Airline haftet laut EuGH nicht für Unfall im Hotel

03.09.2020
Weil der Flug ausfällt, wird eine Urlauberin von der Airline in einem Hotel einquartiert. Dort erleidet sie einen Unfall. Muss die Fluggesellschaft einen Schadensersatz zahlen?
Erleidet ein Fluggast in einem Hotel, in das er wegen eines Flugausfalls untergebracht wurde, einen Unfall, haftet nicht die Airline. Foto: Oliver Berg/dpa
Erleidet ein Fluggast in einem Hotel, in das er wegen eines Flugausfalls untergebracht wurde, einen Unfall, haftet nicht die Airline. Foto: Oliver Berg/dpa

Luxemburg (dpa) - Bringt eine Airline nach einem annullierten Flug Passagiere kurzfristig im Hotel unter, muss sie nicht für vom Hotelpersonal verursachte Unfallschäden haften. Dies entschied der Europäische Gerichtshof zum Rechtsstreit einer verunglückten Rollstuhlfahrerin mit der österreichischen Fluglinie Niki Luftfahrt.

Die Österreicherin wollte von Mallorca nach Wien fliegen. Als ihr Flug gestrichen wurde, brachte sie Niki in einem Hotel unter - darauf haben Fluggäste nach EU-Recht einen Anspruch. Die Frau verletzte sich jedoch schwer, als ihr Rollstuhl in der Querrinne eines Weges hängenblieb. Die Kundin verlangt vor österreichischen Gerichten Schadenersatz von Niki, da sich der Unfall auf dem Hotelgelände ereignet habe und die Mitarbeiter des Hauses die Querrille nicht beseitigt oder abgesichert hätten.

Nach dem Urteil des EuGH verpflichtet die EU-Fluggastrechteverordnung die Airline aber nicht zum Schadenersatz für ein Fehlverhalten des Hotelpersonals. Dabei stellen die obersten EU-Richter klar, dass Fluggesellschaften für Personen mit eingeschränkter Mobilität angemessene Betreuung anzubieten hätten. Dazu gehöre, dass sich die Airline vergewissert habe, ob das Hotel vernünftigen Erwartungen an Qualität und Sicherheit entspreche.

Ersatz individueller Schäden durch Fehlverhalten des Hotelpersonals würde jedoch aus Sicht der EU-Richter eine Einzelfallprüfung der Schäden erfordern. Das wiederum würde den Rahmen der Fluggastrechteverordnung sprengen, entschied der EuGH.

(Rechtssache C-530/19)

© dpa-infocom, dpa:200903-99-417542/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Ein gebrauchter Mundschutz mit Resten von Lippenstift liegt am Strand vor der Strandpromenade von Westerland auf Sylt. Foto: Christian Charisius/dpa Was Reiselustige in Europa beachten müssen Für ein paar Tage haben Ende der Woche alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland gleichzeitig frei. Ab in den Urlaub also? In den größten Teilen Europas ist das möglich. Dabei gilt es aber Einiges zu beachten.
Annulliert: Schlimmer als mit einem Flugausfall kann ein Urlaub kaum starten. Im Sommer traf das viele Reisende. Foto: Frank Rumpenhorst DER Touristik erwartet 2019 Entspannung an Flughäfen Verspätungen, Umbuchungen, Ausfälle: Für viele Reisende war der Flug in den Sommerurlaub mit Frust verbunden. Bei DER Touristik waren Zehntausende Kunden betroffen. Der Veranstalter rechnet 2019 aber mit weniger Problemen.
Passanten gehen auf der Brücke «Pont de Bir-Hakeim», mit Blick auf den Eiffelturm. Foto: Philippe Lopez/AFP/dpa Urlaubsziele in Europa vor dem Neustart Ob ans Meer in Kroatien oder in die österreichischen Berge: Hält der Trend bei den Corona-Infektionszahlen an, könnten in Europa viele Grenzen ab 15. Juni wieder offen sein. Urlauber und Tourismusbranche schöpfen Hoffnung.
Viele Urlaubsregionen in Europa bereiten sich trotz der corona-Krise auf die Sommersaison vor. Foto: Yorgos Karahalis/AP/dpa Gute Aussichten für den Sommerurlaub 2020 Wer dieses Jahr trotz Corona noch einen Sommerurlaub im Ausland plant, braucht gute Nerven. Nach wie vor sind die Grenzen dicht. Doch Stück für Stück wird klarer, welche Ziele ab wann angesteuert werden können. Und die Preise könnten vergleichsweise günstig sein.