Abenteuer an Uruguays wilder Atlantikküste

01.12.2020
Kilometerlange, menschenleere Sandstrände, Kolonien von Seelöwen, prächtige Lagunen und unberührte Natur: All dies findet man in der Provinz Rocha an der Atlantikküste von Uruguay.
Ombú-Bäume sehen aus wie Bäume, sind aber eigentlich Pflanzen aus der Gattung der Kermesbeeren. Foto: Ute Müller/dpa-tmn
Ombú-Bäume sehen aus wie Bäume, sind aber eigentlich Pflanzen aus der Gattung der Kermesbeeren. Foto: Ute Müller/dpa-tmn

Rocha (dpa/tmn) - Wegen der Corona-Pandemie ist Deutschen die Einreise nach Uruguay derzeit verboten. Doch sollten Urlaubsreisen dorthin wieder möglich sein, gibt es nach wie vor viel zu entdecken - zum Beispiel ein verzauberter Wald und versunkene Schiffe.

Maria Dolores Ubal tritt auf die Veranda ihrer Finca und lässt den Blick über die riesigen Ländereien ihrer Familie schweifen. Grün in allen Schattierungen soweit das Auge reicht, Kühe grasen friedlich auf der Weide.

«Die Stille hier ist magisch, ich könnte nirgendwo sonst auf der Welt leben» sagt die zierliche Frau mit dem Cowboy-Hut, der das Anwesen Barra Grande gehört.

Das 580 Hektar große Areal ist in Uruguay berühmt, denn hier wächst ein einzigartiger Wald, dessen Bäume 700 Jahre und zum Teil noch älter sind. Ombú-Bäume heißen die bis zu 25 Meter hohen, gewundenen Riesen, die im Osten des Landes in der Region Rocha gedeihen.

«Diesen Namen gaben ihnen die Guaranis, einer der Stämme der Ureinwohner, das bedeutet schöner Schatten», erklärt Maria. «Die Kinder, die hierher kommen, glauben, die Bäume seien verzaubert und dienen als Versteck für Hexen oder Monster.»

Der seltene Ombú-Baum, der zu 90 Prozent aus Wasser besteht, fällt streng genommen nicht unter die Kategorie Baum - weil er kein Brennholz liefert und der Stamm so weich ist, dass man ihn mit dem Messer durchschneiden kann. «Diese Pflanzen sind Schauspieler, die wie Bäume aussehen, aber keine sind», sagt Maria.

Die wilden Gauchos von einst sind heute friedlich

Mit einem Traktor und einem selbstgebauten Anhänger kutschiert Marias Mann Mario Besucher über die Finca in den Ombú-Wald. «Dieser Ort besitzt eine besondere Energie», sagt Maria, die ihre Finca im Gaucho-Stil errichtet hat. Eine riesige Veranda mit Schaukelstühlen umsäumt das Herrenhaus, gleich daneben steht eine sogenannte Pulperia, so heißen die Gaststätten der Gauchos.

«Die Gauchos von früher waren wilde, unbändige Kerle, die schnell in Rage gerieten und Meinungsverschiedenheiten gerne mit den Fäusten austrugen», erzählt die Hausherrin. Heute geht es friedlicher zu. Die reizbaren Männer von einst trinken am liebsten einen Mate-Tee.

Wie fast alle Urugayer hat Maria europäische Wurzeln, ihre Vorfahren väterlicherseits etwa stammen aus Portugal, von den Azoren. Kurz vor der Ostküste Uruguays kenterte einst deren Schiff, die Gestrandeten konnten nur ihr nacktes Leben retten.

Ein berüchtigtes Kap und seine tierischen Bewohner

Das Drama um gesunkene Schiffe ist in Uruguays Geschichte omnipräsent, vor allem im nahegelegenen Cabo Polonio. Vor dem wegen seiner Felsenriffe berüchtigten Kap liegen noch immer vier Dutzend Schiffwracks am Meeresboden. Auch das Kap selbst ist benannt nach einer spanischen Galeere, die an dieser Küste 1735 sank.

Heute stranden auf den vorgelagerten Felsinseln des Kaps nur noch Tausende und Abertausende von Seelöwen und Seehunden. Weil die Tiere nicht mehr abgeschlachtet werden, entstand hier vor Cabo Polonio die zweitgrößte Kolonie von Meeressäugetieren in ganz Südamerika.

Um ein Haar würde man hier portugiesisch reden

Von der Landseite aus ist Cabo Polonio, einer der 14 Naturparks von Uruguay, für Besucher nur mit speziellen, offiziellen Geländewägen der Ranger zu erreichen. Das Privatauto muss vor den Toren des Parks stehen bleiben. Die Off-Road-Trucks sind immerhin zweistöckig und transportieren binnen 20 Minuten bis zu 40 Passagiere an das Kap.

