Bei Stereoboxen kommt es nicht auf die Größe an

24.01.2019
Sie sind der goldene Mittelweg zwischen mobilen Mini-Lautsprechern und aufwendigen Surround-Systemen: die guten alten Stereoboxen. Doch welche Ausführung reicht fürs Hören nebenbei, und wozu muss man greifen, um sich die Musiker quasi ins Wohnzimmer zu holen?
Die Standbox Ultima 40 von Teufel (ca. 800 Euro) ist ein aktiver 3-Wege-Hi-Fi-Standlautsprecher mit Bluetooth, aptX und HDMI. Foto: Teufel
Die Standbox Ultima 40 von Teufel (ca. 800 Euro) ist ein aktiver 3-Wege-Hi-Fi-Standlautsprecher mit Bluetooth, aptX und HDMI. Foto: Teufel

Magstadt/München (dpa/tmn) - Ob beim Elektronikmarkt oder beim High-End-Händler: Die Auswahl an Stereoboxen kann erschlagen. Von kleineren Regalboxen versprechen die Hersteller eben solchen Spitzenklang wie von großen Standlautsprecher.

Mehrwegesysteme, vergoldete Anschlüsse und teils exzentrisches Design sollen Ausrufezeichen setzen. Letztlich kommt es bei der Kaufentscheidung auf die individuellen Anforderungen an.

Malte Ruhnke, Chefredakteur der Fachzeitschrift «Stereoplay», sagt ganz klar: «Ob Regal- oder Standboxen ist im Wesentlichen eine Geschmacksfrage.» Technisch gebe es bei beiden Varianten sehr hochwertige Vertreter. Er unterscheidet zusätzlich zwischen Aktiv- und Passivboxen. Bei ersteren als das seltener gekaufte Prinzip wird der Verstärker obsolet, da er schon im Lautsprecher eingebaut ist. Wichtig: «Regallautsprecher gehören genau dort nicht hin, sondern auf einen Ständer mit einem halben bis einem Meter Abstand zur Wand dahinter.» Im Regal beginne der Bass nachteilig zu dröhnen. Die Abstandsregel gelte auch für Standlautsprecher.

Auf Raumgröße achten

Olaf Sturm, Chefredakteur des Fachportals «i-fidelity.net», beantwortet die Variantenfrage in Abhängigkeit der Raumgröße: «Standlautsprecher liefern aufgrund ihres Volumens in größeren Räumen das passende Tieftonfundament. Kompakte Lautsprecher brauchen in solchen Fällen die Unterstützung durch einen externen Bass.» Malte Ruhnke ergänzt: «Tieftöner unter 13 Zentimeter Durchmesser bei Kompaktboxen sind meist zu klein.»

Einen Hinweis auf die Güte eines Lautsprechers kann das Gehäusematerial liefern. Olaf Sturm rät zu einem Klopftest, bei dem das Gehäuse keinerlei Eigengeräusche verursachen sollte - außer die des harten Klopfgeräuschs selbst.

Technische Angaben wie auch die verwendeten Materialien allein sagen ansonsten quasi nichts über die Klangqualität aus, sind sich die Fachleute einig. Hier könnten nur Hörtests weiterhelfen. Gute Nachrichten gibt es für Käufer in Sachen Preise: Guter Klang koste nicht mehr so viel wie einstmals, sagt Olaf Sturm. «Aktuell haben wir Lautsprecher für 250 Euro das Paar in der Redaktion mit ausgezeichneter Wiedergabe.»

Guter Klang ab 300 Euro

Malte Ruhnke kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: «Passive Kompaktboxen mit sehr gutem Klang fangen bei etwa 300 bis 400 Euro an, Standboxen bei 600 Euro.» Aktivboxen seien bei gleicher Qualität mindestens 200 Euro kostspieliger. «Aber man spart dann den Verstärker und oft auch weitere Komponenten.» Als wichtige Richtschnur zeigt er auf: «Bis rund 2000 Euro für Kompakt- und 4000 Euro für Standboxen steigt die Qualität stetig mit dem Preis an.» Dort gelandet, bewege man sich bereits auf audiophilem Niveau.

Die Nachfrage nach Lautsprecher-Boxen deutet nach oben, wie aus dem Home Electronics Markt Index Deutschland ( HEMIX) hervorgeht. Die Verkäufe kletterten in den ersten drei Quartalen 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 911 000 Stück. Für einen Lautsprecher gaben Verbraucher im Schnitt rund 330 Euro aus.

Oder doch besser kabellos?

Mögliche Alternative zur klassischen Stereokette können neuerdings Aktivlautsprecher für das Zuspiel von Musik aus dem Heimnetzwerk oder Internet per WLAN- oder Bluetooth-Funk darstellen. Doch es bestehen klare Vorbehalte. Malte Ruhnke gibt zu bedenken, dass es aktuell nur wenige hochwertige WLAN-Paarlautsprecher gebe. Die verbreiteten WLAN-Einzellautsprecher könnten noch weniger raumfüllende wie hochwertige Stereowirkung erzielen, selbst wenn sich mehrere von ihnen zusammenschalten ließen.

Fest steht: Ohne Funk muss es eine adäquate Kabelanbindung geben. Hier brauchen vor allem die Nebenbeihörer keine besonderen Anstrengungen zu unternehmen, meint Ruhnke. Ein Mindestquerschnitt von 2,5 Quadratmillimetern bei den Lautsprecherkabeln genüge. Ansonsten mache sich erst im sehr hochwertigen Bereich ein weiterer Anstieg der Lautsprecherkabel-Qualität bemerkbar.

Am besten daheim probehören

Immer sinnvoll ist es, den oder die Wunsch-Lautsprecher vor dem Kauf probezuhören. Für eine Vorauswahl empfehlen sich die Hörräume von Händlern. Dennoch kann das Ergebnis später zu Hause enttäuschen, da die Raumkompatibilität, wie Malte Ruhnke es nennt, eine wichtige Rolle spielt. Daher sollte man die endgültige Kaufentscheidung möglichst erst nach einem Probehören zu Hause treffen.

HEMIX

Wirkungsgrad bei schwachen Verstärkern beachten

Wer einen sehr schwachen Verstärker sein Eigen nennt, sollte bei den technischen Angaben der Boxen auf den Wirkungsgrad - oft auch als Empfindlichkeit bezeichnet - im Blick behalten, rät Olaf Sturm vom Fachportal «i-fidelity.net». Als Faustformel gilt: Je größer der Wirkungsgrad des Lautsprechers, desto weniger Watt-Leistung darf der Verstärker haben, ohne dass man Gefahr läuft, am Ende nicht so laut wie vielleicht gewünscht Musik hören zu können.

«Der Wirkungsgrad, angegeben in Dezibel, beschreibt, in welchem Verhältnis der Lautsprecher elektrische in akustische Energie umwandelt», erklärt Sturm. Ein Beispiel: Besitzt der Lautsprecher einen Wirkungsgrad von 90 Dezibel (dB),erzielt er bei 25 Watt Verstärkerleistung eine bestimmte Lautstärke. Läge der Wirkungsgrad der Boxen aber nur bei 84 Dezibel, wären zum Erreichen der identischen Lautstärke 100 Watt Verstärkerleistung erforderlich.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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