Amerikanische Abgründe: So spielt sich «Far Cry 5»

26.03.2018
Unberührte Natur und gemütliche Kleinstädte: Montana könnte so schön sein. Wäre da nicht das ständige Geballer. «Far Cry 5» macht den US-Bundesstaat zum Kriegsschauplatz - und versucht sich sogar an politischer Satire. Das Ergebnis überzeugt aber nicht so richtig.
Meistens oben ohne: Joseph Seed ist der Anführer der Sekte «Project at Eden's Gate» - und Hauptwidersacher in «Far Cry 5». Foto: Ubisoft
Meistens oben ohne: Joseph Seed ist der Anführer der Sekte «Project at Eden's Gate» - und Hauptwidersacher in «Far Cry 5». Foto: Ubisoft

Berlin (dpa/tmn) - Postkartenidylle mit Explosionen: So lässt sich das Prinzip von Ubisofts Spiele-Serie «Far Cry» vielleicht am besten beschreiben.

In der Vergangenheit ging es unter anderem in die Dschungel Zentralafrikas, in den Himalaya und auf karibische Inseln. Und jetzt? Es geht in den US-Bundesstaat Montana. Aber ist das nicht die Zivilisation? Von wegen - zumindest nicht in «Far Cry 5».

Denn der Shooter präsentiert Montana als wunderschöne, aber auch gefährliche Wildnis, ohne Mobilfunkempfang oder andere Annehmlichkeiten - aber dafür voller gefräßiger Raubtiere und waffenverrückter Kultisten. Hauptwidersacher in «Far Cry 5» ist die Sekte «Project at Eden's Gate». Sie will das jüngste Gericht lieber herbeibomben, als geduldig darauf zu warten.

In den Kontakt mit den Kultisten kommen Spieler gleich zu Beginn des Titels: In der Rolle eines Nachwuchs-US-Marschalls wird versucht, den Anführer der Sekte, den charismatischen Joseph Eden, zu verhaften. Das geht gründlich schief - stattdessen stranden Spieler nach ein paar wilden Verfolgungsjagden mitten im wilden Feindesland, ohne Verstärkung und Kontakt zur Außenwelt.

In der Regel dauert die Entwicklung umfangreicher Computerspiele mehrere Jahre. Dass die Entwickler ihr Szenario der aktuellen US-Politik angepasst haben, ist daher eher unwahrscheinlich. Und doch wirkt «Far Cry 5» seltsam aktuell, mit Themen wie blindem Fanatismus, grotesker Waffenliebe und dem himmelweiten Unterschied zwischen den Küsten und dem Hinterland der USA.

Am Ende will «Far Cry 5» dieses heiße Eisen dann aber doch nicht so richtig anfassen - oder nur mit ganz dicken Handschuhen. Das auf den ersten Blick brisante Szenario dient nur als Entschuldigung für das übliche Geschleiche und Geballer der Serie. Es ist kein Ausgangspunkt für eine echte Auseinandersetzung mit den inneren Dämonen der USA. So reicht es für ein paar müde Gags - auch über Donald Trump - ansonsten bleibt die große Politik aber Hintergrundrauschen.

Ähnliches gab es zuletzt auch schon in «Watch Dogs 2» und «Ghost Recon Wildlands» zu sehen, nur mit anderen Themen - der unkontrollierten Macht von Google und Co. oder dem festgefahrenen Drogenkrieg in Südamerika. Auch da hat Ubisoft schon wenig aus scheinbar brisanten und interessanten Szenarien gemacht. Dass sich dieses Muster in «Far Cry 5» wiederholt, überrascht kaum - ist in diesem Fall allerdings besonders enttäuschend.

Spielerisch ist «Far Cry 5» dagegen deutlich trittsicherer. Das ist kein Wunder, schließlich folgt der Titel weitestgehend seinen Vorgängern, mit einigen gewichtigen Änderungen. Noch immer schießen, schleichen, fahren, fliegen und klettern Spieler in Ich-Perspektive durch eine offene Spielwelt, befreien Dörfer und ganze Landstriche, und sammeln neue Waffen. Die Entwicklung geht so nach und nach vom kleinen Guerilla-Krieger zum waffenstarrenden Einzelkämpfer.

Im Gegensatz zur eher rigiden Struktur von Teil 3 und 4 gibt es in «Far Cry 5» jedoch deutlich mehr Freiheiten. Wohin Spieler gehen und was sie dort genau tun, steht ihnen nach kurzer Eingewöhnungszeit weitestgehend frei. Und auch das Aufdecken der Karte und das Entdecken neuer Schätze, Ziele und anderer interessanter Orte läuft deutlich organischer und flüssiger ab als bei den Vorgängern. Dahinter verbirgt sich im Wesentlichen allerdings noch immer die gleiche Checkliste - nur hübscher und ein klein wenig abwechslungsreicher verpackt.

Zweite große Neuerung sind die Gefährten, die Spieler zu Hilfe holen und sogar herumkommandieren können. Die gab es schon früher, statt namenloser Pappkameraden sind das jetzt aber echte Charaktere, mit eigenen Geschichten und Aufgaben - darunter nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. In der Praxis haben die Helfer auch viele nützliche Fähigkeiten, richten gleichzeitig aber häufig auch ein riesiges Chaos an, wenn man sich eigentlich anschleichen will. Das kann lustig sein, sorgt bisweilen aber auch für Frust.

Eine klare Änderung zum Schlechten ist dagegen das Shopping im Spiel. Denn natürlich gibt es neue Waffen oder Kleidungsstücke zu kaufen - allerdings nicht nur im Tausch gegen Spielgeld, sondern auch im Tausch gegen virtuelles Silber. Und das gibt es wiederum nur für echte Euro. Wirklich nötig ist das im Spielverlauf zwar nie. Allein dass «Far Cry 5» Spielern diese Möglichkeit bei jeder Gelegenheit unter die Nase reibt, ist mindestens schlechter Stil.

Spaß macht «Far Cry 5» trotzdem, und zwar jede Menge. Dafür ist das Gerüst der Serie einfach zu gut, die Action zu unterhaltsam. Und doch drängt sich der Eindruck auf, dass Ubisoft hier mit dem spannenden, aber weitestgehend unerforschten Szenario und einer neuen Struktur für die gleichen alten Inhalte viel Potenzial vergeudet hat. Die gefährliche Wildnis ist doch etwas zu zahm.

«Far Cry 5» kostet rund 60 Euro und ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und den PC erhältlich. Die Action aus der Ego-Perspektive ist oft ziemlich brutal, daher ist der Shooter erst ab 18 Jahren freigegeben.


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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