Faktencheck: Macht uns 5G krank?

18.11.2019
Noch schneller und vor allem flächendeckend soll das Internet mit 5G werden. Neben Hoffnungen gibt es aber auch Befürchtungen. Macht uns der neue Mobilfunkstandard krank? Ein Faktencheck.
Derzeit gehen die meisten Forscher nicht davon aus, dass Mobilfunk sich auf die Gesundheit auswirkt. Für Zeiträume von mehr als zehn Jahren reicht die Datenlage laut WHO aber noch nicht aus. Foto: Sina Schuldt/dpa
Derzeit gehen die meisten Forscher nicht davon aus, dass Mobilfunk sich auf die Gesundheit auswirkt. Für Zeiträume von mehr als zehn Jahren reicht die Datenlage laut WHO aber noch nicht aus. Foto: Sina Schuldt/dpa

Berlin (dpa) - Nach der Kritik an der digitalen Infrastruktur in Deutschland hat die Bundesregierung einen Heilsbringer auserkoren: Dank 5G soll das Mobilfunknetz superschnell, lückenlos und international konkurrenzfähig werden.

Doch Gegner äußern Bedenken und warnen vor Gefahren, die künftig noch stärker durch die Luft auf uns einwirken sollen.

- Behauptung: 5G macht uns krank und kann Krebs erzeugen.

- Bewertung: Diese Aussage ist nicht einheitlich bewiesen. Manche Studien behaupten, die Strahlung sei krebserregend. Anderen Forschern zufolge hat die Strahlung keinen Einfluss auf die Gesundheit. Langzeitstudien für die noch recht neue Technologie gibt es bisher noch nicht.

- Fakten: Die meisten Wissenschaftler glauben nicht, dass Mobilfunk die Gesundheit gefährdet. Auch die zuständige Behörde sieht keinen Anlass, sich ernsthaft Sorgen zu machen. Die Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Inge Paulini, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks sind inzwischen gut erforscht.» Demnach gebe es keinen Beleg für negative Folgen, wenn die Strahlung unterhalb der Grenzwerte liegt.

Auf seiner Homepage erklärt das BfS: «Epidemiologische Studien zur Handynutzung bei Erwachsenen konnten bei einer Nutzungsdauer von weniger als 10 Jahren kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren, Akustikusneurinome (gutartiger Tumor des Hörnervs) oder Augentumoren finden.» Der neue Standard 5G soll auch in höheren Frequenzbändern funken, für die bisher erst wenige Untersuchungsergebnisse vorliegen. Hier sieht das BfS auch im Hinblick auf gesundheitliche Auswirkungen noch Forschungsbedarf.

Solche Risiken wollen Mobilfunkkritiker wie die Initiative diagnose.funk schon ausgemacht haben und legen folgende Studien vor: Bei Untersuchungen des National Toxicology Programs (NTP) in den USA und des Ramazzini-Instituts (Italien) wurden Laborratten hochfrequenten elektromagnetischen Feldern ausgesetzt. Sie sollen dadurch vermehrt Tumore gebildet haben. Bei der NTP-Tierstudie wurden die Mäuse über zwei Jahre hinweg täglich neun Stunden lang mit hohen Dosierungen bestrahlt, die italienischen Forscher gingen bei niedrigeren Dosierungen ähnlich vor. Die Stiftung Warentest ließ die Studien durch unabhängige Toxikologen begutachten - mit dem Fazit: Eine praktische Gesundheitsgefährdung von Menschen lasse sich durch die Ergebnisse nicht ableiten.

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, für Zeiträume von mehr als zehn Jahren reiche die Datenlage noch nicht aus. Sie hat hochfrequente elektromagnetische Felder im Mai 2011 als «möglicherweise krebserregend» eingestuft. Diese Bewertung bezieht sich laut BfS ausschließlich auf Tumore im Kopfbereich und die Nutzung von Handys. Ein erhöhtes Risiko für andere Krebsarten oder für Krebserkrankungen im Umkreis von Basisstationen - also Sendemasten - könne weitestgehend ausgeschlossen werden.

Tipps für die Nutzer mobiler Geräte vom BfS

Italienische Studie des Ramazzini-Instituts

Studie des US-National Toxicology Programs

diagnose:funk zum Thema Mobilfunk-Strahlung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Günstig, strahlungsarm und eine gute Gesprächsqualität: Es gibt viele Gründe warum man seinen Festnetzanschluss nutzen sollte. Foto: Christin Klose Wer braucht noch einen Festnetzanschluss? Der Trend geht zum mobilen Telefonieren. Doch oft ist das klassische Festnetztelefon zuverlässiger und günstiger. Zumal Gesundheitsgefahren beim Handy nicht ausgeschlossen werden können.
Telefonate am Handy sollten besser nicht zu lange dauern. Ob sich die Strahlung negativ auf die Gesundheit auswirkt, ist aber bisher nicht eindeutig bewiesen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Der SAR-Wert und der persönliche Schutz Seit es Handys gibt, wird auch vor der Strahlung gewarnt, die von den Mobiltelefonen ausgeht. Schließlich hängt das Gerät ständig im Netz. Der sogenannte SAR-Wert gibt Anhaltspunkte, wie stark das Smartphone strahlt - doch was sagt er eigentlich genau aus?
Telekommunikationsunternehmen peilen eine ganz spezielle Zielgruppe an: Gamer, die sich in diesen Tagen bei der Kölner Gamescom treffen. Foto: Kloubert/Vodafone/Vodafone/dpa Gamer können in Quasi-Echtzeit mit 5G zocken Der Mobilfunkstandard 5G steckt in Deutschland zwar noch in den Kinderschuhen, doch die Pläne der Telekommunikationsunternehmen peilen schon jetzt eine ganz spezielle Zielgruppe an: Gamer, die sich bei der Kölner Gamescom treffen.
Vodafone 5G steht während einer Vodafone-Pressekonferenz auf einer Präsentationswand. Foto: Ole Spata/Illustration Was bedeutet das Ergebnis der 5G-Frequenzauktion? Der Hammer ist gefallen, eine historisch lange Mobilfunk-Auktion ist vorbei. Was bedeutet der Ausgang der Versteigerung für Verbraucher - und wie geht es weiter?