Wie werde ich Vermessungstechniker/in?

24.02.2020
Keine Angst vor Zahlen, geometrisches Verständnis und präzises Arbeiten: Das ist das Rüstzeug für den Ausbildungsberuf des Vermessungstechnikers. Ab und an muss man sich skeptischen Bürgern erklären.
Vermessungstechniker müssen bei ihrer Arbeit präzise sein: Der Auszubildende Florian Schafrik prüft einen Vermessungsplan. Foto: Catherine Waibel/dpa-tmn
Vermessungstechniker müssen bei ihrer Arbeit präzise sein: Der Auszubildende Florian Schafrik prüft einen Vermessungsplan. Foto: Catherine Waibel/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn) - Beim Stichwort Vermessungstechnik haben wohl die meisten Menschen gleich ein Bild vor Augen: Eine Person mit Bauhelm auf dem Kopf steht bei Wind und Wetter an einer Straße oder auf einer Baustelle und stellt ein Messwerkzeug ein, das auf einem dreibeinigen Stativ befestigt ist.

Dabei handelt es sich um einen Tachymeter, verrät Florian Schafrik, der 2020 seine Ausbildung zum Vermessungstechniker abschließt. Mit dem Tachymeter lassen sich Horizontalrichtungen, Vertikalwinkel und Schrägstrecken zum Zielpunkt ermitteln. Die Fachbegriffe machen deutlich, was in diesem Ausbildungsberuf gefragt ist: Affinität zur Technik, gutes räumliches Vorstellungsvermögen und präzises Handeln.

Florian Schafrik hat sich nach seinem Architekturstudium dazu entschieden, noch mal eine Ausbildung zu absolvieren. Er ist angestellt beim Ingenieurbüro Zech, Ruth und Blasius, das mit 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an zahlreichen Berliner Bauprojekten mitwirkt.

Daten erheben im Gelände

Bevor die Bautrupps anrücken, sorgen Vermessungstechniker für die richtigen Geodaten. Um diese Daten zu erheben, müssen sie raus ins Gelände. Mit Hilfe von Messinstrumenten zur Richtungs-, Höhen- und Winkelmessung bestimmen sie etwa Lage, Neigung und Höhe des Baugrundstücks und protokollieren die Ergebnisse. Sie zeigen an, wo auf dem Grundstück gebaut werden soll oder bilden neue Grenzen.

Am Computer werten die Fachkräfte die erhobenen Geodaten aus. Mit speziellen Softwareprogrammen erstellen sie zum Beispiel Karten oder Lagepläne. Wenn die Bauarbeiten laufen, überwachen Vermessungstechniker, ob sich Gebäude in der Nachbarschaft der Baustelle verändern.

Schafrik mag an seinem Beruf den gelungenen Mix aus Innen- und Außendienst. Er kann ruhig und konzentriert mit Softwareprogrammen am Computer arbeiten, erlebt aber täglich im Gelände viel Abwechslung. «Wir haben stets mit neuen Projekten zu tun und stehen in engem Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen, die auch ihre Eigenheiten mitbringen», sagt er.

Vermessungstechniker erregen Aufmerksamkeit

Morgens um 7.30 Uhr trifft man sich zur Auftragsbesprechung. Anschließend geht es im Team raus. Nicht selten passiert es, dass Schafrik misstrauisch oder neugierig angesprochen wird. Nachbarn etwa fragen, was der Fremde auf einem Grundstück macht.

Für die dreijährige Ausbildung zum Vermessungstechniker ist ein mittlerer Schulabschluss Voraussetzung. Laut Manfred Ruth, Mitinhaber des Ingenieurbüros, interessieren sich auch Abiturienten und Hochschulabsolventen vieler Fachgebiete dafür.

Lot, Messband und Winkelmesser gehören zwar auch heute noch zum traditionellen Handwerkszeug der Vermessungsfachkräfte. Gleichzeitig arbeiten sie inzwischen mit Satellitendaten sowie Luft- und Drohnenaufnahmen.

Arbeit mit hohem Tempo

Die technischen Errungenschaften haben dazu geführt, dass sich die Arbeit verdichtet. «Es wird ein hohes Tempo vorgelegt», sagt Ruth. Das spürt auch Florian Schafrik, dem «Stress durch Termindruck» nicht unbekannt ist. Umso wichtiger ist es, dass Vermessungstechniker in solchen Situationen konzentriert arbeiten.

Die Ausbildungsvergütung unterscheidet sich - ja nachdem, wo man seine Ausbildung macht. Die Bundesagentur für Arbeit gibt beispielhafte Werte von 643 Euro brutto monatlich im ersten und 967 Euro im dritten Lehrjahr für Ingenieur-, Architektur- und Planungsbüros an.

© dpa-infocom, dpa:200221-99-14730/2

Infos zur Ausbildung beim BDVI

Berufsbild bei Berufenet


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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