Wie werde ich Technische/r Produktdesigner/in?

13.11.2017
Vom Auto bis zur Küche: Technische Produktdesigner sind gefragt. Mitbringen sollten Berufsanfänger räumliches Vorstellungsvermögen, viel technisches Verständnis - und die Bereitschaft, auf Kundenwünsche und immer neue Anforderungen einzugehen.
Rechner statt Bleistift: Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Technischen Produktdesignerin hat Lisa Marie Schott auch das Zeichnen mit der Hand gelernt. Meistens arbeitet sie aber am Computer. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn
Rechner statt Bleistift: Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Technischen Produktdesignerin hat Lisa Marie Schott auch das Zeichnen mit der Hand gelernt. Meistens arbeitet sie aber am Computer. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn

Fulda (dpa/tmn) - Der Vater Hobbyschrauber, der ältere Bruder Schlosser: Lisa-Marie Schott war in ihrer Familie immer von Technik umgeben. «Ich war als Kind schon sehr auf Autos fixiert», erzählt die 22-Jährige.

Nach dem Abitur wurde klar, dass sie ihrer Liebe zur Technik auch beruflich folgen wollte. Die Wahl fiel auf eine dreieinhalbjährige duale Ausbildung zur Technischen Produktdesignerin. Die absolviert Schott bei der EDAG in Fulda, einem Ingenieurs-Dienstleister für die internationale Automobilindustrie.

Die Ausbildung zum Technischen Produktdesigner gibt es erst seit dem Jahr 2005. 2011 ging der Technische Zeichner im Technischen Produktdesigner auf. Statt des Zeichenbretts stehen bei der modernisierten Ausbildung sogenannte CAD-Verfahren im Mittelpunkt, also das rechnergestützte Konstruieren, erklärt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Trotzdem lernen die Auszubildenden noch das Zeichnen per Hand.

Mitbringen sollten Auszubildende Interesse an Technik und räumliches Vorstellungsvermögen. Weitere Voraussetzungen seien Kommunikationsfreude, hohe Lernbereitschaft und Flexibilität, ergänzt Michael Noll, bei der EDAG verantwortlich für den Ausbildungsbereich der Produktentwicklung.

Nach Angaben des BIBB entscheiden sich in Deutschland pro Jahr zwischen 2600 und 2700 junge Menschen für eine Ausbildung zum Technischen Produktdesigner. «Die stabilen Ausbildungszahlen deuten darauf hin, dass der Beruf relativ robust ist, was Konjunkturschwankungen betrifft», erklärt Michael Assenmacher, Referatsleiter für technische Berufe beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Der Beruf teilt sich in zwei Fachbereiche: Rund 2000 Auszubildende starten pro Jahr im Maschinen- und Anlagenbau. Im Mittelpunkt steht dabei die Konstruktion von Maschinen jeglicher Art – beispielsweise für die Autoindustrie oder den Schiffsbau. Der zweite, kleinere Fachbereich ist die Produktgestaltung und -konstruktion - vom Fahrzeugbau über Möbel bis zur Kaffeekanne.

Für diese Richtung hat sich auch Lisa-Marie Schott entschieden. Im dritten Lehrjahr arbeitet die Auszubildende zum ersten Mal an einem eigenen Bauteil: der Verkleidung einer B-Säule als Verbindung zwischen Fahrzeugboden und Dach. Bei der Gestaltung und Konstruktion solcher Produkte spielt auch das Präsentieren der Entwürfe vor Kunden eine große Rolle. Deswegen sollten Technische Produktdesigner auch sprachliches Ausdrucksvermögen mitbringen, sagt Bretschneider.

Doch nicht nur die Wünsche der Kunden beschäftigen Technische Produktdesigner, auch die Anforderungen der Ingenieure und anderer Abteilungen eines Unternehmens. «Eine Herausforderung ist es, das alles zu erfassen und dann auch noch seine eigene Kreativität einzubringen», sagt Assenmacher. Gerade diese Interdisziplinarität sei das Spannende an diesem Beruf.

Auszubildende verdienen nach Angaben der Agentur für Arbeit je nach Lehrjahr zwischen 400 und rund 1200 Euro monatlich. Bei der EDAG liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt nach der Ausbildung bei 2400 Euro, sagt Noll. In der Praxis verfügt laut BIBB-Experte Bretschneider knapp die Hälfte der Auszubildenden über eine Hochschulreife. Vorgeschrieben sei aber keine bestimmte Schulbildung.

Auch bei der EDAG werden hauptsächlich Abiturienten und gute Realschüler eingestellt, sagt Noll. Und fast alle bilden sich nach der Ausbildung weiter – entweder als Techniker für Karosserie- und Fahrzeugtechnik oder innerhalb eines dualen Studiums im Bereich Maschinenbau. «Die Entwicklungsmöglichkeiten sind enorm.»

Job-Steckbrief im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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