Durchs zerstörte New York: So spielt sich «The Division»

11.03.2016
Anarchie am Times Square: New York hat in «The Division» definitiv schon bessere Zeiten gesehen. In dem Online-Shooter dient die zerstörte Stadt als Kulisse für Rollenspiel-Action im Stil von «Destiny». Das ist manchmal toll – und manchmal etwas fragwürdig.
Staus und stockender Verkehr auf der Manhattan Bridge: «The Division» verwandelt die Stadt in eine düstere Endzeit-Hölle. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft
Staus und stockender Verkehr auf der Manhattan Bridge: «The Division» verwandelt die Stadt in eine düstere Endzeit-Hölle. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft

Berlin (dpa/tmn) – Es ist ein moderner Alptraum: Ausgerechnet am Black Friday, dem traditionellen Shopping-Höhepunkt für das Weihnachtsgeschäft in den USA, tauchen in New York plötzlich virenverseuchte Geldscheine auf. So beginnt «The Division», ein neuer Online-Shooter von Ubisoft.

Der hochansteckende Pockenerreger verbreitet sich im dichten Getümmel der Großstadt in Windeseile. Zwei Wochen später muss die Regierung Manhattan evakuieren und abriegeln. Strom- und Wasserversorgung brechen zusammen, Lebensmittel werden knapp, Polizei und Nationalgarde sind restlos überfordert.

Das ist das Szenario des Shooters. Als einer von mehreren Elite-Agenten soll der Spieler im verschneiten New York wieder für Recht und Ordnung sorgen und ganz nebenbei die Ursache der Katastrophe finden. Dazu muss er nicht nur die zerstörte Infrastruktur wieder aufbauen, sondern sich vor allem mit verschiedenen Verbrecherbanden anlegen - die reichen von simplen Plünderern bis hin zu durchgedrehten Fanatikern mit Flammenwerfern.

Eigentlich ist das alles aber nur ein Vorwand. Denn «The Division» ist ein klassisches Action-Rollenspiel im Stil von «Destiny» und «Diablo». Und das bedeutet, dass die Story und selbst das Gameplay nur Nebenrollen spielen. Im Mittelpunkt steht ganz klar die Jagd nach Erfahrungspunkten, neuen Waffen und besserer Ausrüstung, mit denen der eigene Agent mit der Zeit immer mächtiger wird.

Das funktioniert hier ebenso gut wie bei den Vorbildern. Allerdings sind deren bunte Fantasy-Welten dafür vielleicht das bessere Szenario. Zu der knallharten Endzeit-Stimmung im verwüsteten New York will diese Punkte- und Aufrüstungsjagd manchmal nicht so ganz passen. So wird «The Division» etwas zum Opfer seiner eigenen Qualitäten, denn die bedrückende Atmosphäre ist den Entwicklern von Ubisoft wirklich gut gelungen.

Die Story an sich ist zwar nicht weiter der Rede wert - dafür sind vor allem die Charaktere schlicht nicht interessant genug. Viel besser sind jedoch die vielen kleinen, oft gruseligen Geschichten drumherum. Die erzählt «The Division» unter anderem mit Tonaufnahmen, «Echos» genannten Geistererscheinungen oder einfach mit seinen Kulissen: Ein verwüsteter und verlassener Vorgarten, in dem die Weihnachtsdeko noch fröhlich blinkt, sagt mehr als 1000 Worte.

Das eigentliche Spiel wirkt da mit seinem unbeschwerten Geballer manchmal wie ein Fremdkörper - was aber nicht bedeutet, dass es schlecht ist. Im Gegenteil: Die Gefechte, in denen der Spieler seinen Agenten stets von hinten über die Schulter blickt, sind überraschend abwechslungsreich und dabei meistens spannend. Am unterhaltsamsten sind sie natürlich im Team mit ein paar Freunden - Wer will, kann «The Division» aber auch gut alleine spielen. Offline darf man allerdings nie sein: Ohne Verbindung ins Internet startet das Spiel gar nicht erst.

Echte Begegnungen mit anderen Agenten gibt es aber trotzdem fast nur in der sogenannten Dark Zone. In diesem abgetrennten Teil der Spielwelt warten die größten Schätze – aber eben auch die gefährlichsten Gegner und andere Spieler. Mit denen lassen sich theoretisch brüchige Allianzen schmieden. Allerdings können Spieler dabei nie sicher sein, ob ihnen die neuen Freunde nicht im ungünstigsten Moment in den Rücken fallen. Das macht die Dark Zone einerseits frustrierend, andererseits aber auch sehr spannend.

Wer darauf keine Lust hat, findet im Rest von Manhattan auch ohne Dark Zone genug zu tun. «The Division» ist bis an den Rand vollgestopft mit umfangreichen Missionen, kleinen Nebenaufträgen und unzähligen sammelbaren Gegenständen und Rohstoffen. Mit denen lässt sich zum Beispiel die eigene Basis ausbauen, wodurch man wiederum neue Missionen oder Fähigkeiten für den Agenten freischaltet. So wird «The Division» zumindest in den ersten 25 Stunden nie langweilig.

Darüber hinaus ist auch Potenzial für Langzeit-Spaß vorhanden. Zumindest für Spieler, die über die etwas schräge Kombination aus spaßigem Action-Rollenspiel und todernstem Endzeit-Szenario hinwegsehen können. In Kinderhände gehört «The Division» wegen seiner Themen aber auf keinen Fall, deshalb ist der Titel völlig zu Recht erst ab 18 Jahren freigegeben. Der Ausflug ins winterliche New York ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und den PC erhältlich und kostet je nach Version etwa 50 bis 70 Euro.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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