Alle Reisenden aus Risikogebieten sollen sich testen lassen

29.07.2020
Flughäfen und Gesundheitsbehörden rüsten sich für zusätzliche Corona-Tests für heimkehrende Urlauber. Auch die Luftverkehrsbranche hofft, dass verlässliche Tests das Vertrauen der Passagiere zurückbringen.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, eine Testpflicht auf das Coronavirus für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen. Foto: Henning Kaiser/dpa
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, eine Testpflicht auf das Coronavirus für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Berlin (dpa) - Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hat an Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten appelliert, sich auch wirklich auf das Coronavirus testen zu lassen. «Dies dient dem eigenen Schutz, aber auch der allgemeinen Sicherheit», sagte der Wirtschaftsstaatssekretär.

«Auch Reisende aus Risikogebieten mit Bahn und Pkw sollten sich testen lassen. Reisen darf nicht zur Gefahr werden», hieß es weiter. Jeder Einzelne trage eine besondere Verantwortung für seine Mitmenschen.

«Zukünftig wird sicheres und gesundes Reisen einen ganz neuen Stellenwert haben», sagte Bareiß. «Ein obligatorischer Schnelltest zum Beispiel am Flughafen kann dazu schon viel beitragen.» Der neue Luftfahrt-Präsident Peter Gerber sieht die Testpflicht als erste Grundlage zur Wiederbelebung des weltweiten Flugverkehrs. «Wir müssen das Reisen wieder stärker ermöglichen, mit einem Instrumentarium, das es uns erlaubt, verantwortlich und flexibel auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens zu reagieren», sagte Gerber den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX.

Flughäfen und Gesundheitsbehörden rüsten sich für zusätzliche Corona-Tests für heimkehrende Urlauber. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten anzuordnen, die voraussichtlich in der kommenden Woche in Kraft treten soll - über zuvor beschlossene freiwillige Testmöglichkeiten hinaus.

Laut einer Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) zählen dazu aktuell Länder wie Ägypten, die USA, Russland und die Türkei. Beliebte Urlaubsziele wie Italien oder Österreich stehen derzeit nicht auf der Liste. Zentrales Kriterium ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner gab.

Luftfahrt-Präsident Gerber betonte: «Selbst wenn sich die Lage in einem Reiseland plötzlich von 'sicher' zu 'unsicher' ändert, kann man mit einem Test bei der Rückkehr sicherstellen, dass die Menschen ihr Leben ganz normal weiterleben können und nicht in Quarantäne müssen.»

Kurzfristige Änderungen, wie sie die britische Regierung mit der Einführung einer 14-tägigen Quarantäne-Pflicht für Spanien-Urlauber am Wochenende verhängt hat, sollten deutsche Urlauber laut Gerber nicht fürchten müssen. «Ich lege Wert darauf, dass diese Entscheidung nicht in der EU gefallen ist», sagte der Manager, der seit 1. Juni als Präsident den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) führt und im Hauptberuf Chef der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo ist. «Ich glaube, in der EU herrscht bei allen Unstimmigkeiten, die es gibt, ein gewisses Maß an Rationalität und Verlässlichkeit.»

Eine der größten Herausforderungen sieht der BDL-Präsident nun darin, die jeweiligen nationalen Regelungen des Gesundheitswesens in den einzelnen Staaten mit den Regeln des internationalen Luftverkehrs zusammenzubringen. «Die Erholung unseres Geschäfts hängt davon ab, einigermaßen behinderungsfrei von A nach B zu reisen, vor allem im Interkontinental-Bereich», sagte Gerber. «Hier darf es keinen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen geben.»

Gerber plädiert für Regeln und Instrumentarien wie die neuen Corona-Tests an Flughäfen, um die Einreise in Zeiten der Pandemie für die Kunden sicher und verlässlich zu machen. «Es ist gut, dass diese Testkapazitäten aufgebaut werden, damit bei Negativ-Tests Quarantäne vermieden wird. Und je besser diese Tests werden und je besser die Ergebnisse, desto einfacher wird es für alle Beteiligten.»

An den Berliner Flughäfen sollen sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten von Mittwoch an auf das Coronavirus testen lassen können. Am Flughafen Tegel sollte die erste Corona-Teststelle öffnen, teilte die Senatskanzlei mit. Schönefeld folge an diesem Donnerstag. Die Tests in den Terminalgebäuden der Flughäfen Tegel und Schönefeld sollen für die Reisenden kostenlos sein.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-963718/3

RKI zu Risikogebieten

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Verfasser: dpa-infocom GmbH

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