Aufpäppeln: Fütter-Fehler kann schwaches Tier umbringen

08.12.2021
Wer ein geschwächtes Tier findet und es aufpäppeln möchte, sollte mit dem Futter nicht zu forsch vorgehen. Denn das könnte den Tod bedeuten, warnt eine Tierärztin.
Einen gefundenen ausgehungerten Hund sollte man nur vorsichtig anfüttern. Unmengen von Futter auf einmal können ihn umbringen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn
Einen gefundenen ausgehungerten Hund sollte man nur vorsichtig anfüttern. Unmengen von Futter auf einmal können ihn umbringen. Foto: Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Ob es ein geschwächter Igel ist, die abgemagerte Katze oder ein ausgemergelter Hund - wer ein ausgehungertes Tier findet, möchte das arme Geschöpf mit Mengen von Futter aufpäppeln. Doch das ist genau das Falsche.

«Bloß nicht! Das kann das ausgehungerte Tier umbringen», sagt Tina Hölscher, Tierärztin von Aktion Tier. Die Veterinärin warnt vor einer Entgleisung des Stoffwechsels. Abbauvorgänge würden sich schlagartig in Aufbau-Sequenzen umwandeln, wofür jedoch aufgrund des tagelangen Futterentzuges lebenswichtige Mineralstoffe im Körper fehlen.

Mehrere Tage nach Erstfütterung zeigen sich Symptome

Meist treten die ersten Anzeichen des sogenannten Refeeding Syndroms drei bis fünf Tage nach der ersten Fütterung auf, so Tina Hölscher. Es komme zum allgemeinen Organversagen und der Schützling verstirbt.

Wer das vermeiden möchte, sollte das arme Würstchen zunächst nur ganz vorsichtig anfüttern. Je stärker der Abmagerungsgrad des Tieres, umso behutsamer müsse die Fütterung eingeleitet werden. Die Expertin rät dem Tier zunächst nur etwa 10 Prozent des täglichen Futterbedarfs anzubieten. Die Ration sollte im Laufe der ersten zwei Wochen auf 100 Prozent gesteigert werden.

Der Retter sollte zudem auf kohlenhydratarme Kost achten, damit der Glukosestoffwechsel Fahrt aufnehmen kann. So kommt das Tierchen allmählich wieder zu Kräften - und erholt sich langsam, aber dafür stetig.

© dpa-infocom, dpa:211208-99-299865/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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