Bei falscher Mobilfunkrechnung aktiv werden

16.09.2019
Ein Fingertipp auf ein Werbebanner im Display kann schon reichen, um ein ungewolltes Handy-Abo untergeschoben zu bekommen. Es gibt sogar Betrüger, die frei erfundene Dienstleistungen abrechnen.
Tauchen auf der Mobilfunkrechnung nicht nachvollziehbare Posten auf, sollte man widersprechen. Das raten Verbraucherschützer. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Tauchen auf der Mobilfunkrechnung nicht nachvollziehbare Posten auf, sollte man widersprechen. Das raten Verbraucherschützer. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Tauchen auf der Mobilfunkrechnung nicht nachvollziehbare Posten auf, sollte man diesen widersprechen. Das gilt auch für kleine Beträge. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) rät, per Brief ein etwaiges Abo zu stoppen und generell Zahlungen sowohl vom Drittanbieter als auch vom Mobilfunkanbieter zurückzufordern.

Die Stiftung Warentest berichtet in ihrer jüngsten «Finanztest»-Ausgabe (10/19) etwa über 41 000 Mobilfunk-Kunden, die falsche oder zu hohe Rechnungen bekommen haben. Dabei ging es um Drittanbieterleistungen wie Videos oder andere auf der Rechnung nicht näher benannten «Sonderdienste», die sie gar nicht bestellt hatten. Auch die Warentester raten: Hat man nichts gekauft, beim Mobilfunkanbieter schriftlich reklamieren und das Geld dort zurückverlangen.

Dubiose Firmengeflechte

Denn wie die recherchierten Fälle zeigten, stand hinter den Betrugsfällen ein dubioses Geflecht aus Abrechnungsdienstleister, Drittanbieter und jeweils deren Tochter- oder Mutterfirmen. Die Warentester beurteilen die rechtliche Situation deshalb so, dass der Mobilfunkanbieter eigentlicher Vertragspartner und Adressat für den Widerspruch ist. Schließlich ließen sich die Mobilfunkanbieter auf Drittanbieter-Geschäfte ein, weil sie daran mitverdienten.

Zum Schutz vor ungewollten Käufen, Handy-Abofallen und auch Betrug müssen Provider auf Verlangen des Kunden aber jederzeit eine Sperre einrichten. Dann können Dritte nichts mehr über die Handyrechnung abrechnen, erklärt der vzbv.

Mit Sperre auf Nummer sicher gehen

Die sogenannte Drittanbietersperre lässt sich per E-Mail beauftragen, oft aber auch direkt im Online-Kundenbereich oder in den Kunden-Apps der Mobilfunkanbieter aktivieren. Zudem hat der vzbv einen Beauftragungs-Musterbrief zum Herunterladen bereitgestellt, aber auch Musterbriefe an den Drittanbieter sowie an den Mobilfunkanbieter, mit denen sich ungewollte Handy-Abos stoppen lassen und Geld zurückgefordert werden kann.

Bei vielen Mobilfunkanbietern können Kunden auch genauer eingrenzen, für welche Angebote die Sperre gelten soll. Wer also seriöse, vielleicht gewünschte Dienste wie das Bezahlen von Parkscheinen per SMS weiter nutzen möchte, sollte nachfragen, ob die Möglichkeit einer Teilsperrung besteht, rät der vzbv. Kontaktloses Bezahlen hat mit den Sperren nichts zu tun und funktioniert weiter.

Beschweren und anzeigen

Als staatliche Aufsichtsbehörde in diesem Bereich fungiert die Bundesnetzagentur. Bei ihr können sich Verbraucher auch beschweren, wenn ihre Rufnummer für falsche Abrechnungen missbraucht wurde - etwa per Mail (rufnummernmissbrauch@bnetza.de),erklärt die Stiftung Warentest. Zudem sollte man unseriöse Drittanbieter wegen Betrugs anzeigen - etwa online bei der Internetwache des jeweiligen Bundeslandes.

Musterbrief zum Einrichten einer Drittanbietersperre

Musterbrief Abo stoppen und Beträge zurückfordern beim Drittanbieter

Musterbrief Beträge zurückfordern beim Mobilfunkanbieter

Bericht der Stiftung Warentest

Musterbrief der Stiftung Warentest


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Wenn die Rechnung für ein ungewolltes Abo kommt, ist der Ärger groß - doch Handybesitzer sollen nun besser vor Drittanbietern geschützt werden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Bezahlen per Handyrechnung soll sicherer werden Oft genügt es schon, ein Werbebanner im Handydisplay nur versehentlich zu berühren, um sich ein ungewolltes Handyabo für Spiele oder Klingeltöne einzuhandeln. Das soll sich nun ändern.
Ungewolltes Klingelton-Abo? Entdecken Verbraucher in ihrer Mobilfunkrechnung ungerechtfertigte Beträge, können dahinter dubiose Dienstanbieter stecken, die die Technik des WAP-Billing missbrauchen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Missbrauch beim WAP-Billing: So schützt man sich vor Abzocke Für viele ist WAP-Billing noch immer ein Fremdwort - obwohl dubiose Dienste auf diesem Weg seit Jahren Mobilfunkkunden abzocken. Deshalb sollten sich Verbraucher schützen. Das geht mit einfachen Mitteln.
Schutz vor Abofallen: Smartphone-Nutzer können sich mit einer Abzock-Sperre vor den Tricks betrügerischer Firmen schützen. Foto: Jens Büttner Abzock-Sperre beim Handyanbieter einrichten lassen Betrügerische Firmen versuchen mit den verschiedensten Tricks, Smartphone-Nutzer in teure Abofallen zu locken. Doch die Verbraucher können sich schützen - mit einer kostenlosen Sperre.
Was ist da los? - Mit allen möglichen Tricks versuchen Anbieter, Nutzern Abos unterzujubeln. Foto: Christin Klose/dpa-tmn Ein falscher Wisch kann die Handy-Rechnung sprengen Schon ein Fingertipp auf ein Werbebanner kann ungewollt ein Abo auslösen, das dann über die Handyrechnung abgebucht wird. Gibt es einen wirksamen Schutz vor solchen Fallen und Betrügereien?