Ersatzflug deutlich verspätet: Zweimal Entschädigung fällig

22.08.2019
Manchmal will die Kette an Verspätungen einfach nicht abreißen. Im vorliegenden Fall verspätete sich nach einem annullierten Flug auch der Ersatzflug. Das Gericht sprach dem geschädigten Fluggast zwei Entschädigungen zu.
Die Klägerin darf sich darauf berufen, dass sie zweimal Unannehmlichkeiten hatte - einmal wegen der Annullierung und einmal wegen der Verspätung. Foto: Andreas Arnold
Die Klägerin darf sich darauf berufen, dass sie zweimal Unannehmlichkeiten hatte - einmal wegen der Annullierung und einmal wegen der Verspätung. Foto: Andreas Arnold

Hannover (dpa/tmn) - Wenn ein Flug annulliert wird und sich auch der Ersatzflug am nächsten Tag deutlich verspätet, steht Passagieren zweimal eine Entschädigung zu.

Das zeigt ein Fall vor dem Landgericht Hannover (Az.: 1 S 175/17). Der Anspruch wäre nur ausgeschlossen, wenn der Fluggast sein Ziel trotz der Verspätung des zweiten Flugs höchstens zwei Stunden später als geplant erreicht.

Für die doppelte Entschädigung spielt es nach Ansicht des Gerichts keine Rolle, dass beide Flüge dazu dienten, lediglich einen laut Reisevertrag geschuldeten Flug in der vorgesehenen Richtung durchzuführen. Denn die Klägerin dürfe sich darauf berufen, dass sie tatsächlich zweimal ein Ärgernis und Unannehmlichkeiten hatte - einmal wegen der Annullierung und einmal wegen der Verspätung.

Die Berufung der beklagten Airline, die zunächst nur einmalig 400 Euro gezahlt hatte, blieb ohne Erfolg. Über das Urteil berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift «ReiseRecht aktuell» (Ausgabe 3/2019).


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Lufthansa hat nach eigener Aussage in diesem Sommer rund 250 Millionen Euro an Passagiere gezahlt. Das Unternehmen will nun die gleiche Summe investieren. Foto: Silas Stein Luftfahrt-Gipfel: Flugverkehr muss pünktlicher werden Nach einem Chaos-Sommer für viele Fluggäste haben sich Politik und Wirtschaft auf einige Schritte gegen Verspätungen und Ausfälle geeinigt. Sie versprechen: Das Drama von 2018 wird sich im nächsten Jahr nicht wiederholen.
Startet der Flieger viel zu spät oder fällt ganz aus, weil das Sicherheitspersonal streikt, müssen Reisende nicht immer auf eine Entschädigung verzichten. Das zeigt ein Urteil des BGH. Foto: Bodo Marks BGH stärkt Passagierrechte bei Flugausfall Streikt das Sicherheitspersonal am Flughafen, herrscht schnell Chaos an den Passagierkontrollen. Ist den Airlines zuzumuten, dass ihre Maschinen trotzdem starten? Darüber entschied nun der Bundesgerichtshof.
Gibt es gravierende technische Probleme am Flugterminal können außergewöhnliche Umstände vorliegen. Fluggäste gehen in dem Fall leer aus. Foto: Andreas Gebert Nach Systemausfall am Flugterminal gibt es kein Geld zurück Der Anschlussflug ist weg, der Ärger groß: Dennoch gibt es nicht bei jeder größeren Verspätung eine Ausgleichszahlung für Passagiere. Das macht der BGH in einem aktuellen Urteil deutlich.
Stranden Passagiere wegen des Streiks vorübergehend an Flughäfen, muss der Veranstalter oder die Fluggesellschaft sie betreuen. Foto: Andreas Arnold Was Urlauber zum Streik bei Ryanair wissen müssen Der Urlaub kann beginnen, doch der Flieger startet nicht? Kein guter Auftakt für eine Reise. Wegen des Streiks bei Ryanair müssen Fluggäste sich auf etliche Ausfälle einstellen. Welche Rechte haben Betroffene?