Wie werde ich Bauwerksabdichter/in?

30.04.2018
Dächer, Tiefgaragen, Brücken: Es gibt kaum eine Baustelle, auf der Bauwerksabdichter nicht unterwegs sind. Sie sorgen dafür, dass Feuchtigkeit Gebäuden nichts anhaben kann - und bekommen es dabei oft genug selbst mit Wind und Regen zu tun.
Abwechslung garantiert: Im Rahmen seiner Ausbildung lernt Bauwerksabdichter Denny Wagner zahlreiche verschiedene Materialien und Methoden kennen. Foto: Georg Göker/Ballmann Dächer GmbH
Abwechslung garantiert: Im Rahmen seiner Ausbildung lernt Bauwerksabdichter Denny Wagner zahlreiche verschiedene Materialien und Methoden kennen. Foto: Georg Göker/Ballmann Dächer GmbH

Waltenhofen-Hegge (dpa/tmn) - Egal ob Wind, Regen oder Sommerhitze - Denny Wagner liebt es, draußen zu arbeiten. Und schwindelfrei ist er auch noch. Ideale Voraussetzungen also für die Ausbildung zum Bauwerksabdichter.

«Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, man arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Methoden, mal drinnen, mal draußen», erzählt der 22-Jährige. «Das hat mir Spaß gemacht, und ich habe gemerkt, dass es der richtige Beruf für mich ist.»

Eine Erkenntnis, die ihre Zeit brauchte. Denn eigentlich machte Wagner eine Ausbildung zum Stahl- und Betonbauer, als ihn im zweiten Lehrjahr Begeisterung und Motivation verließen. «Dann habe ich geschaut, was wirklich zu mir passt», sagt er. Eine Zeitungsanzeige weckte schließlich sein Interesse: Auszubildender in der Bauwerksabdichtung gesucht. Heute ist er Lehrling im zweiten Jahr bei der Firma Ballmann Dächer im Oberallgäu.

Geschichten wie diese kennt Stefan März von den Beruflichen Schulen für Bauwerksabdichtung in Nürnberg zuhauf. «Wie oft im Baugewerbe sammeln sich in diesem Beruf viele, die durch Zufall auf die Lehrstelle aufmerksam werden», sagt er. Es entwickle sich aber häufig ein gewisser Stolz, eine Liebe zum Beruf.

Flachdächer, Parkdecks, Brücken, Schwimmbäder und Tiefgaragen - Bauwerksabdichter arbeiten überall dort, wo Bauwerke vor Feuchtigkeit geschützt werden müssen. «Die Auszubildenden sollten teamfähig sein, wetterfest und körperlich gesund. Ansonsten sind die Anforderungen gering», sagt März. «Wer willig ist und gewisse intellektuelle Grundfähigkeiten besitzt, lernt alle fachlichen Fähigkeiten bei uns.» So ist der Beruf auch eine Chance für viele, die in der Berufswelt bisher keinen Fuß fassen konnten.

Allerdings ist der Job auch körperlich anstrengend, mit schweren Gerätschaften und Arbeit in oft schwindelerregender Höhe. Neben der Lehre im Ausbildungsbetrieb gehören Blockunterricht in der Berufsschule und überbetriebliche Lehreinheiten zur Ausbildung. Ausbildungsbetriebe für Bauwerksabdichter gibt es aber nur wenige, und auch der Weg zur Berufsschule ist häufig lang. So werden in Nürnberg Lehrlinge aus sieben Bundesländern unterrichtet und während der Schulzeit in Lehrlingsheimen untergebracht.

Wer sich für die Ausbildung entscheidet, darf sich über eine vergleichsweise ordentliche Vergütung freuen: Laut Bundesagentur für Arbeit verdienen Auszubildende im ersten Lehrjahr monatlich zwischen 705 und 785 Euro, bis zum dritten Jahr steigt das Ausbildungsentgelt auf 1130 bis 1410 Euro.

Wagners Chef ist Georg Göker, Vorsitzender der Bundesfachabteilung Bauwerksabdichtung im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. «Abdichtungen haben eine jahrtausendalte Tradition, die sich schon bei den Hängenden Gärten von Babylon und in der Abdichtung von frühen Staudämmen zeigt», erklärt er die Historie seines Berufs. Und auch für die Zukunft sieht Gäker alles andere als schwarz: «Schäden an Bauwerken durch unzureichende Abdichtungen gehören in Deutschland zu den häufigsten und schwerwiegendsten Bauschäden.» Profis bleiben also gefragt.

Wer die Lehre erfolgreich abgeschlossen hat, dem bieten sich mehrere Möglichkeiten der Weiterbildung - zum Fach- oder Vorarbeiter etwa sowie zum Werkpolier. Auch Denny Wagner schmiedet Zukunftspläne: «Ich will erstmal meine Ausbildung schaffen und dann vielleicht Vorarbeiter werden. Das wäre mein Ziel für die nächsten Jahre.»

Job-Steckbrief im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit


Verfasser: dpa-infocom GmbH

KEYWORDS

TEILEN


Das könnte Sie auch interessieren
Dieser Metallkasten soll auf dem Dach der Euskirchener Kreisverwaltung verbaut werden. Foto: Henning Kaiser/dpa-tmn Wie werde ich Dachdecker/in? Sie bringen Ziegel, Dämmplatten oder Solaranlagen an: Dazu arbeiten Dachdecker bei Wind und Wetter auf Häusern und Kirchtürmen. Leichtsinnigkeit ist da fehl am Platz. Inzwischen gibt es aber technische Unterstützung - Drohnen sei Dank.
Die erste große Herausforderung gemeistert: Im Rahmen seiner Ausbildung hat Sascha Cuppenbender auch schon allein auf einer Baustelle gearbeitet - mit Erfolg. Foto: Ina Fassbender Wie werde ich Fliesenleger/in? Eintönig ist die Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger nicht. Denn beim Planen und Gestalten von Wand- und Bodenbelägen warten immer neue Herausforderungen auf Azubis. Das ist körperlich oft anstrengend, wird aber vergleichsweise gut bezahlt.
Leon Blaszyk (19),Auszubildender für Gerüstbau, sorgt dafür, dass Maler oder Fensterreiniger sicher an einer Fassade arbeiten können. Foto: Anne Kathrin Jegen Wie werde ich Gerüstbauer/in? Egal, ob das Einfamilienhaus einen neuen Anstrich braucht oder der Kölner Dom von Taubendreck befreit werden soll: Für die Arbeit an Fassaden braucht es Gerüste. Und die stellen nicht etwa Maler oder Restauratoren selbst auf, sondern ausgebildete Gerüstbauer.
Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bleibt gefragt. Foto: Oliver Berg Ausbildungsreport: Gleiche Lehrberufe bleiben beliebt In Deutschland gibt es mehr als 350 Ausbildungsberufe, doch ein Großteil der Bewerber konzentriert sich auf eine enge Auswahl. Da bleibt manche Berufsperle mit guten Perspektiven unentdeckt.