In Cabo Polonio selbst gibt es weder Strom noch Wasser, nur der Leuchtturm ist an das nationale Stromnetz angeschlossen.

Man sieht es dem idyllischen Kap nicht an, dass es eine sehr bewegte Geschichte hinter sich hat. Früher verlief hier am Cerro de la Buena Vista, dem höchsten Punkt der Dünenlandschaft, die erste Grenze zwischen den spanischen und portugiesischen Kolonien in Südamerika.

Die Grenze verschob sich mehrmals. «Um ein Haar würden wir portugiesisch reden», sagt Parkwächter Sergio Olalde. Er betrachtet die von Jahr zu Jahr zunehmende Besucherzahl des Kaps mit Sorge. «Im Sommer haben wir hier an manchen Tagen bis zu 2000 Leute.» Das habe den Lebensrhythmus geändert und die Fischer vertrieben.

Diese Lagune ist ein Vogelparadies

Dieses Problem hat Pepe Lobato, 67, nicht. Er ist einer der 16 Fischer an der Laguna de Rocha, etwa 80 Kilometer von Cabo Polonio entfernt. Seine bescheidene Fischerhütte steht direkt am Ufer. Drei seiner sechs Kinder sind selber Fischer. «Einer meiner Söhne ging vor einigen Jahren nach Montevideo und arbeitete als Obstverkäufer, doch er vermisste die Freiheit von hier und kehrte bald zurück.»

In der Ferne stelzen Flamingos durch die Salzwasserlagune, Silberreiher fliegen über das Boot hinweg. Die Lagune ist ein Vogelparadies. Rund die Hälfte der 480 Vogelarten, die es in Uruguay gibt, ist hier vertreten. «Schon als Kind lief ich durch die Dünen und fand überall Nester mit Eiern, mit den Jahren sind es allerdings wegen der Pestizide in der Landwirtschaft weniger geworden», erzählt Pepe seinen Gästen. Seine Lagune ist trotzdem einzigartig: Nur ein schmaler Sandstreifen trennt das Binnengewässer vom Atlantik.

Mümmelnde Wasserschweine und denkwürdige Palmen

Etwas weiter im Landesinneren liegt die Schwarze Lagune, die ihren Namen von den Torfpartikeln hat, die das Wasser schwarzbraun färben. Die Süßwasserlagune ist die geheimnisvollste und unnahbarste der fünf Lagunen von Rocha. Früher nannte man sie auch die Lagune der Verstorbenen, denn hier beerdigte einer der indigenen Stämme Uruguays, die Charrúas, seine Toten in Hügelgräbern.

Die Laguna Negra ist das größte Feuchtgebiet des Landes und Rückzugsort für bedrohte Tierarten. Marianna Rovira, 50, fährt schon seit neun Jahren Besucher mit ihrem Geländewagen durch den Naturpark, sie hat eine Spezialgenehmigung und ist die einzige Anbieterin.

Am Ufer der Lagune mümmeln Wasserschweine sorglos Gräser in sich hinein. Es sind die größten Nagetiere der Welt mit einer Länge von bis zu 1,30 Metern und einem Gewicht von bis 75 Kilo.

An den höheren Stellen des Geländes wachsen die autochtonen Palmen. «Man vermutet, dass die Palmen ein Relikt aus der Urzeit sind, als Südamerika und Afrika noch einen Kontinent bildeten», sagt Mariana. Auffällig ist allerdings, dass die Palmen meist in Reih und Glied stehen. Dafür haben die Uruguayer eine Erklärung. Die Missionare aus Spanien hätten sich mit Palmfrüchten bei Kräften gehalten. Die ausgespuckten Kerne hätten für die Palmenalleen gesorgt.

© dpa-infocom, dpa:201130-99-519355/4

Webseite des Fremdenverkehrsamtes

Reise- und Sicherheitshinweise für Uruguay

Uruguay

Anreise: Direktflüge aus Europa in Uruguays Hauptstadt Montevideo starten nur in Madrid, als Reisender aus Deutschland muss man also einmal umsteigen. Der Weiterflug dauert rund 13 Stunden.

Reisezeit: Die besten Monate sind von November bis März.

Corona-Lage: Die offiziellen Infektionszahlen in Uruguay liegen auf einem niedrigen Niveau. Wegen der Einreisebeschränkungen rät das Auswärtige Amt von Reisen in das Land ab. Die Einreise sei derzeit nur Staatsangehörigen und Ausländern mit Wohnsitz im Land erlaubt.

Informationen: Botschaft von Uruguay, Budapester Straße 39, 10787 Berlin (Tel.: 030/26 39 016, www.turismo.gub.uy).


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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