Experten warnen vor Radarfunktion in Dating-App Lovoo

09.08.2019
Daten-Apps nutzen eine Radarfunktion, um Nutzer miteinander in Kontakt treten zu lassen. Das ist praktisch, birgt aber Gefahren:
Mithilfe der Schnittstelle können missbräuchlich genaue Bewegungsprofile erstellt werden. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Mithilfe der Schnittstelle können missbräuchlich genaue Bewegungsprofile erstellt werden. Foto: Monika Skolimowska/dpa

München (dpa) - Bei der Dating-App Lovoo ist es laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks möglich, genaue Bewegungsprofile der Nutzer zu erstellen.

Damit könnten selbst Rückschlüsse auf die Wohn- und Arbeitsorte der Anwender gezogen werden, da die Ortung auf 30 bis 50 Meter genau erfolgen könne, berichtet der Sender. Demnach ist es den Datenjournalisten des «BR» gelungen, über eine technische Schnittstelle Informationen von Nutzern gezielt und in großer Anzahl in München abzurufen.

Wie auch andere Dating-Apps zeigt Lovoo seinen Nutzern über eine Radarfunktion an, welche Nutzer der App sich ebenfalls in der näheren Umgebung von rund 100 Metern befinden. Mit Hilfe eines einfachen geometrischen Messverfahren über drei verschiedene Einwahlpunkte könne jedoch der Standort wesentlich genauer, auf bis zu 30 Meter, bestimmt werden, hieß es. Kombinieren lasse sich der Standortverlauf außerdem mit weiteren Profilinformationen wie der sexuellen Orientierung oder den hinterlegten Bildern.

Über fünf Tage hinweg sammelten die Datenjournalisten demnach über ein angelegtes Profil die Daten von neun verschiedenen Standorten. Alle 15 Minuten hätten sie dann Informationen über Nutzer bekommen, die sich in dem Bereich bewegten, darunter Alter, Geschlecht und Profilbild.

IT-Sicherheitsexperte Linus Neumann vom Chaos Computer Club (CCC) warnte, dass ein Missbrauch nie ganz ausgeschlossen sei: «In dem Moment, in dem ich als Nutzer meine Standortdaten mit wildfremden Menschen teile, gibt es natürlich immer eine Gefahr. Auch wenn diese Daten ungenauer hinterlegt werden, wäre immer noch zu erkennen, in welcher Stadt und in welchem Stadtteil ich mich befinde und wo ich mich regelmäßig bewege.» Neumann riet dem App-Betreiber, die Nutzung der Schnittstelle einzuschränken, wie viele Abfragen ein Profil schicken darf. Damit könnte man verhindern, dass ein Profil binnen Sekunden von drei unterschiedlichen Orten aus abfragt. Auch wäre es möglich, die Anzahl der Dating-Partner einzugrenzen, die einem angezeigt werden.

Die Dating-App-Betreiber teilten dem «BR» mit: «Um die Daten unserer Nutzer zu schützen, setzen wir eine Vielzahl von technischen und organisatorischen Maßnahmen ein.» So würden etwa ausschließlich ungenaue Koordinaten und Distanzen an die Nutzer verschickt. Das reiche jedoch offenbar nicht aus, folgert der «BR». Bei anderen Dating-Apps wie etwa Tinder sei eine genaue Ortung des Standorts von vornherein kaum möglich.

Bericht des BR


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Fotoansichten in Kartendiensten können das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzen. Foto: Robert Günther/dpa-tmn Kamera-Autos: Was bei Problemen mit Aufnahmen zu tun ist Kamera-Autos von Apple, Google & Co rollen hierzulande durch die Straßen. Gesichter und Kennzeichen sollen automatisch verschwommen dargestellt werden, wenn die Aufnahmen online gehen. Das klappt aber nicht immer zuverlässig.
Facebook-Nutzer können auf einer Hilfe-Seite des Online-Netzwerks prüfen, ob sie von dem Hacker-Angriff, der vor zwei Wochen bekannt wurde, betroffen sind. Foto: Silas Stein Facebook: Hacker klauten private Informationen Der vor zwei Wochen bekanntgewordene Hacker-Angriff auf Facebook war kleiner, aber auch deutlich unangenehmer als zunächst bekannt wurde. Zwar waren 30 und nicht 50 Millionen Profile betroffen - aber bei rund der Hälfte wurden detailreiche Informationen abgegriffen.
Ab dem 11. April stellt Microsoft für Windows 10 ein neues Update bereit. Es soll das Vornehmen der Datenschutzeinstellungen erleichtern. Foto: Andrea Warnecke Mehr Transparenz und Datenschutz bei Windows 10 Microsoft erweitert bei Windows 10 die Datenschutzfunktionen. So erhalten Nutzer einen besseren Überblick über die Daten, die der Rechner bei seinen Prozessen erhebt.
Apps wie Sleep Cycle Alarm Clock messen auch die Bewegungen im Schlaf. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn Schlummerhilfe vom Smartphone: Was Sleep-Tracker bringen Das Smartphone neben dem Kopfkissen? Längst kein ungewöhnliches Bild mehr. Auch nachts ist das Telefon unser ständiger Begleiter geworden. Und mit den passenden Apps lässt sich das Smartphone sogar zu einem kleinen Schlaflabor aufrüsten.