Druckerpatronen nachkaufen oder nachfüllen?

07.02.2019
Wer einen Drucker besitzt, sieht sich früher oder später mit leeren Tintenpatronen konfrontiert. Eins steht dann fest: Ersatz vom Hersteller kann ganz schön teuer werden. Lässt sich nicht einfach mit Patronen anderer Anbieter oder mit Nachfüllen viel Geld sparen?
Schwierige Operation, teils mit Spritze: Das Nachfüllen in Eigenregie ist nur begrenzt empfehlenswert. Foto: Franziska Gabbert
Schwierige Operation, teils mit Spritze: Das Nachfüllen in Eigenregie ist nur begrenzt empfehlenswert. Foto: Franziska Gabbert

Berlin (dpa/tmn) - Erst meckert der Drucker und fordert neue Tinte. Wer das ignoriert, hat irgendwann unschöne Streifen im Druckbild. Dann wird es höchste Zeit, neue Patronen zu kaufen oder die alten nachzufüllen. Denn die empfindlichen Druckköpfe können bei Druckversuchen ohne Tinte zerstört werden.

«Vom Nachfüllen rate ich außer bei sehr alten Druckern generell ab», sagt Rudolf Opitz vom «c't»-Fachmagazin. Der Vorgang sei je nach Patrone sehr kompliziert. «Besser ist es, eine wiederbefüllte Patrone im Fachgeschäft zu kaufen. Hier kann man sich Rat holen, nicht funktionierende Patronen reklamieren und Leerpatronen zurückgeben.»

Vorteilhaft für Vieldrucker

Zum anderen gibt es die Option, Drucker mit einem festen Tintentank zu kaufen. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, amortisieren sich aber insbesondere für Vieldrucker wegen der niedrigen Folgekosten schnell. In der Regel gilt diese Variante als die günstigste, wenn es vor allem um den Farbdruck geht. «Originaltinte gibt es in Flaschen zum leichten Nachfüllen. Eine Füllung für 5000 bis 6000 Seiten kostet im Schnitt 45 Euro», so Opitz.

Wer sich dagegen auf dem freien Markt nach Tinte zum Nachfüllen seiner Tanks umsieht, stößt auf zwei Arten: Universaltinte, auch Dye-Tinte genannt, und Pigment-Tinte. «Generell gilt, dass man keine Universaltinte kaufen sollte», sagt Florian Rigotti vom Fachportal «Druckerchannel.de». Pigment-Tinte sei zwar teurer, sorge aber für eine bessere Qualität beim Druck auf Normalpapier. Und weil die Druckerhersteller verschiedene Systeme und leichte Variationen der Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb nutzen, muss man beim Kauf der Tinte auf einen ausdrücklichen Vermerk achten, für welchen Hersteller die Tinte gedacht ist.

Zwei Schwächen

Wer dagegen neue Patronen kauft, muss sich zwischen Originalersatz des Herstellers und Patronen anderer Anbieter entscheiden. Dazu stellt die Stiftung Warentest in ihrem jüngsten Vergleich von Tintenpatronen fest: «Billigpatronen rechnen sich oft. Bis auf wenige Ausnahmen arbeiten die Geräte problemlos mit Fremdpatronen.» Mit dem Kauf von Patronen anderer Anbieter würden Verbraucher meist viel Geld sparen - und die Qualität sei in der Regel passabel.

«Meist haben die alternativen Tinten zwei Schwächen», merkt Opitz an. «Sie sind nicht so lichtstabil - bleichen also in der Sonne schneller aus - und trocknen zudem schneller ein.»

In der Vergangenheit ist es immer wieder einmal vorgekommen, dass Hersteller Fremdpatronen blockiert haben. Das ist zwar aktuell nicht mehr so. Aber weil es jederzeit wieder Firmwareupdates geben kann, die Patronen sperren, rät Florian Rigotti zu Vorsichtsmaßnahmen: «Man sollte sich beim Einsatz von Fremdpatronen also überlegen, dass man automatische Firmwareupdates über den Drucker deaktiviert oder dem Drucker über seinen Router auch den Internetzugang sperrt.» Die veröffentlichten Updates sollte man dann aber trotzdem im Blick behalten, um sehr wichtige Updates identifizieren und gegebenenfalls doch noch aufspielen zu können.

