Auch ältere Jahrgänge sollen wieder in den Unterricht

05.03.2021
Seit Wochen sitzen sie daheim vor ihren Tablets und Laptops - nach einem Vierteljahr soll es bei immer mehr Schülerinnen und Schülern aber bald wieder losgehen mit Unterricht in der Schule. Eine generelle Öffnung ist nicht in Sicht.
Auch Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sollen bald wieder zur Schule gehen. Mehrere Bundesländer haben schon konkrete Schritte angekündigt. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa
Auch Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sollen bald wieder zur Schule gehen. Mehrere Bundesländer haben schon konkrete Schritte angekündigt. Foto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - Nach rund einem Vierteljahr Corona-Zwangspause sollen ab dem 15. März viele weiterführende Schulen in Deutschland wieder öffnen. Entsprechende Schritte sind in Bayern und Brandenburg geplant. Öffnungen sollen auch in Baden-Württemberg eingeleitet werden. Das verlautete am Donnerstag (4. März) von den Landesregierungen.

Einheitlich vorgehen wollen die Bundesländer bei den geplanten weiteren Schulöffnungen nach den Grundschulen nicht. Bund und Länder hatten bei ihren Beratungen in der Nacht zu Donnerstag festgestellt, dass die Länder in eigener Verantwortung Schritte gehen könnten. Das sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Öffnungspläne in Bayern und Brandenburg

In Bayern dürfen ab dem 15. März alle weiterführenden Schulen im Wechselunterricht öffnen, wenn sie in Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 liegen. Das teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit. Damit können zwei Wochen vor den Osterferien in weiten Teilen Bayerns alle Schülerinnen und Schüler wieder die Schule besuchen, mindestens zeitweise und in kleineren Gruppen. Rund 90 Prozent der Schüler sollen demnach vor den Ferien wieder die Schule von innen sehen.

In Brandenburg sollen nach den Grundschulen die weiterführenden Schulen vom 15. März an wieder öffnen. Das kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im Landtag an. Der Schritt solle begleitet werden mit mehr Schnelltests an den Schulen, ebenso wie in den Kitas, sagte Woidke. Die Grundschulen des Bundeslandes sind seit dem 22. Februar im Wechselunterricht.

Eingeschränkter Schulbetrieb in Baden-Württemberg

Auch Baden-Württemberg geht am 15. März den nächsten Öffnungsschritt bei den Schulen, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dem SWR sagte. «Übernächste Woche werden wir weitere Öffnungsschritte bei den Grundschulen machen. Aber auch bei den Fünft- und Sechstklässlern sind weitere Öffnungsschritte eingeleitet. Das wird so ein eingeschränkter Regelbetrieb sein.»

In Sachsen-Anhalt bleibt der Schulbetrieb in den meisten Landkreisen eingeschränkt. An den Schulen im Landkreis Mansfeld-Südharz dagegen gibt es ab Montag wieder täglichen Präsenzunterricht mit vollen Klassenstärken für alle.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte: «Der Präsenzunterricht sollte nach und nach über alle Jahrgänge mit Umsicht und Vorsicht unter Berücksichtigung des aktuellen Infektionsgeschehens ausgeweitet werden.» Nötig seien Wechselunterricht mit nur jeweils halben Klassen in der Schule und Abstandsregeln, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Mindestens ein Schnelltest pro Schüler pro Woche

Laut Bund-Länder-Beschluss sollen die Länder Tests sicherstellen: Das Personal in den Schulen sowie alle Schülerinnen und Schüler sollen pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten. Bei diesen Tests werden Wattestäbchen durch geschultes Personal tief in Rachen sowie Nase eingeführt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte in einer Studie zu den Corona-Ausbrüchen an Schulen festgestellt, dass sich die Hälfte der Ausbrüche in dem untersuchten Zeitraum auf den jeweiligen Jahrgang oder die Klasse beschränkt hatte.

Das Risiko, in einen Ausbruch involviert zu sein, war bei den Kindern bis zehn am kleinsten. Auch das Krankheitsrisiko ist bei Betroffenen aus weiterführenden Schulen - zumindest laut einer vom RKI zitierten Studie - wohl höher als bei Schulen mit Jüngeren. Risiken für Ausbrüche gehen der RKI-Erhebung zufolge überwiegend von Lehrkräften aus. Diese seien bei etwa der Hälfte der Ausbrüche bei den Sechs bis Zehnjährigen der vermutete Primärfall.

Karliczek will sich um Schülerinnen und Schülern kümmern, die wegen des Schullockdowns beim Lernen ins Hintertreffen geraten sind. «Kinder mit größeren Lernrückständen brauchen umfangreichere Unterstützung», sagte sie im Bundestag. Zunächst müsse ermittelt werden, wie groß das Problem sei. «Dann können wir mit der KMK aktiv werden.» Die KMK ist die Kultusministerkonferenz der Länder, also die Beratungsrunde der für Bildung zuständigen Minister. Karliczek hatte bereits der «Rheinischen Post» (Mittwoch) gesagt, nötig sei ein Aktionsplan gegen Lernrückstände.

Im Bundestag räumte Karliczek ein, die Pandemie habe die Schwächen des Bildungssystems «gnadenlos» offengelegt. Doch nach der in den vergangenen Jahren als schleppend kritisierten Schuldigitalisierung komme das Geld aus dem Digitalpakt nun in den Schulen an. «Überall herrscht Aufbruchstimmung.» Laptops für Schüler und Lehrkräfte sowie IT-Administratoren würden vom Bund gefördert. Neben vielen Schülerinnen und Schülern verlange die Pandemie auch Lehrkräften, Hochschullehrkräften und Ausbildern viel ab.

© dpa-infocom, dpa:210303-99-666529/9


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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