Bahnkunden wollen bei Verspätung schneller Geld sehen

04.12.2018
Bei der Pünktlichkeit bleibt die Bahn im Fernverkehr deutlich hinter ihren Zielen zurück. Die Kunden stellen ihr nach einer Umfrage ein mittelmäßiges Zeugnis aus. Es gibt aber auch Lichtblicke.
Die Pünktlichkeitsquote der Deutschen Bahn lag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im November bei 70,4 Prozent. Foto: Axel Heimken
Die Pünktlichkeitsquote der Deutschen Bahn lag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im November bei 70,4 Prozent. Foto: Axel Heimken

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn hat den Abwärtstrend bei der Pünktlichkeit bislang nicht gestoppt. Im November kamen lediglich 70,4 Prozent der Fernzüge ohne größere Verspätung ans Ziel, wie die Bahn mitteilte. Nach ihrer Definition gilt ein Zug noch als pünktlich, wenn er weniger als sechs Minuten zu spät ankommt.

Viele Bahnkunden wünschen sich bei Zugverspätungen eine bessere Entschädigungsregelung. In einer Umfrage im Auftrag des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sprach sich knapp die Hälfte von Nutzern des Fernverkehrs dafür aus, dass ein Viertel des Fahrpreises ab 30 Minuten Verspätung erstatten wird.

Nach geltendem Recht wird eine Erstattung erst ab 60 Minuten Verspätung fällig. Beträgt die Verspätung mehr als zwei Stunden, gibt es die Hälfte des Fahrpreises zurück. Laut Umfrage sind 40 Prozent der Kunden dafür, dass es die Hälfte des Geldes bereits zurückgibt, wenn ein Zug eine Stunde zu spät ankommt. Knapp 40 Prozent der Fahrgäste möchten zudem eine einfachere Erstattung ohne Formular, sondern über ihre Handy-App.

Im Oktober waren 71,8 Prozent der ICE, Euro- und Intercitys pünktlich nach 72,7 Prozent im September. Ihr Jahresziel von 82 Prozent wird die Bahn deutlich verfehlen. Als Grund für den gesunkenen Wert im November nannte der Konzern die Folgen des ICE-Brandes auf der Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt. Dort blieb ein Gleis bis 18. November gesperrt.

Die damit verbundenen großen Umleitungen auf dem vielbefahrenen Korridor hätten Verspätungen im Nah- und Fernverkehr verursacht, erläuterte die Bahn. Im Jahresverlauf machten dem Unternehmen auch technische Störungen an den Zügen und Engpässe auf dem Schienennetz zu schaffen.

«Die Pünktlichkeit ist ihr massivstes Qualitätsproblem», sagte VCD-Bahnexperte Philipp Kosok über die Bahn. Im Durchschnitt gaben die Bahnkunden dem Angebot des Fernverkehrs insgesamt (2,8) und der Pünktlichkeit (3,1) die Schulnote «befriedigend».

Besonders positiv wahrgenommen wurden digitale Angebote und der bessere Zugang ins Internet. 59 Prozent gaben an, die lokalen Netzwerke (WLAN) im Zug hätten sich verbessert, 48 Prozent registrierten auch besseren Empfang für mobile Telefonate und Internet im Zug. 56 Prozent vermerkten positive Entwicklungen bei den Möglichkeiten, Tickets zu buchen und bei der Online-Benachrichtigung der Fahrgäste.

Das Marktforschungsinstitut Quotas hatte für die Studie im Oktober Bahnkunden online befragt. Aus einer Gruppe von 4500 bundesweiten Teilnehmern wurden jene ausgewählt, die in den sechs Monaten zuvor mit einem Fernzug unterwegs waren. 560 Personen füllten den Fragebogen aus. Die Ergebnisse seien dann so gewichtet worden, dass sie entsprechend der Bevölkerung repräsentativ seien, hieß es.

Umfrage zum Bahn-Fernverkehr


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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