Wie werde ich Florist/in?

20.02.2017
Immer weniger Jugendliche absolvieren die Ausbildung zum Floristen. Das Gehalt ist eher gering, und die Arbeitszeiten sind lang. Doch das sind nur die Schattenseiten. Mit dem Job lässt sich viel mehr machen, als viele erst einmal denken.
Neben Sträußen für die Laufkundschaft macht Franziska Kurschinski auch Gestecke für Hochzeiten oder Geschäftstermine. Dabei ist eine gute Organisation wichtig. Foto: Judith Michaelis
Neben Sträußen für die Laufkundschaft macht Franziska Kurschinski auch Gestecke für Hochzeiten oder Geschäftstermine. Dabei ist eine gute Organisation wichtig. Foto: Judith Michaelis

Düsseldorf (dpa/tmn) – Pfingstrosen und Hortensien sind Franziska Kurschinskis Lieblingsblumen. Ein durchschnittlicher Arbeitstag fängt für die angehende Floristin frühmorgens mit dem Einkauf beim Großhändler an. Sobald die Blumen im Geschäft eingetroffen sind, versorgt sie die Pflanzen.

Das bedeutet: die Blumen säubern, anschneiden und ins Wasser stellen. Dann treffen die ersten Kunden ein, und Kurschinski bindet Sträuße. An manchen Tagen ist sie auch unterwegs, um einen Veranstaltungssaal zu dekorieren. Später am Tag bereitet sie dann vielleicht im Geschäft ein paar Sträuße für den Folgetag vor und macht den Laden sauber. Gearbeitet wird auch am Wochenende. «Dafür gibt es dann unter der Woche Freizeitausgleich», erklärt die 20-Jährige.

Franziska Kurschinski ist im dritten Ausbildungsjahr zur Floristin. Sie lernt im Düsseldorfer Floristikfachgeschäft A la casa del fiore. «Echt klasse ist, dass ich täglich meine kreative Ader ausleben kann», sagt Kurschinski. Denn es kommt vor, dass ein Kunde keine festen Vorstellungen hat und bei der Zusammenstellung eines Blumenstraußes auf den Rat einer Fachkraft setzt. «Floristen sind aber nicht nur Blumengestalter, sondern auch Dekorateure», sagt Nicola Fink vom Fachverband Deutscher Floristen (FDF). Als Dekorateure sind sie im Einsatz, wenn sie einen Raum für eine Hochzeit schmücken.

In dem Beruf fallen aber auch Verwaltungsarbeiten an. «Bewerber sollten auf jeden Fall eine kaufmännische Denkweise mitbringen», erklärt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. So müssen Floristen abhängig von der Saison Schnittblumen und Pflanzen im Großhandel ordern.

Es gehört übrigens auch zum Beruf dazu, gebundene Sträuße beim Kunden vorbeizubringen – etwa wenn sie über einen Onlineshop in Auftrag gegeben wurden. Obwohl die Tätigkeit so abwechslungsreich ist, ist die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz rückläufig. 2015 gab es nach FDF-Angaben rund 2670 Azubis gegenüber rund 2800 Azubis in 2014. «2010 hatte die Branche noch etwa 4500 Azubis verzeichnet», erklärt Fink. Gute Floristen sind nach ihren Angaben gefragt und finden «definitiv eine Anstellung nach der Ausbildung».

Bevor es mit der ersten Anstellung klappt, müssen angehende Floristen eine dreijährige Ausbildung absolvieren. Die tarifliche Ausbildungsvergütung liegt laut FDF im ersten Jahr zwischen 380 und 540 Euro brutto, im zweiten Jahr zwischen 420 und 600 Euro, und im dritten Jahr sind bis zu 650 Euro brutto drin. «Nach der Ausbildung ist ein Einstiegsgehalt von 1700 bis 2200 Euro brutto möglich», sagt Fink. Das Gehalt kann aber auch, je nach Arbeitgeber, niedriger sein, denn die Vergütung hängt von regionalen-, branchen- und unternehmensspezifischen Kriterien ab.

Floristen sind in Blumengeschäften angestellt oder selbstständig tätig. Sie arbeiten im Großhandel und als Hausfloristen in Institutionen, Hotelketten oder auf Kreuzfahrtschiffen. Wer Karriere machen will, kann sich zum Filialleiter fortbilden. Oder den Meister machen und einen Laden eröffnen. Welchen Weg Kurschinski gehen wird, weiß sie noch nicht: «Ich lasse alles auf mich zukommen.»

Berufsbild Florist bei der Bundesagentur für Arbeit

Ausbildung Florist beim Fachverband Deutscher Floristen


Verfasser: dpa-infocom GmbH

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