Wie werde ich Pharmakant/in?

24.08.2020
Arzneimittel herstellen und auf ihre Qualität prüfen: Das ist der Alltag von Pharmakanten. Der Job vereint handwerkliches Arbeiten mit modernen Technologien. Maske tragen ist hier schon immer Pflicht.
Paul Boos ist angehender Pharmakant. Mit den Rohstoffen zur Herstellung von Arzneimitteln muss er sich bestens auskennen. Foto: Pascoe Naturmedizin/dpa-tmn
Paul Boos ist angehender Pharmakant. Mit den Rohstoffen zur Herstellung von Arzneimitteln muss er sich bestens auskennen. Foto: Pascoe Naturmedizin/dpa-tmn

Gießen (dpa/tmn) - Auf Umsicht und Genauigkeit kommt es an. Mit dieser Einstellung macht sich Paul Boos Tag für Tag an die Arbeit. Der 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Pharmakanten bei Pascoe Naturmedizin in Gießen.

Er mischt unter Anleitung die verschiedenen Bestandteile etwa von Medikamenten oder Salben auf den Milligramm genau nach Rezept zusammen, steuert und überwacht die Produktionsanlagen und überprüft die Qualität der Endprodukte.

«Man lernt sehr früh in der Ausbildung, Verantwortung zu übernehmen», erzählt Boos. Denn Fehler dürfen sich Pharmakanten nicht erlauben. Schließlich kann durch die kleinste Unachtsamkeit die Wirkung eines Präparats zunichte gemacht werden.

Handschuhe und Mundschutz gehören schon immer dazu

Aber nicht nur beim exakten Abwiegen der Wirkstoffe wie der Zusatzstoffe ist Sorgfalt oberste Pflicht. Das gleiche gilt auch bei der Verpackung. «Hier sind etwa bestimmte Hygienestandards zu beachten», sagt Matthias Wilken, Apotheker beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) in Berlin.

Überhaupt wird Hygiene im Pharmakanten-Alltag großgeschrieben: Die Fachkräfte tragen bei der Arbeit etwa Handschuhe, Haar- und Mundschutz sowie Sicherheitsschuhe. Die Produktionsräume sind steril und nur über eine Schleuse betretbar. So gelangen weder Keime noch Staub in die Produktionsanlagen.

Technikwart für Maschinen

Was für die dreieinhalbjährige Ausbildung spricht: «Ein Arzneimittel herzustellen und damit anderen zu helfen, das gibt einem ein gutes Gefühl», erklärt Boos. Zudem ist der Joballtag sehr vielseitig, «weil er Arzneimittelkunde, handwerkliches Arbeiten und moderne Technologien vereint.»

So müssen Pharmakanten etwa die Produktionsanlagen bedienen und im Blick haben. «Alles wird ständig dokumentiert», erzählt der Auszubildende. Treten Störungen auf, übernimmt er kleinere Wartungsarbeiten auch mal selbst. Das Reinigen der verschiedenen Maschinen, in denen neben Tabletten etwa auch Salben, Cremes oder Ampullen hergestellt werden, gehört ebenfalls zu den Aufgaben von Pharmakanten.

Physik, Bio und Chemie sind gefragt

Diejenigen, die den Beruf erlernen möchten, müssen keinen bestimmten Schulabschluss haben. «Zwar gibt es rechtlich keine Vorgaben, die Mehrheit der Azubis hat jedoch einen Realschulabschluss», so Wilken. Beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben nach seinen Angaben Bewerber mit guten Noten und Kenntnissen in Mathe, Physik, Biologie und Chemie. Denn angehende Pharmakanten müssen etwa die richtige Mixtur von Stoffgemischen berechnen können oder die chemischen Eigenschaften von Stoffen einschätzen können.

Den theoretischen Teil der Ausbildung bekommen Azubis in der Berufsschule vermittelt. Dort steht etwa Arzneimittelkunde auf dem Stundenplan. Zudem lernen die jungen Leute, wie Qualitätsprüfungen ablaufen: Stimmen Farbe, Form und Konsistenz des Produkts?

Arzneimittel, die fehlerhaft oder beschädigt sind, sortieren Pharmakanten bei der Kontrolle aus. Die Fachkräfte nehmen Arzneimittel dabei nicht nur in Augenschein, sie machen auch kleine Tests mit ihnen. Löst sich etwa ein Pulver nicht wie vorgesehen in Wasser auf, kommt es nicht in den Handel.

Rund 1000 Euro im ersten Ausbildungsjahr

Die Ausbildungsvergütung hängt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit unter anderem vom Bundesland ab. Möglich ist demnach eine Vergütung zwischen rund 990 und 1040 Euro im ersten Ausbildungsjahr bis hin zu rund 1150 Euro bis 1285 Euro im vierten Jahr.

Fertig ausgebildete Pharmakanten arbeiten in der pharmazeutischen oder chemischen Industrie. Sie können laut Bundesagentur für Arbeit mit einem Bruttomonatsverdienst von etwa 3000 Euro bis 3500 Euro rechnen. Der Verdienst hängt vom Unternehmen ab.

Pharmazie oder Pharma-Technik studieren nach der Ausbildung

Wer nach der Ausbildung weiterkommen will, kann sich zum staatlich geprüften Techniker mit Fachrichtung Chemietechnik weiterbilden lassen. Oder Industriemeister mit der Fachrichtung Pharmazie werden. «Diese Ausbildung dauert noch einmal zweieinhalb Jahre», sagt Wilken. Eine andere Weiterbildungsoption kann ein Pharmazie-Studium sein. Alternativ gibt es an Fachhochschulen den Studiengang Pharmatechnik.

Zukunftsängste beruflicher Art muss Boos sich nicht machen. Denn Arzneimittel werden immer produziert und gebraucht. Hinzu kommt, dass die Experten in der Pharmaindustrie ständig an Verbesserungen arbeiten - sowohl bei bereits bestehenden Präparaten als auch bei der Entwicklung neuartiger Produkte.

© dpa-infocom, dpa:200821-99-255219/2


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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