E-Books und E-Reader: 1000 Bücher in der Tasche

27.04.2021
E-Book-Reader ersetzen auf kleinstem Raum die heimische Bibliothek. Wer sich eines der praktischen Geräte zulegen möchte, muss sich aber zwischen zwei Systemen entscheiden.
Leicht und kontraststark: E-Book-Reader lassen sich auch im hellen Sonnenlicht wie ein gedrucktes Buch lesen. Foto: Jens Kalaene/dpa-tmn
Leicht und kontraststark: E-Book-Reader lassen sich auch im hellen Sonnenlicht wie ein gedrucktes Buch lesen. Foto: Jens Kalaene/dpa-tmn

Berlin/Hannover (dpa/tmn) - Der Roman «Krieg und Frieden» von Leo Tolstoi hat mehr als 1500 Seiten. Ein schwerer Wälzer. Leichter wird der Roman als E-Book auf einem E-Reader. «Die Geräte sind klein, leicht und handlich», sagt Benjamin Barkmeyer von der Stiftung Warentest.

«Auf einem E-Book-Reader lassen sich Tausende Bücher speichern. Dadurch fallen ganze Bücherregale weg. Auch für den Urlaub sind solche Geräte eine wunderbare Investition.»

Viele Reader sind wasserfest und haben eine eingebaute Beleuchtung, mit der sich selbst nachts ohne Lampe schmökern lässt. Die Preise starten bei rund 70 Euro. Die Schrift lässt sich beliebig vergrößern, was auch bei nachlassender Sehkraft praktisch ist. Selbst in der Sonne sind die sogenannten E-Paper-Displays der Reader noch gut lesbar.

Doch Barkmeyer weiß auch, dass viele Menschen nicht so recht von gedruckten Werken lassen wollen: «Bücher sind emotional belegt. Vielen Lesern ist die Haptik eines Buchs ohne Strom enorm wichtig.» Das zeigt sich auch in einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom: Nur knapp ein Drittel der Menschen hierzulande liest bislang E-Books.

Eine grundlegende Entscheidung

Wer in die Welt der E-Books starten möchte, muss eine grundlegende Entscheidung treffen. Denn es gibt zwei Ökosysteme, die sich kaum vereinen lassen: Eines von Amazon rund um seine Kindle-Reader. Und das offenere System um die Geräte von Tolino, Pocketbook oder Kobo.

Wer einen Kindle wählt, ist im Amazon-System gefangen, erklärt Alexander Spier vom Fachmagazin «c't». «Amazon hat ein eigenes Buchformat, das sich nicht auf anderen Gerätetypen lesen lässt. Und andere Buchformate funktionieren wiederum nicht auf dem Kindle.»

So können Kindle-Nutzer ihre E-Books nur bei Amazon kaufen. Vorteile habe das Kindle-System dennoch: «Die Nutzerführung ist gut und der Einkauf sehr bequem. Wer englische Literatur sucht, hat bei Amazon außerdem eine größere Auswahl ohne Buchpreisbindung», sagt Spier.

Freier sind Leser, die sich für einen E-Book-Reader von Tolino, Kobo, Pocketbook & Co entscheiden. Auf ihnen lassen sich unter anderem Bücher im gängigen Epub-Format lesen, die es überall zu kaufen gibt. An einen Händler sind Besitzer solcher Geräte nicht gebunden. Dadurch haben sie Zugriff auf das gesamte Sortiment der Buchhandlungen. Außerdem können sie leichter den Reader-Hersteller wechseln.

Allianz der Buchhändler

Tolino etwa ist das Produkt einer Buchhändler-Allianz. Dazu zählen unter anderem die großen Ketten Weltbild, Thalia und Hugendubel, aber auch die Plattform Buchhandlung.de. Dort lassen sich lokale Händler finden, die E-Books verkaufen. Auf dem Gerät selbst ist in der Regel der Shop des Händlers installiert, bei dem etwa der Tolino oder das Pocketbook gekauft worden ist. Bei Kobo ist es der Kobo-Shop.

«Auch am Computer gelingt der Kauf einfach und schnell», erklärt Barkmeyer. «Die Bücher liegen anschließend in der Cloud und können auf das Gerät geladen werden.» An die Tolino-Cloud lässt sich jeder Onlineshop der Händler-Allianz anbinden. Bücher von weiteren Händlern lassen sich per USB-Kabel vom Computer auf den Reader übertragen.

Beim Preis gibt es bei deutschen E-Books keinen Unterschied zwischen den beiden Ökosystemen. Sie unterliegen wie gedruckte Werke der Preisbindung, sind aber meist etwas günstiger. Ein Spartipp ist die «Onleihe» der Bibliotheken, über die sich Nutzerinnen und Nutzer E-Books ausleihen können. Voraussetzung ist ein Epub-fähiger Reader. Kindle-Besitzer können die Bücher nicht öffnen.

