Die Oneplus Watch ist elegant und nicht so smart

15.04.2021
Oneplus wagt den ersten Vorstoß ins Smartwatch-Geschäft. Die Uhr sieht edel aus, glänzt mit langer Batterielaufzeit und einen Kampfpreis von rund 160 Euro. Doch ihre Software schränkt sie ein.
Mit einem Durchmesser von 46 Millimeter ist die Oneplus Watch zwar relativ groß, wirkt mit ihrem knapp elf Millimeter dicken Edelstahlgehäuse aber nicht klobig. Foto: Oneplus/dpa-tmn
Mit einem Durchmesser von 46 Millimeter ist die Oneplus Watch zwar relativ groß, wirkt mit ihrem knapp elf Millimeter dicken Edelstahlgehäuse aber nicht klobig. Foto: Oneplus/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Wenn ein aufstrebender Smartphone-Anbieter wie Oneplus seine erste Computeruhr herausbringt, liegt das Gefühl einer frischen Rivalität mit dem Marktführer Apple in der Luft. Doch für die Oneplus Watch ist diese Rolle zu groß: Sie ist bei weitem nicht so smart, wie man es von einer Smartwatch im Jahr 2021 erwarten kann. Und das liegt ausgerechnet an der Software.

Oneplus entschied sich nicht für Googles Wear OS, das eine vertiefte Integration mit den Android-Smartphones erlaubt. Die Uhr läuft stattdessen mit der Eigenentwicklung Real-Time OS, das einzelne Aufgaben nach Aufkommen abarbeitet.

Sparsam ist sie

Der Vorteil des schlanken Betriebssystems: Die Uhr reagiert schnell und ist sparsam mit dem Akkustrom. Oneplus verspricht eine Batterielaufzeit von bis zu zwei Wochen. Im Test waren auch bei sehr intensiver Nutzung locker mehrere Tage drin. Dank Schnelllade-Technologie sollen fünf Minuten Ladezeit für einen Tag reichen.

Der Nachteil ist jedoch ein eingeschränkter Funktionsumfang. Die ersten Warnsignale gibt es schon bei der Einrichtung. Man muss nicht nur separat viele Datenfreigaben abnicken, die für den Betrieb einer Smartwatch eigentlich selbstverständlich sind. Auch nachträglich muss man noch gesondert in die Einstellungen gehen, um den permanenten Zugriff auf die GPS-Positionsdaten zu erlauben.

App-Store negativ

Für die Watch gibt es keinen App-Store. Damit ist sie auf die Aufgaben beschränkt, die von Oneplus integriert wurden: Training, Messung von Puls und Blutsauerstoffsättigung, die übliche Kombination aus Wecker, Timer und Stoppuhr sowie Wellness-Funktionen wie Atemübungen. Auf dem Smartphone gibt es keine eigene App für die Uhr, sondern sie wird mit der Fitness-Anwendung Oneplus Health verbunden und über diese verwaltet.

Die Grenzen des Konzepts werden auch bei einem zentralen Nutzungsszenario von Computeruhren deutlich, dem Zusammenspiel mit Chatdiensten. Die Benachrichtigungen etwa aus Whatsapp oder dem Facebook Messenger werden auf die Watch weitergeleitet. Zumindest auf die Hinweise aus solchen oft genutzten Chat-Apps kann man direkt auf der Uhr reagieren.

Vier Fertig-Antworten

Das funktioniert bisher aber nur mit vier vorgefertigten Antwort-Varianten wie «Ok» oder «Bin in einem Meeting.» Hat man eine Benachrichtigung weggeklickt, verschwindet sie von der Uhr. Der für Hinweise reservierte Bereich, den man durch Hochziehen vom unteren Bildschirmrand erreicht, bleibt dann leer.

Oneplus hat mehrere Dutzend Ziffernblätter entwickelt, von denen maximal 14 für den fliegenden Wechsel direkt auf der Uhr ausgewählt werden können. Sie reichen von der Imitation klassischer Chronographen über einen animierten Hund mit Kulleraugen bis hin zu Kombi-Anzeigen mit Zugang zu verschiedenen Funktionen der Uhr.

Nervige Software-Wirrungen

Aber auch hier greift die Software der Oneplus Watch oft zu kurz. Das Widget mit der Datumsanzeige führt etwa nicht - wie man es eigentlich erwarten könnte - zu einem Kalender mit Terminen, denn dieser ist nicht verknüpft. Stellt man einen Timer, sieht man die Zeit nur herunterlaufen, wenn man ihn auch als Zusatzfunktion ausgewählt hat - sonst meldet sich der Timer erst zum Schluss.

Oneplus hat ein rundes Display gewählt - mit der Folge, dass Textzeilen nur in der Mitte des Bildschirms komplett lesbar sind und an den Rändern abgeschnitten werden. Statt einer drehbaren Krone hat die Watch zwei Knöpfe an der Seite. Der obere zeigt eine Liste der Funktionen an, die man durchscrollen kann. Den unteren kann man etwa mit einer häufig genutzten Funktion belegen.

Training nur mit Oneplus Health

Zu Trainingszwecken kann man nicht auf Drittapps à la Runtastic oder Strava zurückgreifen, sondern muss die eigene Health-App von Oneplus nutzen. Eine Funktion zum mobilen Bezahlen gibt es ebenso wenig wie eine Sprachassistentin oder einen Sprachassistenten.

Mit einem Durchmesser von 46 Millimeter ist die Oneplus Watch zwar relativ groß, wirkt mit ihrem knapp elf Millimeter dicken Edelstahlgehäuse aber nicht klobig. Der Preis von 159 Euro gehört zu den Stärken der Watch - auch wenn der eingeschränkte Funktionsumfang ein klarer Minuspunkt ist.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-217742/2

Informationen zur Oneplus Watch beim Hersteller


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Die Apple Watch Series 6 kann Puls und Blutsauerstoff messen und auch ein EKG erstellen. Foto: Christoph Dernbach/dpa-tmn Series 6: Die Apple Watch will immer höher hinaus Apple geht gleich mit zwei neuen Watch-Modellen an den Start - der Series 6 und der günstigeren Watch SE. Können sich die Uhren im Alltag gegen das Vorgängermodell Series 5 beweisen?
Auf der diesjährigen CES bestimmen vier Trends das Geschehen: der PC, der Digital-Sound, der neue Anschluss USB-C, Digital-Sound und Wearables. Foto: Jason Ogulnik Vier Trends zur CES 2017 Auf der CES stehen Technologie-Neuheiten im Fokus. In diesem Jahr beherrschen vier Trends die Messe. Unter ihnen befindet sich ein bereits für tot erklärtes Gerät.
Mit der Oneplus Smartwatch gibt es nun auch eine Computeruhr, die mit den Smartphones des Herstellers zusammenarbeitet. Foto: Oneplus/dpa-tmn Oneplus gibt es jetzt auch für das Handgelenk Smartphones, Fernseher und jetzt auch eine Smartwatch. Oneplus erweitert das Geräteportfolio um eine auf den Fitness-Sektor ausgerichtete Uhr.
Samsung hat nicht nur Gear-Smartwatches im Programm: Das Fitnessarmband Gear Fit 2 Pro ist ab rund 190 Euro zu haben. Foto: Alexander Heinl Lösen Smartwatches und Fitnesstracker die Armbanduhr ab? Unter den Wearables gibt es zwei Favoriten: Fitnesstracker sind Millionenseller und Smartwatches gehören mindestens bei Technikbegeisterten zur Grundausstattung. Die Uhrzeit zeigen beide Arten fast immer an, sonst müssen Käufer aufs Detail achten.