Das Steinhuder Meer: Wie Robinson Crusoe nur mit Besuch

23.06.2016
Mitten im See liegt eine Festungsinsel. Der einzige ständige Bewohner: der Inselvogt. Doch er bekommt häufig Besucher: Urlauber, die im Steinhuder Meer Ruhe suchen.
Die Abendstimmung vom Wasser aus genießen: Auf dem Steinhuder Meer treffen sich Kanufahrer und Segler. Foto: Peter Steffen
Die Abendstimmung vom Wasser aus genießen: Auf dem Steinhuder Meer treffen sich Kanufahrer und Segler. Foto: Peter Steffen

Steinhude (dpa/tmn) - Morgens gegen 5.00 Uhr beginnt der Tag für Michael Zobel: «Mit dem Vogelgezwitscher werde ich wach.» Er hat die Nacht auf der Festungsinsel Wilhelmstein im Steinhuder Meer verbracht. Zobel ist Inselvogt auf dem winzigen Eiland.

Die Insel ist wie ein dunkler Klecks in den größten Binnensee Niedersachsens gefallen zu sein scheint. Im Auftrag seines Herrn und Inselinhabers, Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg, verwaltet er seit elf Jahren das Inselchen, dessen Ausmaße mit 107 mal 109 Meter berechnet sind.

Zobels morgendlicher Rundgang führt ihn vorbei an den Gästehäusern, der Wasseraufbereitung und der Kläranlage. Alles in Ordnung? Dann in den Turm des ab 1765 erbauten Festungsbauwerkes, vorbei an den Räumen mit der historischen Waffensammlung, dem Trauzimmer des Standesamtes Wunstorf und hinauf zur Aussichtsterrasse.

«Zwei bis drei Mal pro Tag geht's hinauf, das hält fit», sagt der 55-Jährige, der sich auf eine Zeitungsanzeige für einen der ungewöhnlichsten Jobs weit und breit beworben hatte. Tischler, Kommunikationsorganisator und Kulturmanager war Zobel in der Vergangenheit, bevor er sich zusammen mit seiner Frau Heidrun «für das Stück andere Welt mitten in Deutschland entschied».

Diese andere Welt wollen auch die Besucher erleben. Die meisten bleiben nur wenige Stunden: Einmal rund um die Insel spazieren, das ist in zehn Minuten erledigt. Dann noch hinein in das trutzige Festungsbauwerk mit dem Museum. Wenn das letzte Linienschiff um 17.30 Uhr nach Steinhude abgelegt hat, bleiben nur Inselvogt Zobel und ein paar wenige Übernachtungsgäste zurück. Sie erfreuen sich an der Stille des winzigen Eilandes und dem Untergang der Sonne, die über der Naturschutzzone Meerbruchswiesen versinkt.

In diesem Naturschutzgebiet ist Wolfgang Nülle häufig mit Besuchergruppen unterwegs. Über den Steinhuder Meer Rundweg kommt der Diplom-Biologe per Fahrrad in das weitläufige Naturschutzgebiet, wo Besucher auf dem Meerbrucherlebnisweg die Natur erkunden. «Von der sandigen Geest über Grünlandzonen, Niedermoore und Sumpfwälder haben wir viele Landschaften auf kleinem Raum.»

Acht Kilometer lang von Osten nach Westen und etwas mehr als vier Kilometer breit in der Nord-Süd-Richtung ist das Steinhuder Meer. Radtouristen und Wanderer umrunden das Gewässer auf dem 32 Kilometer langen Rundkurs, der durch dichte Laubwälder führt, im Westen die Meerbruchwiesen und im Osten das Tote Moor durchquert.

Wasserratten zieht es zum feinen Sand der Weißen Düne in Mardorf und auf die autofreie Badeinsel vor Steinhude. Sie ist per Fahrrad oder zu Fuß über eine Brücke erreichbar. Segelsportler schwärmen von der frischen Brise am Steinhuder Meer. «Selbst im Sommer haben wir hier häufiger Wind als etwa auf dem Bodensee», sagt Stefan Ibold von der Wettfahrtvereinigung Steinhuder Meer. Mehr als 3000 Segelboote - vor allem Jollen - sind nach Angaben der Touristikzentrale verzeichnet. «Für Dickschiffe ist der See mit der mittleren Wassertiefe von nur 1,35 Meter viel zu flach.» Zum Umrunden der überschaubaren Festungsinsel braucht es natürlich auch nicht viel mehr als eine Jolle.

Steinhuder Personenschifffahrt

Festung Wilhelmstein

Naturpark Steinhuder Meer

Steinhuder Meer

Reisezeit: Ganzjährig. Personenschiffe verkehren auf dem Steinhuder Meer vom 1. Mai bis zum 3. Oktober.

Unterkünfte: Übernachtung in Hotels pro Person von 59 Euro bis 65 Euro, Ferienwohnungen pro Tag von 50 Euro bis 110 Euro. Originell: Übernachtung im Gästehaus auf der Festungsinsel Wilhelmstein mitten im Steinhuder Meer (Doppelzimmer 89 Euro).

Informationen: Tourist-Information Steinhude, Meerstraße 15-19, 31515 Wunstorf-Steinhude (Tel.: 05033/950 10, E-Mail: steinhude@steinhuder-meer.de, www.steinhuder-meer.de).


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Passanten gehen auf der Brücke «Pont de Bir-Hakeim», mit Blick auf den Eiffelturm. Foto: Philippe Lopez/AFP/dpa Urlaubsziele in Europa vor dem Neustart Ob ans Meer in Kroatien oder in die österreichischen Berge: Hält der Trend bei den Corona-Infektionszahlen an, könnten in Europa viele Grenzen ab 15. Juni wieder offen sein. Urlauber und Tourismusbranche schöpfen Hoffnung.
Prof. Dr. Torsten Kirstges ist Studiengangsleiter für Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Foto: Kirstges/dpa-tmn Experte: Overtourism ist die Kehrseite unserer Reisefreiheit Reisen dient der Völkerverständigung? Nicht unbedingt. Viele Einheimische von Amsterdam über Mallorca bis Venedig haben genug von den Touristenmassen - und protestieren lautstark. Die Reisebranche diskutiert über «Overtourism». Was hat es damit auf sich?
Einige in Deutschland fragen sich: In diesem Jahr Urlaub machen in der Türkei - ja oder nein? Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa Was spricht für einen Türkei-Urlaub - was dagegen? Die Kluft in der Türkei ist groß: Auf der einen Seite stehen Sonne, Strand und günstige Ferienhotels. Auf der anderen Seite sind da Hetze gegen Europa, Terror und die Verfolgung politischer Gegner. Was ist nun von Urlaub in der Türkei zu halten?
Dunkle Wolken über der Hagia Sophia in Istanbul: Das Auswärtige Amt weist nun auf mögliche Spannungen und Proteste rund um das Referendum hin, von denen auch Deutsche betroffen sein könnten. Foto: Philipp Laage/dpa-tmn Neuer Reisehinweis für die Türkei: Das sagen Veranstalter Das Auswärtige Amt hat seinen Reisehinweis für die Türkei geändert. Proteste im Land rund um das Referendum könnten sich auch gegen Deutsche richten. Die Reiseveranstalter sagen, das Land sei weiter sicher - doch überreden will man Urlauber auch nicht.