Wasserzeichen machen das Lesen leichter

Anders als gedruckte Bücher waren E-Books ursprünglich nicht zur Weitergabe innerhalb der Familie oder an Freunde gedacht. Leser erwerben mit dem Kauf laut den AGBs der Anbieter nur ein Nutzungsrecht. Trotzdem klappt das Weitergeben meist. Denn immer mehr Verlage verzichten darauf, ihre Publikationen mit einem harten Kopierschutz gegen eine Weitergabe zu sperren. Stattdessen sind viele E-Books heute nur noch mit einem unsichtbaren Wasserzeichen versehen.

«Damit lässt sich immer nachvollziehen, wer das E-Book ursprünglich gekauft hat. So wird verhindert, dass jemand in großem Stil E-Books weiterverbreitet. Aber Privatkopien in kleinem Umfang sind möglich», erklärt Alexander Spier. Allerdings gilt das nur bei Epub-E-Books.

Bei Amazon ist der Kopierschutz hingegen hart: E-Books lassen sich nur auf Geräten lesen, die auf den Account des Käufers registriert sind. Bücher ohne Kopierschutz hat der Onlinehändler zwar auch, darunter finden sich aber kaum aktuelle Bestseller.

Immerhin gibt es bei Amazon eine Familienbibliothek. Zwei Erwachsene und vier Kinder können dort freigeschaltet werden und gemeinsam lesen. Auch Tolino bietet so eine Funktion. Bis zu sechs Personen können darüber ihre Bücher miteinander teilen.

© dpa-infocom, dpa:210426-99-359402/5

Kauftipps für E-Book-Reader

Ist die Wahl auf eines der beiden Systeme gefallen, geht es an die Auswahl des E-Book-Readers. Benjamin Barkmeyer von der Stiftung Warentest empfiehlt, die Geräte unbedingt einmal in die Hand zu nehmen und auszuprobieren. «Auch hier zählt die Haptik. Der Leser muss sich damit gut fühlen, schließlich wird er den Reader über Jahre immer wieder in die Hand nehmen.»

«E-Book-Reader sind fürs Lesen konzipiert. Und das können die meisten Geräte ganz gut», sagt Alexander Spier vom «c't»-Fachmagazin. Aber Käufer sollten auch auf die Zusatzfunktionen achten, rät er. «Nicht alle sind zum Beispiel wasserdicht, gerade bei günstigen Modellen fehlt manchmal der Touchscreen oder die Beleuchtung». Der eingebaute Speicher der angebotenen Reader reicht dagegen in der Regel aus. «Auf zwei Gigabyte Speicher ist Platz für mehr als 1000 Bücher», weiß Spier. «Für die meisten Leser genügt das.

Sollen aber auch Comics und Hörbücher auf dem Reader Platz finden, dann lohnen sich vier bis acht Gigabyte.» Comiclesern empfiehlt der Experte, sich auch neue Geräte mit bunten Displays anzuschauen. Die seien zwar noch nicht ganz ausgereift, aber allemal besser als die herkömmliche Schwarz-Weiß-Ansicht. Wer mit einem Reader auch Bücher in anderen Sprachen liest oder mit dem Gerät lernt und arbeitet, den werden die oft integrierten Wörterbücher oder eine Notizfunktion interessieren.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Mit einem Wisch ist die Seite weg: Hintergrundbeleuchtete Touchscreens sind längst auch in der E-Book-Einstiegsklasse Standard. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn Gute E-Book-Reader gibt's auch in der Einstiegsklasse 200 bis 300 Euro für einen E-Book-Reader ausgeben? Obwohl da noch nicht mal ein einziges digitales Buch dabei ist? Dazu ist längst nicht jede oder jeder bereit. Muss auch gar nicht mehr sein.
Und da ist das E-Book bunt. Mit der Kaleido genannten Displaytechnik dürfte es bald einige E-Reader mit Farbdisplay geben, wie der für den Herbst angekündigte E-Reader Color von Pocketbook. Foto: PocketBook/dpa-tmn E-Book-Reader mit Farbbildschirm kommen Kontraststark, aber farblos: Geht es um Displays, sind E-Book-Reader die letzte Bastion monochromer Darstellung. Doch nun soll es einen Farbschub geben.
Kindgerecht? Im Netz gibt es zahlreiche Angebote, die Eltern und Kindern den Weg weisen. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa-Zentralbild/dpa-tmn Orientierung im WWW - Kindern den Weg ins Netz weisen Shopping, Unterhaltung, Informationen - im Internet sind unzählige Angebote abrufbar. Darunter ist aber auch vieles, das für Kinder nicht geeignet ist. Gut, dass es Angebote gibt, die Kindern und Eltern den Weg zu passenden Webseiten zeigen.
Der Klassiker und Fast-Alleskönner: Allerdings machen Tablets und Tablet-Hybriden dem guten alten Notebook immer öfter Konkurrenz. Foto: Florian Schuh Auf Dauer hilft nur Power: Was der Computer können muss Vorbei die Zeit, als gute Computer mindestens einen vierstelligen Betrag kosteten: Ordentliche Rechner gibt es heute schon für ein paar hundert Euro. Manche Anwender könnten auf den PC aber auch schon ganz verzichten - zugunsten eines Tablets.