Fragwürdige Qualität

Einen großen Bogen sollte man insbesondere um die allerbilligsten Fremdanbieter-Patronen machen, rät Rudolf Opitz. «Von vermeintlichen Schnäppchen aus China sollte man die Finger lassen, da die Tintenqualität oft fragwürdig ist und sich je nach Charge ändern kann.»

Auch Florian Rigotti warnt vor solchen schlechten Nachbauten: «Man erkennt diese Angebote meist recht einfach am unschlagbar günstigen Preis und an großen Patronen-Bundles - beispielsweise 40 Patronen zum Preis von 40 Euro», so der Experte. «Wir haben diese Billigpatronen schon öfters getestet und festgestellt, dass sowohl die Verarbeitung der Tintenpatronen also auch die verwendete Tinte von geringer Qualität sind.»

Vor dem Druckerkauf sollte immer die Überlegung zur Höhe des Druckaufkommens stehen: Denn es gibt auch Drucker mit einer Patronen-Druckkopf-Einheit. Geräte mit diesen sogenannten Kombipatronen, die es nur vom Hersteller gibt, eignen sich insbesondere für Wenigdrucker. Denn bei hoffnungslos verstopften Düsen oder einem defekten Druckkopf ist das Problem mit einer neuen Patrone gleich gelöst.

Bei höheren Druckaufkommen ab etwa hundert Seiten pro Monat sollten Nutzer grundsätzlich auf Drucker mit großen Patronen und damit hoher Druckreichweite achten oder zu einem Tintentank-Modell greifen.

Tintenpatronen-Entsorgung

Ausgediente Tintenpatronen gehören nicht in den Hausmüll. Leere Originalpatronen können zum Hersteller zurückgeschickt werden - über deren Webseiten können Verbraucher dazu teils frankierte Rücksendeumschläge anfordern, erklärt die Stiftung Warentest. Diesen Service bieten auch einige Anbieter von Fremdpatronen an. Außerdem gibt es Aufkäufer für leere Patronen, die aber nur Originalpatronen annehmen. Eine weitere Alternative ist der Wertstoffhof. Aber auch Onlinehändler oder Elektronikmärkte bieten einen Recycling-Service.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Schutzhandschuhe und Unterlage sind beim Nachfüllen empfehlenswert. Denn wer es zu gut meint, muss damit rechnen, dass wieder Farbe aus der Patrone zurückläuft. Foto: Franziska Gabbert Selbstnachfüller drucken günstiger Ein Text hier, eine Kopie da, ein Foto zwischendurch - und plötzlich ist die Tinte alle. Druckerbesitzer stellen dann oft mit Entsetzen fest, dass neue Originalpatronen ein kleines Vermögen kosten können. Doch wer ein wenig Bastelei nicht scheut, kann kräftig sparen.
Drucken mit Fremdtinte ist mittlerweile nicht mehr so ein großes Problem wie früher, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Foto: Franziska Gabbert Drucken mit Drittanbieter-Tinte Dass Drucker sich gegen den Einsatz von Fremdpatronen sperren, ist offenbar Vergangenheit. Mittlerweile lassen sich mit Billigtinte teils bis zu 80 Prozent der bisherigen Druckkosten einsparen. Allerdings gilt das nicht für jeden Drucker.
Wer hauptsächlich Texte druckt, kann einen Laserdrucker in Erwägung ziehen. Foto: Jens Schierenbeck Drucker-Kolonne: Das richtige Gerät für das Heimbüro Wer einen neuen Drucker braucht, ist oft ratlos: Laser oder Tinte, und wo liegt da der Unterschied? Sollte man bei besonders billigen Druckern zugreifen? Und stimmt es, dass viele Geräte nach gewisser Zeit automatisch kaputtgehen? Ein Leitfaden zum Drucker-Kauf.
Mit dem neuesten Update von Hp können Drucker der Modelle Officejet, Officejet Pro und Officejet ProX wieder mit Tinte von Drittanbietern drucken. Foto: Daniel Karmann Update lässt HP-Drucker wieder mit Fremdtinte drucken Für kurze Zeit liefen einige HP-Drucker ausschließlich mit der entsprechenden HP-Tinte. Aber das ist nun vorbei. Nach einem Firmware-Update können Verbraucher auch wieder Fremdtinte in den Druckern von HP einsetzen.