Amazon geht gegen gekaufte Produktbewertungen vor

06.03.2019
Um an weitere Produktinformationen zu gelangen, studieren viele Online-Kunden die Bewertungen anderer Käufer. Doch diese können durchaus gekauft sein. Amazon will nun gegen den Schwindel vorgehen.
Laut Gerichtsbeschluss kann Amazon verlangen, dass Drittanbieter auf amazon.de gekaufte Bewertungen kennzeichnen müssen. Foto: Holger Hollemann
Laut Gerichtsbeschluss kann Amazon verlangen, dass Drittanbieter auf amazon.de gekaufte Bewertungen kennzeichnen müssen. Foto: Holger Hollemann

Frankfurt/Main (dpa) - Die Internetplattform Amazon will bezahlte Kundenrezensionen bei seinen Produkten unterbinden. Eine Zweigniederlassung von Amazon EU hat dafür jetzt vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main (OLG) einen Teilerfolg erzielt.

Dem Gerichtsbeschluss zufolge kann Amazon verlangen, dass Drittanbieter auf amazon.de gekaufte Bewertungen kennzeichnen müssen, wenn die Tester dafür Geld oder Produkte erhalten haben. Das Urteil (Az.: 6 W 9/19),über das das OLG informiert, ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Antragsgegner in dem Verfahren war ein Unternehmen, das Fremdanbietern auf amazon.de Kundenrezensionen gegen Geld anbietet. Das Unternehmen vermittelt dafür Tester, die bei Amazon Bewertungen anfertigen und die Produkte dann im Anschluss gegen Zahlung eines kleinen Eigenanteils behalten dürfen.

Das Landgericht Frankfurt hatte einen vorherigen Antrag von Amazon auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zunächst zurückgewiesen. Die Beschwerde dagegen landete dann vor dem OLG - und hatte dort «überwiegend Erfolg», wie Gerichtssprecherin Gundula Fehns-Böer erklärte. Das OLG verbot dem Portal, ««gekaufte» Kundenrezensionen zu veröffentlichen, ohne gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass diese Rezensionen entgeltlich beauftragt wurden». Das Vorgehen der Firma sei unlauter, da der kommerzielle Zweck der Rezensionen für den Durchschnittsverbraucher nicht erkennbar sei.

OLG-Mitteilung


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Achtung, der vermeintliche «Vergleichssieger» wurde womöglich gar nicht getestet. Das gute Urteil soll nur zum Kauf anregen. Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn Wie Vergleichsseiten im Internet in die Irre führen Testberichte im Netz stehen hoch im Kurs. Doch die Suche nach seriösen Produkttests führt oft zu schwarzen Schafen. Sie urteilen anhand technischer Daten, hatten die Geräte aber nie in der Hand. Mit guten Bewertungen verdienen die vermeintlichen Tester häufig mit.
Die Webseite RevieMeta hilft, Kundenbewertungen bei Amazon besser einzuschätzen. Foto: www.reviewmeta.com /dpa-infocom ReviewMeta: Gefälschte Amazon-Bewertungen entlarven Nicht allen Kundenbewertungen im Onlinekaufhaus Amazon sind zu trauen. Ein Onlinedienst hilft dabei, vertrauenswürdige von weniger glaubwürdigen Beurteilungen zu unterscheiden.
Wer eine Kundenrezension schreibt, sollte sachlich bleiben - bei Schmähkritik drohen rechtliche Probleme. Foto: Andrea Warnecke Wie gut sind Bewertungen im Netz? «Super Gerät» oder «Totaler Fehlkauf»? Online-Bewertungen von Kunden sind subjektiv, manchmal unzutreffend, nicht selten gefälscht. Und doch lohnt es sich, die Kommentare vor dem Kauf zu lesen. Solange man kritisch bleibt und weiß, woran man Fakes erkennt.
Können so viele Bewertungen falsch sein? - Das kommt darauf an, ob das Portal sie geprüft hat. Und längst nicht alle nehmen es dabei genau genug. Foto: Andrea Warnecke Ungeprüfte Online-Bewertungen sind ein Problem Hotels, Smartphones, Mixer, Handwerker, Restaurants: Im Netz gibt es wenig, was nicht bewertet wird. Mit der Einordnung, ob die jeweilige Rezension authentisch ist, wird der Verbraucher aber oft allein gelassen. Dann ist Detektivarbeit angesagt.