Wie werde ich Stuckateur/in?

10.05.2021
Eine Hausfassade ist mit Rosetten oder Ornamenten kunstvoll verziert und ein echter Hingucker? Dann waren bestimmt Stuckateure am Werk. Sie kümmern sich aber längst nicht nur um historische Gebäude.
Handwerkliches Geschick ist ein Muss für angehende Stuckateure: Azubi Jonas Schwarzwälder (l) und sein Ausbilder Egon Karl (r) schrauben eine Rigips-Platte an die Decke einer Wohnung. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa-tmn
Handwerkliches Geschick ist ein Muss für angehende Stuckateure: Azubi Jonas Schwarzwälder (l) und sein Ausbilder Egon Karl (r) schrauben eine Rigips-Platte an die Decke einer Wohnung. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa-tmn

Lahr (dpa/tmn) - Gips, Mörtel und Farbe. Solche Materialien gehören zur Arbeitswelt von Jonas Schwarzwälder. Der 16-Jährige absolviert bei der Firma Hilberer in Lahr-Reichenbach eine Ausbildung zum Stuckateur.

Draußen wie drinnen ist er tätig - ein Wechsel, der ihm gefällt. Er verputzt Decken, Wände und Fassaden und integriert dabei die Beleuchtung ebenso wie etwa Schall- und Brandschutz. Auch kunstvolle Stuck-Verzierungen an und in Häusern sowie das Herstellen von Fließestrichen gehören zu seinen Aufgaben.

Toll findet Jonas Schwarzwälder, dass er mit seiner Arbeit optische Akzente setzen kann. «Das Beste ist aber, dass jeden Tag was Neues ansteht und nicht immer das Gleiche.»

So sieht es auch Oliver Heib. Der Vorsitzende des Bundesverbands Ausbau und Fassade im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) sagt: «Der Stuckateur-Job ist ein äußerst abwechslungsreicher und kreativer Beruf.» So sind Stuckateure beispielsweise auch im Bereich der energetischen Ausrüstung von Gebäuden tätig. Dazu gehört das Anbringen von Wärmedämmverbundsystemen aber auch von Innenwand-, Dach- und Kellerdeckendämmungen.

Stuck für die Altbauwohnung

Sowohl beim Umbau von Bestandsgebäuden als auch bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes gibt es jede Menge Arbeit. Sollen zum Beispiel viel zu große Zimmer neu aufgeteilt werden, fertigen Stuckateure Trennwände. Sie bauen bei Bedarf aber auch Fertigteildecken ein und statten etwa Altbauwohnungen mit Stuck aus. «Es ist toll, wenn man abends sieht, was man geleistet hat», sagt Jonas Schwarzwälder.

Schwere Baustoffe fordern die körperliche Fitness

Wer sich für den Beruf interessiert, sollte zudem mindestens einen Hauptschulabschluss in der Tasche haben. Das sichere Beherrschen der Grundrechenarten ist ebenfalls wichtig. Solche Kenntnisse sind nötig, um etwa den Bedarf an Baustoffen exakt zu ermitteln oder Aufmaße zu erstellen. Auch auf ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen kommt es an. Staub und Schmutz dürfen einem nichts ausmachen.

Stuckateure sind etwa auch dann im Einsatz, wenn es darum geht, erhaltenswerte historische Bausubstanz wie etwa Kirchen und Denkmäler zu restaurieren. «Ein Sinn für künstlerische Stilelemente sollten Bewerber neben Kreativität und Fingerspitzengefühl in jedem Fall mitbringen», so Heib.

Der Job ist zudem körperlich anstrengend. So müssen etwa Säcke mit Zement sowie Gipsfaser- oder Dämmplatten gehoben, getragen und angebracht werden. «Abends bin ich manchmal ganz schön k.o.», sagt Azubi Jonas Schwarzwälder.

Mit der Weiterbildung ins Baustellenmanagement

Wer als Stuckateur weiterkommen will, kann sich zum Vorarbeiter oder Werkpolier fortbilden. «Damit übernimmt der Stuckateur Managementfunktionen auf Baustellen», sagt Heib. Möglich ist auch, die Meisterprüfung abzulegen.

Dieses Ziel verfolgt Jonas Schwarzwälder. Später will er in den in dritter Generation geführten elterlichen Betrieb einsteigen und ihn übernehmen, wenn sein Vater eines Tages in den Ruhestand geht.

Die Vergütung ist unterschiedlich und orientiert sich an Tarifverträgen. Im ersten Ausbildungsjahr kann sie nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit je nach Bundesland monatlich zwischen 805 und 840 Euro brutto betragen, im dritten Jahr sind es zwischen 1210 und 1495 Euro brutto im Monat. In nicht-tarifgebundenen Betrieben ist die Vergütung mitunter niedriger.

© dpa-infocom, dpa:210507-99-510674/2

Berufsbild bei Berufenet


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Stuckateur David Reingen übt einen Beruf aus, der sich stark gewandelt hat. Früher waren die Fachkräfte vor allem für Stuck zuständig, heute verlegen sie auf Baustellen auch Estrich oder verputzen Außenfassaden. Foto: Judith Michaelis Wie werde ich..? Ausbildung zum Stuckateur Sie verlegen Estrich, ziehen Wände hoch und hängen Decken ab: Auf der Baustelle machen Stuckateure harte Arbeit. Trotzdem brauchen sie Fingerspitzengefühl. Ein Stuckateur ist ein Stück weit immer auch Kunsthandwerker.
Beim Streichen steht er oft hoch oben auf dem Gerüst: Dogan Aljushi macht eine Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn Wie werde ich Bauten- und Objektbeschichter/in? Was ein Maler und Lackierer macht, ist den meisten klar. Aber wer hat schon vom Bauten- und Objektbeschichtern gehört?
Hoch hinaus: Zimmerleute sind auf der Baustelle unter anderem für den Dachstuhl zuständig. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn Vielfalt bei Wind und Wetter: Jobs auf der Baustelle Damit aus einem Bauplan ein Gebäude wird, müssen zahlreiche Handwerker zusammenarbeiten - beim Tiefbau, am Rohbau und schließlich beim Innenausbau. Die Jobs sind vielfältig und vergleichsweise sicher. Denn gute Fachleute werden zurzeit gesucht.
Muss der Beton viel aushalten, wird er mit Stahl verstärkt: Norman Zlatnik kümmert sich als angehender Betonbauer im Werk seines Ausbildungsbetriebs um Stahlbetonfertigteile. Foto: Firmengruppe Max Bögl/dpa-tmn Wie werde ich Betonbauer/Betonbauerin? Beton wandelt sich zum Hightech-Werkstoff. Den richtigen Umgang damit lernen Beton- und Stahlbetonbauer in ihrer Ausbildung. Dabei dürfen sie auch das Thema Nachhaltigkeit nicht außer Acht lassen.