe oder zum Verschenken.

© dpa-infocom, dpa:210817-99-869766/6


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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